So hoch wird die Corona-Rechnung

Experten rechnen für 2022 mit neuem Beitragsrekord für gesetzliche Krankenversicherung

Die Krankenkassenbeiträge könnten im Jahr 2022 einen neuen Rekord erreichen.
Die Krankenkassenbeiträge könnten im Jahr 2022 einen neuen Rekord erreichen.
© picture alliance, Christian Ohde

28. April 2021 - 11:10 Uhr

Beitrag für gesetzliche Krankenversicherung kann auf 17,2 Prozent steigen

Dass die Krankenkassenbeiträge bald steigen könnten, das erwarten einige Gesundheitsexperten. Das Münchner Institut für Gesundheitsökonomik hat jetzt ausgerechnet, wie hoch der Anstieg ausfallen muss: Die Experten rechnen bereits für das Jahr 2022 mit einem Anstieg von 15,9 auf 17,2 Prozent. Das wäre ein krasser Anstieg und neuer Beitragsrekord für die gesetzliche Krankenversicherung. Und es könnte sogar noch schlimmer kommen.

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GKV-Spitzenverband: Auch Leistungskürzungen sind möglich

Denn auch der Spitzenverband Bund der Krankenkassen schlägt Alarm: "Der Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbandes hat mit Erstaunen und großer Besorgnis festgestellt, dass die Bundesregierung in ihren Eckwerten für den Bundeshaushalt 2022 keine zusätzlichen Haushaltsmittel zur Stabilisierung der Beitragssätze zur Kranken- und Pflegeversicherung eingeplant hat." Besonders übel: Allein die gesetzliche Krankenversicherung wird im kommenden Jahr einen zusätzlichen Finanzbedarf von etwa 16 bis 19 Milliarden Euro haben. Der könnte für 2022 auch deutlich höher ausfallen.

"Denn absehbar ist bereits heute, dass sich die Schere zwischen den sich pandemiebedingt ungewiss entwickelnden Einnahmen und den dynamisch steigenden Ausgaben weiter öffnet", so Uwe Klemens, Verwaltungsratsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes. Die Forderung der Krankenkassen: Um steigende Zusatzbeitragssätze ab dem Jahr 2022 auszuschließen, muss der Bund den erhöhten Finanzbedarf des Gesundheitsfonds im Jahr 2022 durch ergänzende Bundesmittel ausgleichen. Sonst droht nicht nur eine üppige Beitragserhöhung, auch die gesetzlichen Leistungen könnten für Versicherte eingeschränkt werden.

Im Schnitt 15 Euro im Monat mehr für die Krankenkasse

Das Münchner Institut für Gesundheitsökonomik sieht allerdings nicht nur Corona als Grund für die explodierenden Ausgaben. Auch die bessere Ausstattung der Kliniken mit Pflegepersonal kostet Geld. Und dann ist auch damit zu rechnen, dass die Zusatzeinnahmen geringer ausfallen. Zahlreiche Nullrunden bei Tarifverhandlungen bedeuten auch für die gesetzlichen Krankenkassen weniger Einnahmen durch steigende Gehälter.

Um die von den Krankenkassen erwartete Milliarden-Finanzlücke zu schließen, müssten die Kassen nach Berechnungen des Münchner Instituts für Gesundheitsökonomik ihre Beiträge um durchschnittlich 1,3 Prozentpunkte erhöhen. Für alle Versicherten in der gesetzlichen Krankenkasse bedeutet das im Durchschnitt 15 Euro im Monat. Der Arbeitgeber muss dieselbe Summe zahlen. Gutverdiener, deren Gehalt an der Beitragsbemessungsgrenze von derzeit 4.837,50 Euro liegt, dürften rund 30 Euro mehr bezahlen.

Vermeiden lässt sich der Anstieg des Beitrages eigentlich nur, wenn die Bundesregierung die Milliardenlücke aus Steuermittel ausgleicht. Das ist aber im Haushaltsplan des Bundes für das Jahr 2022 nicht vorgesehen. Und angesichts der Mega-Neuverschuldung wegen Corona wohl auch kaum zu erwarten.

Ob Versicherte bei einem Wechsel der Krankenkasse ein paar Euro einsparen können, wird sich noch zeigen.