Offenbar bundesweit Fake-Dokumente im Umlauf

Dubiose Anbieter bieten gefälschte Impfpässe bei Telegram an

Offenbar sind gefälschte Impfausweise im Umlauf - verkauft werden sie unter anderem auf Telegram. (Symbolbild)
Offenbar sind gefälschte Impfausweise im Umlauf - verkauft werden sie unter anderem auf Telegram. (Symbolbild)
© dpa, Marijan Murat, mut axs

19. April 2021 - 12:46 Uhr

Fake-Impfausweise sehen täuschend echt aus

Derzeit sind in Deutschland weder eine Impfpflicht noch gravierende Lockerungen der Corona-Maßnahmen für Geimpfte geplant. Trotzdem scheint das Geschäft für Betrüger zu boomen. Auf dem Messengerdienst "Telegram" werden in einschlägigen Gruppen gefälschte Impfausweise angeboten. Mit Stempel, Unterschriften, Aufkleber und Chargennummern der Corona-Impfstoffe sind die gefälschten Ausweise kaum vom Original zu unterscheiden. Zuerst hatte das ARD-Magazin "Report Mainz" über die dubiosen Angebote berichtet.

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RTL konnte Angebot für gefälschte Impfpässe einsehen

RTL konnte ein solches Angebot einsehen. Dort wirbt ein Händler mit Preisen ab 200 Euro pro Stück, auch gefälschte PCR-Testergebnisse soll man bei ihm erwerben können. Es gibt sogar Mengenrabatt. Fotos zeigen Impfausweise mit Unterschriften und Stempeln aus verschiedenen Regionen in Deutschland. Bezahlt werden kann laut Anbieter nur über verschiedene Krypto-Währungen wie Bitcoin. Die Bestellung erfolgt demnach direkt auf Telegram.

Doch nicht nur ist bei solchen dubiosen Angeboten die Gefahr groß, keine Ware zu erhalten – man macht sich allein mit dem Erwerb gefälschter Dokumente bereits strafbar.

Gefälschte Impfausweise aus Frankfurter Impfzentrum: DRK erstattet Anzeige gegen Unbekannt

Das ARD-Magazin "Report Mainz" konnte im Zuge der Recherchen an zwei der gefälschten Impfausweise gelangen – sie tragen demnach den Stempel "IMPFZENTRUM FRANKFURT, Ludwig-Erhard-Anlage 1" und sind unterschrieben. Kurz nach Bekanntwerden des Berichts hatte die Stadt Frankfurt mitgeteilt, dass das Deutsche Rote Kreuz Anzeige gegen Unbekannt erstattet habe. Das Impfzentrum, von dem der angebliche Stempel stammt, wird vom DRK betrieben.

"Die Stadt Frankfurt warnt eindringlich davor, solche Impfausweise zu erwerben und zu verwenden. Damit wird nicht nur die Gesundheit anderer Menschen gefährdet. Bereits der Erwerb eines gefälschten Impfausweises ist Betrug und damit eine Straftat", hieß es in einer Pressemitteilung der Stadt.

LKA warnt: Verkauf und Nutzung gefälschter Dokumente strafbar

Auch das hessische LKA warnte in einer Mitteilung vor dem Betrug mit gefälschten Impfpässen. Man werde gegen die Betrüger strafrechtlich ermitteln, hieß es. Sowohl das Herstellen, das Vertreiben, aber auch die Nutzung solcher gefälschten Gesundheitszeugnisse sei strafbar, erklärte das LKA auf Nachfrage der ARD. Allerdings seien Blanko-Impfpässe frei verkäuflich, was zum vermehrten Angebot gefälschter Zeugnisse führe.

"Zur Urkunde werden sie erst, sobald ein Arzt unterschreibt und der entsprechende Aufkleber eingeklebt wird", sagte die Sprecherin. Dieser sei vergleichsweise einfach nachzudrucken, denn er enthalte keine Sicherheitsmerkmale wie etwa ein Wasserzeichen oder ein Hologramm. Daher seien gefälschte Dokumente kaum von echten zu unterscheiden. Die in der Politik diskutierte digitale Version des Impfausweises könne dagegen mehr Fälschungssicherheit bringen.

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