RTL/ntv "Frühstart"

Klimaschützerin Carla Reemtsma kritisiert Baerbock

12. Juni 2021 - 6:10 Uhr

Fridays for Future unzufrieden mit grünem Programm

Von Philip Scupin

Die Sprecherin von Fridays for Future in Deutschland, Carla Reemtsma, hat das Wahlprogramm der Grünen scharf kritisiert. "Es ist fatal, dass die Grünen sich hinstellen und sagen, wir wollen eine 1,5-Grad-Politik machen, aber dann nicht ernsthaft dazu stehen", sagte die Klimaaktivistin in der Sendung "Frühstart" bei RTL/ntv. Es sende ein falsches Zeichen für die Bundestagswahl, wenn selbst diejenige Partei, der von den Bürgern die höchste Klima-Kompetenz zugesprochen werde, nachweislich kein Programm aufstelle, das mit dem Pariser Klimaabkommen kompatibel sei. "Dann ist das auch etwas, wohinter sich andere Parteien verstecken werden."

Das Abkommen sieht eine Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit vor.

Keine Wahlempfehlung für die Grünen

Auf die Frage, ob mit einer Kanzlerin Annalena Baerbock fürs Klima alles gut würde, sagte Reemtsma: "Definitiv nicht." Baerbock und ihrer Partei würde sehr viel Klimaschutz zugetraut. "Da werden sie aber ihren eigenen Ansprüchen und den Ansprüchen, die auch viele Bürgerinnen und Bürger an sie stellen, häufig nicht gerecht."

Solange ihr Programm mit dem Pariser Ziel nicht zusammenpasse, könne es von Fridays for Future auch keine Wahlempfehlung für die Grünen geben, so Reemtsma. Abgesehen davon verstehe sich die Bewegung als überparteilich. An diesem Wochenende beschließen die Grünen ihr Programm für die Bundestagswahl. Es gibt heftige Debatten um die Baerbock-Forderung nach einem höheren Benzinpreis.

Klimaschützer fordern CO2-Preis von 180 Euro

Carla Reemtsma
Fridays-for-Future-Sprecherin Carla Reemtsma
© RTL

Baerbock wolle zwar an einigen Stellen Klimaschutz, sie und der Grünen-Bundesvorstand aber forderten einen CO2-Preis von höchstens 60 Euro pro Tonne. "Das reicht tatsächlich nicht aus, wenn wir ernsthaft Klimaschutz über den CO2-Preis betreiben wollen", findet Reemtsma. Studien wie die vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung würden zeigen, dass er bald im dreistelligen Bereich liegen müsse. "Der CO2-Preis muss perspektivisch auf 180 Euro steigen", so Reemtsma. Jede Tonne Kohlendioxid koste die junge Generation genau diesen Wert an Folgekosten. Nur ein so hoher Preis sorge außerdem dafür, dass die Industrie wirklich auf klimaschädliche Technologien verzichte.

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Fridays for Future betont soziale Gerechtigkeit

An der aktuellen Debatte um einen steigenden CO2-Preis und damit teureres Benzin zeige sich, dass beim Klimaschutz auch die soziale Gerechtigkeit nicht aus dem Blick geraten dürfe, sagte die Fridays-for-Future-Aktivistin. Das eingenommene Geld müsse an die Bürger zurückgegeben werden, zudem brauche es guten öffentlichen Nahverkehr, Fahrradinfrastruktur und E-Mobilität.

Die großen Hebel für weniger Treibhausgase lägen aber nicht beim Bürger, sondern bei der Industrie und hier vor allem bei der Energieproduktion. "Wir müssen über diese großen Dimensionen sprechen und das ist, was mir aktuell auch bei den Grünen fehlt."

Klimastreiks sollen weitergehen

Fridays for Future selbst werde sich von der Coronakrise erholen, versprach Reemtsma. Man sei schon jetzt in vielen Städten mit Hygienekonzepten, Abstand und Masken wieder auf der Straße. Am kommenden Freitag plane man zudem größere Kundgebungen, zusammen mit Gewerkschaften und weiteren zivilgesellschaftlichen Gruppen. Im September gebe es dann wieder einen globalen Klimastreik.

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