Baby mit Aortenklappenstenose

Frühchen auf Intensivstation: Mutter in Quarantäne hofft auf Weihnachten mit ihrem Sohn in der Klinik

Raphael ist ein Kämpfer. Seit seiner Geburt im November liegt er auf der Intensivstation des Uniklinikums Frankfurt am Main. Bald darf er nach Hause.
Raphael ist ein Kämpfer. Seit seiner Geburt im November liegt er auf der Intensivstation des Uniklinikums Frankfurt am Main. Bald darf er nach Hause.
© @journeyofsomeone, Samantha Geidel, privat, Samantha Geidel

18. Dezember 2020 - 10:37 Uhr

Im Gespräch mit RTL erzählt die Mutter ihre Geschichte

Der fünf Wochen alte Raphael hat eine Aortenklappenstenose und liegt seit seiner Geburt als Frühchen auf der Intensivstation der Kinder-Kardiologie des Uniklinikums in Frankfurt am Main. Dank der Hilfe von zwei fürsorglichen Spezialisten stehen Raphaels Chancen auf ein Leben ohne Herzprobleme sehr gut. Seine Eltern pendeln abwechselnd zwischen Frankfurt und Leipzig, um bei ihm zu sein. Doch seit dem Wochenende macht ihnen das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung. Nun hofft Mutter Samantha Geidel, dass wenigstens sie Weihnachten bei ihrem Sohn in der Klinik sein darf. Im Gespräch mit RTL erzählt sie ihre Geschichte und von der Hoffnung, ihren kleinen Jungen nicht alleine in der Klinik lassen zu müssen.

„Eigentlich ist so ein Mensch gar nicht überlebensfähig.“

In der 18. Schwangerschaftswoche erfuhren Samantha und Philipp Geidel, dass sie einen kleinen Jungen erwarten und dass er an einer Aortenklappenstenose, eine Verengung der Aortenklappe am Herzen, leidet. Alle vier Wochen wurde seitdem das kleine Herz kontrolliert. "Alles verlief immer gut", sagt Mutter Samantha, aber "in der 28. Woche haben wir sozusagen ein Todesurteil bekommen." Die linke Herzkammer hatte sich entzündet und deutlich aufgebläht.

Die Ärzte gaben den werdenden Eltern einige Optionen, die alle mit großem Risiko, geringer Lebenserwartung und mit Folgeschäden für den Kleinen verbunden gewesen wären. Selbst über einen Schwangerschaftsabbruch wurde gesprochen. "Jeder Weg, den wir im Kopf durchspielten, bereitete uns Kopfschmerzen und zahlreiche Tränen", erinnert sich Samantha.

Pränataler Eingriff im DZFT in Mannheim

Prof. Dr. Thomas Kohl,  Leiter des Deutschen Zentrums für Fetalchirurgie & minimal-invasive Therapie (DZFT), bei einer minimal-invasiven pränatalen Operation.
Prof. Dr. Thomas Kohl, Leiter des Deutschen Zentrums für Fetalchirurgie & minimal-invasive Therapie (DZFT), bei einer minimal-invasiven pränatalen Operation.
© Deutsches Zentrum für Fetalchirurgie & minimal-invasive Therapie

Durch die Recherchen von Vater Philipp Geidel wurden die Eltern aufmerksam auf Prof. Dr. Thomas Kohl, Leiter des Deutschen Zentrums für Fetalchirurgie & minimal-invasive Therapie (DZFT) in Mannheim, der pränatale Operationen durch den Mutterbauch in der Fruchtblase am Kind durchführt. "Ich setzte alle Hoffnung in diesen Arzt. Und tatsächlich kam unser Baby in Frage", sagt Mutter Samantha.

Der pränatale Eingriff an ihrem Kind war der siebte innerhalb von zwei Jahren. Viele Fälle kommen für die Operation gar nicht erst in Frage. Nur drei Standorte in Deutschland führen solche Operationen überhaupt durch. Das Sterberisiko bei dieser Art Eingriff liegt bei 20 Prozent. Aber Raphael schaffte es, der Eingriff war erfolgreich. "Ich weiß noch, wie ich im Aufwachraum lag und meinen Mann anrief und wir beide vor Glück weinten", so Samantha Geidel. Bis heute telefoniert Prof. Dr. Kohl mehrmals wöchentlich mit den Eltern, um sich nach Raphael zu erkundigen.

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Prof. Dr. Schranz rettet Raphael das Leben

Da der Eingriff noch einmal durchgeführt werden musste, wurden die Geidels nach Frankfurt am Main zum emeritierten Kinderkardiologen Prof. Dr. Dietmar Schranz, geschickt. Am 11. November kam Raphael dann frühzeitig zur Welt und liegt seitdem auf der Intensivstation des Klinikums in Frankfurt. Dort wird er liebevoll vom Krankenhauspersonal betreut und ist laut seinen Eltern in den besten Händen.

Als Anfang Dezember Raphaels linke Herzkammer nicht in der Lage war, den Kreislauf mit Blut zu versorgen und er fast daran stirbt, rettete Prof. Dr. Schranz durch eine Operation sein Leben. Dieser Eingriff wurde bisher nur neun Mal weltweit durchgeführt. "In meinen Augen ist er ein Gott", sagt Samantha Geidel über den fürsorglichen Kardiologen. "Wenn er mit mir spricht, um sich nach Raphael zu erkundigen, fragt er immer: "Na wie geht es unserem Kind?", erzählt uns Frau Geidel.

Ständiges Pendeln zwischen Leipzig und Frankfurt

Mutter Samantha Geidel mit ihrer dreijährigen Tochter. Sie muss durch die Quarantäne wochenlang getrennt von ihr sein.
Mutter Samantha Geidel mit ihrer dreijährigen Tochter. Sie muss durch die Quarantäne wochenlang getrennt von ihr sein.
© @journeyforsomeone, Samantha Geidel, privat

Mama Samantha und Papa Philipp pendeln seit Raphaels Geburt ständig zwischen Leipzig und Frankfurt, um ihren kleinen Sohn abwechselnd zu besuchen. Bislang haben sie rund 4.500 Euro für Fahrten und Übernachtungen in Mannheim und Frankfurt ausgegeben. Die Corona-Pandemie mache die Besuche noch stressiger.

Coronavirus macht Strich durch die Weihnachtspläne

Doch der große Schock kam vergangenes Wochenende, als Mutter und Vater informiert wurden, dass sie Erstkontakt mit einem Corona-Infizierten hatten. Die dreijährige Tochter des Paares hatte sich in der Kita angesteckt, als ihre Mutter in Frankfurt bei Raphael war. Vater Philipp muss daher in Quarantäne in Leipzig bleiben und kann frühestens am 27. Dezember wieder zu seinem Sohn. Mutter Samantha hat sich entschieden, ein Hotelzimmer in Frankfurt zu nehmen und wird durch die Uniklinik nun ständig getestet. Falls die Tests innerhalb der nächsten zehn Tage weiterhin negativ ausfallen, darf sie einen Tag vor Heiligabend wieder zu Raphael und wird mit ihm Weihnachten feiern können.

Alternative Weihnachtspläne

Die Tage im Hotelzimmer sind für Mutter Samantha zwar schwer, aber glücklicherweise hat sie ein tolles soziales Umfeld, bestehend aus ihrer Familie und Freunden, mit denen sie täglich telefoniert. Für ihre dreijährige Tochter ist die ganze Situation auch schwer, "aber sie versteht es", sagt ihre Mutter. Sie telefonieren täglich fünf bis sechs Mal.

Nach dem Corona-Schock wurde Raphael zur Sicherheit in eine abgesonderte Einheit verlegt. Dort bekommt er eine 1:1-Betreuung durch eine Schwester. "Das beruhigt ein bisschen", sagt Mutter Samantha. Wenn alles gut läuft, darf Raphael im Januar nach Hause. Dann will die ganze Familie Weihnachten zusammen nachfeiern. "So ist das jetzt eben und wir machen jetzt das Beste daraus", sagt Samantha Geidel hoffnungsvoll.