Diese Funktion hat die Wolfskralle

Warum haben Hunde weiterhin alle diese zusätzliche Kralle?

Hat die Wolfkralle beim Hund eigentlich noch eine Funktion?
Hat die Wolfkralle beim Hund eigentlich noch eine Funktion?
© DianesPhotographicDesigns

05. Oktober 2021 - 14:01 Uhr

Die Wolfskralle ähnelt dem menschlichen Daumen

Wenn Sie sich die Füße Ihres Hundes mal genauer angucken: Wie viele Nägel beziehungsweise Krallen sehen Sie dann? Richtig, meist fünf an den Vorderpfoten und vier Krallen an jeder Hinterpfote. Aber Moment mal. Da ist doch noch ein zusätzlicher Nagel, am oberen, inneren Teil der Pfote. Das ist die sogenannte Afterkralle, die auch unter dem Namen Wolfskralle bekannt ist. Sie erinnert – zumindest in Bezug auf ihre Position – an den menschlichen Daumen. Manche Hunderassen haben sie sogar an Vorder- UND Hinterpfoten. Sie scheinen gar keine richtige Funktion zu haben. Oder etwa doch?

Warum haben Hunde Afterkrallen?

Hunde, Katze und andere Säugetiere – sie alle haben sie: die sogenannte Wolfskralle. Während die meisten Vierbeiner sie an den Vorderpfoten haben, gibt es einige Hunderassen, darunter zum Beispiel der Pyrenäenberghund oder die französischen Briards, die sie auch an den Hinterpfoten haben. Aber erfüllen sie überhaupt einen Zweck, wenn sie nicht mal den Boden berühren und einfach nur… da sind?

Das Online-Portal "PetMD", das sich mit der Gesundheit unserer geliebten Haustiere beschäftigt, erklärt, dass die vorderen Wolfskrallen weniger beweglich sind. Der Grund: Sie sind an Sehnen und Knochen befestigt, während die hinteren Krallen manchmal nur an der Haut hängen. Vereinfacht kann man also schon sagen, dass die vorderen Afterkrallen das Gegenstück zu unseren Daumen bilden, wohingegen die hinteren Afterkrallen quasi die großen Zehen der Tiere sind. Einige Säugetiere haben sich so entwickelt, dass sie ihre hinteren Wolfskrallen gar nicht mehr brauchen. Die vorderen Krallen haben jedoch eine wichtige Aufgabe.

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Die vordere Wolfskralle bietet zusätzlichen Halt

Verschiedene Hunde halten ihre Pfoten auf einen weißen Untergrund.
Alle Krallen sind schöne Krallen!
© Ilona Shorokhova

"Wenn die Hunte rennen, beugen sich ihre Vorderpfoten oft bis zu dem Punkt, an dem ihre Afterkrallen den Boden berühren. Bei hohen Geschwindigkeiten – vor allem beim Abbiegen – oder auf rutschigem Untergrund bieten die Afterkrallen einfach zusätzlichen Halt und helfen, das Handgelenk zu stabilisieren", erklärt Tierärztin Jennifer Coates auf der Webseite von "PetMD".

Auch wenn der Hund etwas festhalten muss, wie zum Beispiel sein Spielzeug, klettern oder sich selbst aus dem Wasser heben will, sind die vorderen Afterkrallen nützlich. Die hinteren Krallen seien aber zu wackelig, um einen eindeutigen Zweck erfüllen zu können, erklärt die Medizinern weiter.

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Sollte man die Afterkrallen entfernen lassen?

Die vorderen Wolfskrallen sollten lieber nicht entfernt werden, da sie ja eine wichtige Funktion haben und dem Hund im Alltag helfen. Daher raten Experten im Allgemeinen davon ab, gesunde Klauen einfach so zu entfernen. Außer man kann sie mit einer Krankheit in Verbindung bringen, wenn zum Beispiel ein Tumor genau an der Kralle wächst.

Die hinteren, schwächeren Krallen möchten einige Menschen gerne entfernen lassen, weil sie Verletzungen befürchten oder weil es ihnen optisch nicht gefällt. Da aber sowieso nur noch wenige Hunderassen überhaupt Wolfskrallen an ihren Hinterbeinen haben, ist dieses Problem nicht weit verbreitet; eine Operation ist eher unüblich beziehungsweise unnötig. Sollte man sich trotzdem für eine Operation zur Entfernung der zusätzlichen Klauen entscheiden, sollte der Eingriff durchgeführt werden, solange der Hund noch ein Welpe ist, wie Coates ebenfalls erklärt.

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Pfoten- und Krallenpflege ist das A und O

Eine junge Frau schneidet die Krallen ihres Hundes, ein Corgi, der auf dem Rücken liegt und die ganze Situation zu genießen scheint.
Die Krallen eines Hundes sollten regelmäßig geschnitten und gepflegt werden.
© fotografixx, Annette Birkenfeld

Die Nagelpflege ist – wie bei uns Menschen – auch bei Hunden wichtig. Wenn die Pfoten und Krallen der Vierbeiner regelmäßig gepflegt werden, sollten die Bonus-Krallen in der Regel keine allzu großen Sorgen bereiten. Sie werden nicht anders als die anderen "Pfotennägel" behandelt: Wenn sich die Krallen Ihres Hundes regelmäßig abnutzen, weil Ihre Fellnase sehr aktiv ist, brauchen Sie nicht viel zu beachten. Ist Ihr Hund aber eher von der gemütlicheren Sorte, müssen die Nägel regelmäßig geschnitten werden, damit sie eine gesunde Länge haben. Der einzige Unterschied: Da die Afterkralle nicht mit dem Boden in Berührung kommt, kann sie nicht abgenutzt werden. Heißt: Gegebenenfalls muss sie häufiger geschnitten werden. (vdü)

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