16. Mai 2019 - 12:24 Uhr

von Juliane Timm

Viele Frauen nehmen die Pille. Dafür gibt es diverse Gründe. An allererster Stelle steht natürlich die Verhütung, doch die Präparate, die Frauen einnehmen, haben noch andere Vorteile - eine regelmäßige Monatsblutung und auch bessere Haut. Aber eine Chemiekeule aus rein kosmetischen Gründen einnehmen? Wie gefährlich dieser Trend ist und ob es Alternativen mit weniger Nebenwirkungen gibt, darüber sprachen wir mit der Gynäkologin Dr. med. Irmgard Zierden aus Köln.

Die Vorteile der Antibabypille

Die Einnahme der Antibabypille hat schon so seine Vorteile: makellose Haut, zum Beispiel. Mädchen können in der Pubertät einen Überschuss an männlichen Hormonen produzieren, Testosteron und Androgene. Diese Hormone führen dazu, dass sich die Talgdrüsen entzünden und verstopfen. Unreine Haut ist gerade im Teenager-Alter eine schwere Belastung. Durch die Hormone der Antibabypille, Östrogen und Gestagen, die zur Verhütung gedacht sind, verbessert sich aber auch oft entzündliche Akne.

Nebenwirkungen der Pille

Doch so schön das Hautbild auch wird, ist es das wert, wenn man sich mal die Liste der Nebenwirkungen durchliest? "Nein", sagt Frau Dr. Irmgard Zierden aus Köln. "Es ist völlig übertrieben, die Antibabypille nur aus kosmetischen Gründen zu nehmen. Solange es keinen medizinischen Grund gibt, sollten Sie die Pille meiden."

Denn: Thrombose, Blutgerinnsel in Blutgefäßen, ist bei Einnahme der Pille ein großes Gesundheitsrisiko. Gerade bei Menschen, die über 30 Jahre alt sind und viel rauchen, besteht ein höheres Risiko für Blutgerinnsel im Körper.

"Rauchen verändert die Gefäße, die Pille die Gerinnung, beides zusammen erhöht das Risiko für Thrombose", fasst Dr. Zierden zusammen. "Bei der Einnahme müssen Frauen vor allem bei Langstreckenflügen ab sieben Stunden vorsichtig sein und am besten Thrombosestrümpfe tragen, sich viel bewegen und trinken."

Todesfälle durch die Antibabypille

Seit 1987 sind mindestens vier Todesfälle in Frankreich auf die Einnahme der Antibabypille "Diane 35" des Pharmakonzerns Bayer zurückzuführen. Die Betroffenen starben an den Folgen einer Venenthrombose, ob genetische Belastungen vorlagen, ist aber nicht bekannt.

Frau Dr. Irmgard Zierden geht ins Detail: "Es sind vor allem Pillen, die Gestagene (Gelbkörperhormone) beinhalten. Sie erhöhen das Risiko für Thrombose." Sie warnt: "Wer durch seine Familie genetisch vorbelastet ist, sollte in jedem Fall von der Pille absehen."

Eine Pillen-Einnahme trotz genetischer Belastung wird kein Arzt verantworten können.

Diese Pillen erhöhen das Thrombose-Risiko

Welche Pillen-Generationen das Thromboserisiko erhöhen und wie Sie eine Thrombose erkennen, erfahren Sie in unserem Video.

Weitere Risiken durch die Pille

Ob die Pille auch Schuld an Schlaganfällen und Herzinfarkten bei Frauen ist, wurde in einer dänischen Studie von 2012 untersucht. Dort kam heraus, dass "zwei Frauen von 10.000 pro Jahr einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden, wobei das Risiko je nach Art und Dosis der Hormone variieren kann", wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie in ihrer Infobroschüre schreibt.

Gesunde Alternativen zur Pille - Hilfreiche Tipps von Dr. Zierden

Nicht nur die Hormone in der Pille auch andere Mittel, mit weniger Nebenwirkungen können das Hautbild verbessern. "Bevor man zur Pille greift, sollten Frauen erstmal ihre Ernährung umstellen."

1. Gesunde Ernährung

  • Fettes Fleisch meiden
  • Vollmilch-Schokolade meiden, generell Konsum von Milchprodukten unterlassen oder verringern
  • Nahrungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren essen
  • Zu Avocados, Lachs, Thunfisch, Walnüsse und Raps- und Leinöl greifen
  • Hoher Zuckerkonsum ist schlecht für die Haut

2. Mineralstoffe

  • Zink, antibakteriell und gut fürs Immunsystem
  • Selen, Spurenelement mit antioxidativer Wirkung, schützt vor freien Radikalen. Zu finden in Fisch, Fleisch, Eiern
  • Vitamin B5: Regt die Zellteilung an und lindert Reizungen der Haut
  • Vitamin A (Beta-Carotin) drosselt die Talgproduktion in den Poren. Aber: Hochdosiert ist Vitamin A schlecht für Raucher und kann Lungenkrebs begünstigen

3. Lotionen und Co.

"Manche Frauen besitzen Rezeptoren für männliche Hormone auf der Haut. Lotionen helfen lokal, besser als die Pille. Und auch Heilerde ist gut gegen Pickel, trocknet aber oft die Haut aus", erklärt Dr. Zierden. "Und: Teebaumöl auf die Stellen träufeln."

4. Gehen Sie regelmäßig zur Kosmetikerin

Eine Kosmetikerin, die die Talgdrüsen reinigt und die abgestorbenen Hautschuppen durch ein Peeling löst, ist bei schwerer Akne zu empfehlen. "Sich selber die Pickel auszudrücken, ist bei entzündeter Haut nicht zu empfehlen."

5. Reinigen Sie ihren Darm

"Mit einem gereinigten Darm kann Ihr Körper die Mineralstoffe und Lebensmittel besser aufnehmen und sich ihr Hautbild verbessern. Eine basische Fastenkur wie die 'F.-X.-Mayr-Kur' bietet sich dafür bestens an."

Sprechen Sie immer erst mit Ihrem Arzt

Wie wir sehen, gibt es in vielen Fällen immer ein alternatives Mittel gegen Akne und Pickelchen als die Pille. Viele Hausärzte, Hautärzte und auch Frauenärzte bieten Akne-Sprechstunden an. Bei Hautprobleme ist es immer ratsam einen Hausarzt aufzusuchen, bevor man sich selbst therapiert.