"Weit und breit keine Menschenseele"

Ohne Maske an Haltestelle erwischt: 18-Jähriger will Bußgeld nicht zahlen

Timo Schulz denkt gar nicht daran, die fast 130 Euro Bußgeld zu zahlen.
Timo Schulz denkt gar nicht daran, die fast 130 Euro Bußgeld zu zahlen.
© HAZ/Dirk Wirausky

24. Oktober 2021 - 9:46 Uhr

Zoff um Corona-Bußgeld landet vor Gericht

Weil er an einer leeren Bushaltestelle abends keinen Mund- und Nasenschutz getragen hat, soll ein 18-Jähriger aus Gehrden (Niedersachsen) fast 130 Euro Bußgeld zahlen. Doch Timo Schulz denkt gar nicht daran, wie die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ) berichtet: Er habe sich nichts dabei gedacht und später auch entschuldigt, das Bußgeld sei übertrieben. Jetzt wird der Fall vor Gericht verhandelt.

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Gehrden: Haltestelle wurde abends gar nicht mehr angefahren

Ganz allein saß der 18-Jährige an einem Märzabend auf der Bank der Bushaltestelle in Gehrden. Ein Bus war nicht in Sicht, denn die Haltestelle wurde zu dieser Zeit gar nicht mehr angefahren. Es sei auch "weit und breit keine Menschenseele" zu sehen gewesen, erzählt Timo Schulz dem Blatt.

Doch plötzlich standen zwei Polizisten in Zivil vor dem damals 17-Jährigen und erklärten, an der Haltestelle bestehe Maskenpflicht. "Ich habe mich entschuldigt und gesagt, dass ich die Maske sofort aufsetze", erinnert sich der Dachdecker-Azubi. Doch die Polizisten blieben hart, vermerkten die Personalien und verhängten ein Bußgeld wegen Verstoßes gegen die Corona-Regeln.

Weiteres Bußgeld wegen Corona-Verstoßes gegen Timo Schulz

Schon zehn Tage vorher war Timo von der Polizei gestoppt worden. Er war mit einem befreundeten Pärchen draußen unterwegs: nach Ansicht der Polizisten ein Haushalt zu viel. "Wir waren sicher, dass wir uns korrekt verhalten, weil mein Freund und seine Freundin als Paar gelten", beteuert Timo Schulz gegenüber der HAZ.

Auch in diesem Fall bekam er einen Bußgeldbescheid in Höhe von 128,50 Euro. Und auch dagegen hat der 18-Jährige Widerspruch eingelegt; eine Reaktion der Behörde steht noch aus. Timos Rechtsanwalt Gerd Mensching bezeichnet die Verordnungslage in diesem Fall als etwas undurchsichtig: "Es ist nicht klar, ob sich das Trio zusammen unterwegs sein durfte oder nicht."

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Kein Vorwurf an die Polizei – aber an die Behörden

Der Polizei macht Timo Schulz keinen Vorwurf, spricht aber in beiden Fällen von "Willkür" der Behörden. "Ich hätte gedacht, sie berücksichtigen die Umstände." Auch seine Mutter ist sauer. "Das sind Nichtigkeiten, und niemand ist gefährdet worden", sagt sie der Zeitung. Dass es nun wegen des Widerspruchs zu einem Termin am Wennigser Amtsgericht kommt, findet sie "unnötig".

Behörde hält an Bußgeld fest

Anwalt Gerd Mensching hält die Bußgeldbescheide für unverhältnismäßig. "Mehr Kulanz und mehr Fingerspitzengefühl an dieser Stelle wären angebracht gewesen." Außerdem habe Timo glaubhaft versichert, allein auf der Bank gesessen zu haben. Keine Argumentation, die die Behörde überzeugt: Timo Schulz habe sich einer nachvollziehbaren Anordnung widersetzt. Deshalb sei das Bußgeld auch gerechtfertigt. (bst)