Ein lebenswichtiges Hormon

Gesundheitslexikon: ACTH

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2. April 2019 - 15:14 Uhr

ACTH: Wie beeinflusst das Stresshormon unseren Körper?

Die Abkürzung ACTH steht für adrenocorticotropes Hormon, welches vom Körper gebildet wird und zusammen mit anderen Hormonen wichtige Regelmechanismen im Organismus beeinflusst.

Was ist ACTH?

Beim adrenocorticotropen Hormon (ACTH) handelt es sich um ein nebennierenrindenstimulierendes körpereigenes Hormon, das in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gebildet wird. Von dort wird es ins Blut abgegeben und regelt beziehungsweise beeinflusst wichtige Funktionen des Stoffwechsels wie den Zucker-, Wasser- und Mineralstoffwechsel. Zudem regt es die Produktion und Freisetzung von Kortisol, Aldosteron und Östrogen sowie Testosteron in den Nebennierenrinden an. Bei psychischem oder körperlichem Stress wird das Hormon vermehrt ausgeschüttet und zählt daher zu den Stresshormonen. Eine Messung des ACTH-Wertes kann außerdem Aufschluss darüber geben, ob eine Nebennierenerkrankung oder ein Problem mit der Hirnanhangdrüse vorliegt.

Wann wird ACTH ausgeschüttet?

Die ACTH-Konzentration im Blut ist nicht homogen, sondern schwankt während des Tagesverlaufs. Am Morgen ist die Konzentration am höchsten und nimmt tagsüber allmählich ab, sodass sie am Abend am niedrigsten ist. Zu einer erhöhten Ausschüttung von ACTH kommt es bei der Menstruation, bei Alkoholmissbrauch und bei psychischen sowie körperlichen Belastungen. Bei emotional belastenden Situationen können selbst in der Tränenflüssigkeit erhöhte ACTH-Werte gemessen werden. Die Konzentration steigt außerdem bei Krankheiten, Verletzungen, zu viel Arbeit, Operationen, Depressionen oder auch Kälteeinwirkung. Zudem kann eine Nebennierenrindeninsuffizienz zu einer vermehrten Ausschüttung des adrenocorticotropen Hormons führen.

Was bewirkt ACTH im Körper?

In bestimmten Stresssituationen kann eine schnelle und hohe Ausschüttung von ACTH zusammen mit Adrenalin allerdings überlebenswichtig sein, etwa bei einer Flucht oder zur Bewältigung der akuten Situation. Das ACTH ist außerdem verantwortlich für das Steigern des Fettabbaus, das Speichern von Kortisol, das Stimulieren von Melanozyten der Haut, das Anhäufen von Cholesterin in den Körperzellen und das Verringern der Stickstoffausscheidung. Indirekt beeinflusst es durch die Regulierung des Cortisols im Blut zudem den Kohlenhydratstoffwechsel. Wenn genug Kortisol im Körper vorhanden ist, wird daher automatisch weniger ACTH gebildet.

Was passiert bei einem Mangel oder Überschuss?

Ein ACTH-Mangel führt zu einem Mangel an Kortisol. Dies könnte ein Hinweis auf eine mögliche Nebennierenrindeninsuffizienz oder eine Funktionsstörung der Hirnanhangdrüse sein. Außerdem können Tumore an den Nebennierenrinden zu niedrigen ACTH-Werten führen. Ein Überschuss an ACTH kann auf die Krankheit Morbus Cushing (Tumor in den ACTH produzierenden Zellen) oder das paraneoplastische Syndrom hindeuten. Manchmal tritt ein Überschuss an ACTH bei Lungenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs oder einer Unterfunktion der Nebennierenrinde auf (Morbus Addison). Bei sowohl einem ACTH-Mangel als auch -Überschuss sind daher umfangreiche Untersuchungen notwendig, um die Ursache zu finden.

Wie wird ACTH in der Medizin eingesetzt?

Im Rahmen therapeutischer Maßnahmen wir ACTH vor allem bei Epilepsie, etwa dem West-Syndrom angewendet. Die Erfolgsquoten betragen nach einer kurz- bis mittelfristigen Therapie etwa 80 Prozent bei Kindern. Allerdings sind die Rückfallraten mit etwa 65 Prozent sehr hoch und die Nebenwirkungen sehr belastend. Es kann zu einer Schwächung des Immunsystems, hohem Blutdruck oder sogar Herzversagen kommen. Weiterhin kommt ACTH zum Einsatz, wenn eine Nebenniereninsuffizienz ausgeschlossen werden soll oder der Verdacht auf ein adrenogenitales Syndrom besteht.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.