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Gelnhausen: Hunde hinter Gittern sollen das Selbstbewusstsein junger Gefangener stärken

"Dem Hund kann ich vertrauen, der nimmt mir nichts übel."

Hunde hinter Gittern sollen das Selbstbewusstsein junger Gefangener stärken

Projekt soll jungen Gefangenen helfen Hunde im Knast
02:30 min
Hunde im Knast
Projekt soll jungen Gefangenen helfen

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Tiere sind die besseren Menschen – so auch der beste Freund, der Hund. Völlig vorurteilsfrei und ohne Erwartungen begegnet er aller Art von Menschen. Diese Eigenschaft und viele andere sind beispielsweise eine große Hilfe zum Therapieren von straffällig gewordenen Jugendlichen. Im hessischen Gelnhausen kommen sie seit geraumer Zeit sogar in der Jugendarresteinrichtung zum Einsatz. Mehr Infos darüber gibt es im Video.

„Wir erleben das hier als Eisbrecher.“

Verschlossene, schwierige Jugendliche, die psychisch sehr auffällig sind, sollen sich so besser öffnen können. Ein- bis zweimal die Woche bietet die Jugendarresteinrichtung für zwei bis vier Insassen die Arbeit mit den Hunden an. Damit die Jugendlichen an weiterführenden Behandlungsmaßnahmen teilnehmen können, müssen sie erst bereit sein und kommunizieren bzw. kooperieren wollen. Und hier kommen die Hunde ins Spiel, mit der Therapie können erste Hürden genommen werden.

Die Jugendlichen helfen dem Hund etwas Neues zu lernen und der Hund hilft den Jugendlichen in ihrer Entwicklung - ein Geben und Nehmen. Auch auffällig aggressive Jugendliche öffnen sich, wie die Geschäftsleiterin der Jugendarresteinrichtung Angelika Simon berichtet: „Dann kommt ganz oft der Spruch: ‘Naja, dem Hund kann ich ja auch vertrauen. Der nimmt mir nichts übel, nimmt mich so wie ich bin. Der macht keinen Unterschied, was ich für eine Vorgeschichte habe’“.

Hinter Gittern
Jugendarresteinrichtung macht Therapie-Arbeit mit Hunden.
picture-alliance / dpa, Stefan Puchner

Ein großer Beitrag für Mensch und Tier

Es ist ein Herzensprojekt der Geschäftsleiterin Angelika Simon. In erster Linie geht es darum, dass straffällig gewordene Jugendliche sich öffnen und durch Tierarbeit wieder auf die richtige Bahn gelenkt werden. Trotzdem kann jeder von den Gefangenen an der Therapie teilnehmen - von verängstigten bis suizidgefährdeten Teilnehmern. Jugendliche nehmen durch diese Therapiestunden so einiges mit: „Dass man mit einem Hund ein tolles Team sein kann, ohne jede Gewalt, ohne jeden Befehlston“, so betont Simon.

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Therapie-Hunde
Diese Hunde unterstützen die Jugendlichen bei ihrer Therapie.
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Eine Zukunft ohne Straftaten

Auch Hessens Justizminister Professor Roman Poseck begrüßt diese Kampagne. Er beschreibt es als wichtiges Unternehmen in der Jugendarrestanstalt bei der Kürze der Zeit, die im Arrest zur Verfügung stehe. „Das Projekt trägt wesentlich dazu bei, dass man auf die jungen Menschen einwirken kann, dass man einen Beitrag dazu leisten kann, dass sie, wenn sie hier wieder raus kommen, ein weiteres Leben ohne Straftaten führen.“, so Professor Roman Poseck. Aktuell läuft sogar eine Testphase des Projektes in der Justizvollzugsanstalt Frankfurt drei (Frauenvollzug) und diese scheint laut Poseck sehr gut anzulaufen. Vielleicht können die Hunde auch hier langfristig zur Besserung und Wiedereingliederung beitragen. (naw)