Länger andauernden Überlebenskampf

Gesundheitslexikon: Agonie

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5. März 2019 - 11:54 Uhr

Agonie: Wenn Vitalfunktionen Schritt für Schritt versagen

Obwohl niemand gerne daran denkt, wartet das Lebensende auf jeden Menschen. Im Angesicht des Todes ist bekanntermaßen jeder gleich. Das bestätigt der Zustand der Agonie: ein letztes Aufbäumen gegen den näher rückenden Tod. Die agonische Phase entspricht im medizinischen Sprachgebrauch einem länger andauernden Überlebenskampf, den Sterbende gegen ihre schrittweise versagenden Nervenfunktionen aufnehmen. Die Vitalfunktionen schränken sich während dieser Phase ohne Aussicht auf Verbesserung ein. Agonie mündet deshalb immer in den Tod. Ganz gleich sind Menschen direkt vor dem Tod aber doch nicht: Wie genau die Agonie-Phase verläuft, hängt stark von der Persönlichkeit und Situation ab.

Was ist eine Agonie?

In der Umgangssprache kann Agonie für ausweglose Leidsituationen stehen. Die Medizin meint mit dem Ausdruck allerdings immer die Phase des eintretenden Todes, in der die Nervenfunktionen mitsamt aller Vitalfunktionen langsam erlöschen. Diese Agonie-Phase kann wenige Minuten bis hin zu mehreren Stunden andauern und unterscheidet sich in ihren Symptomen von Person zu Person. Deutlich mehr als die Hälfte aller Deutschen stirbt mittlerweile in Kliniken. Zum Anfang des vergangenen Jahrhunderts galt dies hingegen nur für rund zehn Prozent der Bevölkerung. Für Kliniken gewinnen die Sterbebegleitung und der Umgang mit der agonischen Phase daher zunehmend an Bedeutung.

Welche Ursachen hat die Agonie?

Agonie hat ihre Ursache im schrittweisen Verlust sämtlicher Vitalfunktionen. Unter dieser Bezeichnung versteht die Medizin neben dem Herzschlag auch den Blutdruck und die Lungenfunktion, was Agonie-Beschwerden wie das Herzstolpern erklärt. Der Körper des Sterbenden driftet in der agonischen Phase immer näher auf den Tod zu, während sämtliche Nervenfunktionen langsam erlöschen. Den Anfang dieses Prozesses erleben viele Patienten bei relativ klarem Bewusstsein. Dieses bewusste Erleben des Lebensendes macht immer Angst - die typischen Gemütszustände und Paniksymptome der Agonie-Phase erklären sich dadurch von selbst.

Welche Symptome gibt es?

Viele Patienten zeigen in der Agonie Symptome wie Unruhe, Atemnot und Beklemmungszustände. Erste Totenflecken können sich bilden. Oft macht sich auf dem Gesicht von Sterbenden die sogenannte Facies hippocratica breit, ein starrer Gesichtsausdruck mit Mimik-Verlust. Kurz vor dem Tod reden viele Agonie-Patienten scheinbar sinnentleert. Ihre Gemütszustände können von Angst über Panik bis hin zu Aggression reichen. Das vorausgegangene Leben der Patienten spielt für den Ablauf und die Dauer der agonischen Phase eine entscheidende Rolle: Wer beispielsweise vieles zu bereuen hat, versucht eher am Leben festzuhalten. Auch Charaktereigenschaften wie die Akzeptanzfähigkeit beeinflussen die Ausprägung der Agonie.

Wie sehen Diagnose und Therapie aus?

Erste Anzeichen der Agonie erkennen geschulte Mediziner durch bloße Blickdiagnose. Zur Diagnosesicherung findet eine Prüfung der Vitalfunktionen statt. Die schrittweisen Nervenfunktionsverluste der Agonie-Phase lassen sich nicht rückgängig machen. Deshalb geht es bei Agonie-Patienten eher um Sterbebegleitung als um Ursachentherapie. Psychopharmaka wie Beruhigungsmittel erlösen die Patienten von agonischen Panikzuständen. Vielen erleichtert das Eintreffen der Angehörigen das Sterben. Symptome wie Atemnot mildern Ärzte mit Medikamenten. Die Betroffenen erhalten idealerweise sämtliche Zuwendungen, die ihnen das Sterben erleichtern. Oft wollen Sterbende kurz vor dem Tod etwas Bestimmtes loswerden. Deshalb geht es bei der Sterbebegleitung vor allem um ein offenes Ohr.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.