Viele Vorschusslorbeeren, wenig Ertrag

Einmal Präsident und zurück: Die kurze Ära Fritz Keller beim DFB

Fritz Keller
Fritz Keller
© AP, Martin Meissner, mm

12. Mai 2021 - 13:51 Uhr

Fritz Keller im Porträt

Als Patenkind des großen Fritz Walter war die Laufbahn von Fritz Keller schon früh vorgezeichnet. Er brachte es bis zum DFB-Präsidenten - wenn auch nur für knapp zwei Jahre. Nach dem beispiellosen Machtkampf im Verband schmeißt der 64-Jährige nun hin.

Video: Keller kündigt Rücktritt an

Sein Weg war vorgezeichnet

Ein Leben mit dem runden Leder wurde Fritz Walter Keller sprichwörtlich in die Wiege gelegt. Schließlich hatte schon sein Vater "einen Fußballknall", wie er einst erzählte - und deshalb reichte es natürlich nicht, dass der legendäre Fritz Walter sein Patenonkel wurde. Nein, der Sprössling musste auch gleich nach dem größten aller "Helden von Bern" benannt werden. Kellers Weg war vorgezeichnet.

Für eine Karriere als Profi sollte es trotz all der guten Omen zwar nicht reichen. "Mein Talent war sehr beschränkt", berichtete Fritz Keller, und "der Ball war nicht mein Freund". Bis an die Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) führte ihn dieser Weg dennoch - auch wenn er nun nach noch nicht einmal zwei Jahren im Amt in einer Sackgasse endete.

Seinen Zugang zum Spiel hatte sich der junge Fritz erschummeln müssen. "Ich kam erst zum Fußball, als ich die Unterschrift meines Vaters nachmachen konnte", erzählte der heute 64-Jährige, der alte Franz Keller hatte seinem Sohn den Eintritt in einen Verein verboten - der Fußball halte von der Arbeit ab. Und das, obwohl der Vater, der 2007 starb, beim ersten deutschen WM-Sieg 1954 als Fan im Wankdorfstadion war und die "Helden von Bern" nach der Rückkehr aus der Schweiz auf dem Kellerschen Weingut vor den Toren Freiburgs feierten.

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Mehr Erfolg als Winzer

Mit eben jenem Weingut lief es für Keller wesentlich erfolgreicher als mit dem Ball am Fuß. Der Südbadener erarbeitete sich in der Weinszene ein hervorragendes Renommee, 2018 wurde er mit seinem Sohn Friedrich vom Gault&Millau-Weinguide sogar zu Deutschlands Winzer des Jahres gekürt. Zudem besitzt das Hotel und Restaurant "Schwarzer Adler" schon seit 1969 einen Michelin-Stern. Seine Heimat am Kaiserstuhl bezeichnet Keller gerne als "Paradies", das "große Glücksgefühle" auslöse.

Von der DFB-Zentrale in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise, wo Keller in den vergangenen Monaten in einen erbitterten Machtkampf verwickelt war, wird er dies sicher nicht behaupten. Dabei war er mit viel Vorschusslorbeeren im September 2019 einstimmig zum 13. Chef des größten Einzelsportverbandes der Welt gewählt worden. Nach den geräuschvollen und unrühmlichen Rücktritten seiner Vorgänger Wolfgang Niersbach und Reinhard Grindel sollte er den DFB - wenn auch mit weniger Kompetenzen ausgestattet - wieder in ruhigere Fahrwasser führen. Eine Findungskommission des DFB hatte Keller als einzigen Kandidaten vorgeschlagen.

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Heillos zerstritten

Seit 2010 hatte dieser den SC Freiburg im beschaulichen Breisgau als Präsident geführt, mit ebenso großer Liebe zum Fußball wie zum Wein. "Fußball ist das letzte gemeinsame Lagerfeuer der modernen Gesellschaft", meinte Keller nach seinem Aufstieg zum wichtigsten Wortführer Dachverbandes. Auch Joachim Löw, der ebenso aus Freiburg stammt, sah in Keller den perfekten Mann für den Posten. Er schätze dessen "sehr gutes Gefühl für Menschen", wie der Bundestrainer nach Kellers Nominierung sagte: "Das wird er auch in den DFB übertragen können, dass die Stimmung sehr gut sein wird". Es kam anders.

Besonders mit Generalsekretär Friedrich Curtius zerstritt sich Keller heillos, der mächtige Vizepräsident Rainer Koch und Schatzmeister Stephan Osnabrügge schlugen sich auf Curtius' Seite. Dabei war Keller auch angetreten, um den DFB umzukrempeln. Er kündigte eine "externe Generalinventur" an, bei der er unter anderem auch Klarheit in den Skandal um die Vergabe der Heim-WM 2006 bringen wollte. Doch der Machtkampf in der Führungsspitze mitsamt aller Indiskretionen und Intrigen rückte immer mehr in den Vordergrund - und brachte Keller letztlich zu Fall.

MSC/SID

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