Übergangsfrist endet im Juli

Masernimpfpflicht: Ärzte stellen gefälschte Atteste für Kinder aus

In Sachsen sollen gefälschte Einträge über Masernimpfungen für Kinder ausgestellt werden.
In Sachsen sollen gefälschte Einträge über Masernimpfungen für Kinder ausgestellt werden.
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08. Februar 2021 - 11:34 Uhr

Tricksereien mit fragwürdigen Attesten

Am 31. Juli 2021 endet die Übergangsfrist des Masernschutzgesetzes. Bis dahin müssen Kinder, die neu in eine Kita kommen, und Kinder, die schon in einer Kita sind, eine Masernschutzimpfung vorweisen. Doch nicht alle Eltern gehen mit der Impfpolitik mit. Schon jetzt gibt es Anzeichen auf Schummeleien, um die Masernimpfung zu umgehen. Das führte für eine Ärztin aus Sachsen sogar zu einer Strafanzeige.

Verdacht auf gefälscht Atteste

Bis Ende Juli müssen Eltern die Masernimpfung ihres Kindes belegen können. Laut Medienberichten liegen den sächsischen Gesundheitsämtern schon jetzt Verzüge im dreistelligen Bereich vor. Hinzu kommen fragwürdige Atteste von approbierten Ärzten, die Kinder von der Masernimpfpflicht befreien. Darin wird meist attestiert, dass eine Masernimpfung für das Kind gefährlich wäre, da Vorerkrankungen vorliegen. Der Sächsischen Landesärztekammer sind derzeit mehrere Verdachtsfälle bekannt.

Verdacht meist schwer zu belegen

Die verdächtigen Atteste anzugreifen, ist schwierig, erklärt uns der Sprecher der Sächsischen Landesärztekammer, Knut Köhler, "denn dann müsste man die Diagnose des Arztes widerlegen". Wirkliche Handhabe hat man nur, wenn man nachweisen kann, dass der Arzt das Kind nie gesehen hat. Verdächtig ist zum Beispiel ein Fall aus Brandenburg. Die Leiterin einer Bildungsreinrichtung hat die Landesärztekammer in Dresden darüber informiert, dass ihr zwei Atteste von Kindern vorliegen, die von ein und dem selben Arzt in Sachsen ausgestellt worden sind. Und das, obwohl die Praxis des Arztes weit entfernt vom Wohnort der Kinder liegt.

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Sächsische Ärztin wird wegen Fälschung angezeigt

Köhler erklärt, dass es meist die gleichen Ärzte seien, die diese Gefälligkeitsatteste ausstellen. Einer Ärztin aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wird das Ausstellen von gefälschten Attesten vorgeworfen. Die Landesärztekammer hat gegen die Frau Ende Dezember Anzeige wegen Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse bei der Staatsanwaltschaft Dresden erstattet.

"Die Ärztin soll bei Kindern eine Masernimpfung in den Impfausweis eingetragen haben, obwohl eine solche Impfung nicht durchgeführt wurde. Stattdessen wurde homöopatisch "geimpft"", heißt es in der Pressemitteilung der Landesärztekammer. Die Ärztin wusste, dass die Eltern die gefälschten Ausweise in den Bildungs- und Gemeinschaftseinrichtungen vorlegen müssen, um die Entscheidungsträger dieser zu täuschen und ohne Masernschutz aufzunehmen. Weiter heißt es aus der Pressemitteilung: "Die Täuschung war offensichtlich erfolgreich, denn es wurden bereits Kinder aus diese Weise aufgenommen."

Verdachtsfälle werden verfolgt

Die Strafanzeige gegen die Ärztin ist ein Einzelfall, denn meist reichen Verdachtsmomente nicht für eine Anzeige aus. Dennoch besteht "ein hohes Interesse an der Verfolgung dieser Straftat, weil die Legitimation von Impfausweisen und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Ärzte auf dem Spiel steht", erklärt Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer. Man gehe jedem Hinweis nach, darf aber als Kammer nicht ermitteln, so wie es die Polizei tun kann.

Masernimpfung bietet Schutz für andere Menschen

Das Thema der fragwürdigen Atteste kam schon im Sommer letzten Jahres auf, als viele Corona-Kritiker sich von einigen wenigen Ärzten Befreiungen vom Tragen eines Mund-Nasenschutzes ausstellen ließen. Dass das Tragen einer Maske andere vor Infektionen schützt, haben diese Menschen wohl nicht eingesehen. Ähnlich ist es auch mit den Eltern, die sich für ihre Kinder einen gefälschten Impfeintrag einholen. Wie das Bundesgesundheitsministerium in einer Erklärung zum Masernschutzgesetz mitteilt, gehören Masern "zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten. Masern bringen häufig Komplikationen und Folgeerkrankungen mit sich. Dazu gehört im schlimmsten Fall eine tödlich verlaufende Gehirnentzündung." Masern ist keine einfache Kinderkrankheit. Daher ist eine Impfung wichtig, auch, um andere zu schützen. Das Bundesministerium erklärt dazu: "Nicht geimpft zu sein bedeutet nicht nur eine erhebliche Gefahr für das körperliche Wohlergehen der betroffenen Person, sondern auch ein Risiko für andere Personen, die z.B. aufgrund ihres Alters oder besonderer gesundheitlicher Einschränkungen nicht geimpft werden können."

Bundesweites Problem?

Ob die verdächtigen Atteste nur in Sachsen so gehäuft auftreten oder auch bundesweit verbreitet ist, lässt sich nicht belegen. Die Bundesärztekammer hat dazu keine Zahlen und verweist auf mögliche Strafen für Ärzte, die falsche Einträge zu Masern in Impfausweisen geben. Knut Köhler von der Landesärztekammer in Sachsen vermutet, dass es falsche Atteste in ganz Deutschland geben könnte. Ob sich die verdächtigen Atteste noch häufen, wird sich im Juli zeigen, wenn die Übergangsfrist des Masernschutzgesetzes erlischt.