Debatte um Freiheiten für Geimpfte

Nimmt der Impfneid unter jungen Menschen jetzt zu?

Wenige junge Menschen erhalten bislang ein Impfangebot
Wenige junge Menschen erhalten bislang ein Impfangebot
© imago images/Future Image, Christoph Hardt via www.imago-images.de, www.imago-images.de

07. Mai 2021 - 15:46 Uhr

Corona: Viele junge Menschen erhalten noch kein Impfangebot

Die Impfkampagne nimmt Fahrt auf, über 30 Prozent der Deutschen haben zumindest ihre erste Impfung erhalten. Die zweite Spritze haben zwar erst gut sieben Millionen (8,6 Prozent) erhalten, doch auch dabei wird ein Impfrekord nach dem anderen aufgestellt.

Und nun sollen Geimpfte und Genesene viele ihrer Grundrechte zurückerhalten. Gerade für jüngere Menschen, die gerne geimpft würden aber bislang kein Angebot erhalten haben, ist das eine schwierige Lage. Denn so sehr man den Geimpften ihre Freiheiten gönnt – ein bisschen Neid ist manchmal schon dabei.

Trotzdem: Laut einer RTL-Forsa-Umfrage gönnen die allermeisten der 14- bis 29-Jährigen den Geimpften die Erleichterungen.

Corona-Regeln: Freiheiten erst nach 2. Impfung

Dabei übersehen viele, dass die Freiheiten nur für vollständig Geimpfte oder Genesene gelten. Das heißt: Erst 15 Tage nach der zweiten Impfung gilt man als vollständig geimpft – erst dann kann man auch wieder einige Freiheiten genießen.

Doch welche Freiheiten gelten konkret für vollständig geimpfte? Bei Einreisen aus Risiko-Gebieten reicht zukünftig ein Impfnachweis; in Quarantäne müssen Geimpfte dann nicht mehr. Wo Öffnungen mit Schnelltests erlaubt sind, wie zum Beispiel bei Zoos oder Friseursalons, brauchen Geimpften zudem keinen Test mehr machen. Auch die Ausgangssperre fällt für sie weg.

Weitere Öffnungen für Geimpfte, etwa Restaurants, Theater oder Fitness-Studios sind jedoch nicht geplant – dort richte man sich weiterhin nach den örtlichen Inzidenzwerten.

Große Belastung für Jugendliche und Studenten

Insbesondere Studenten, die ein neues Studium angefangen haben, leiden stark unter den Corona-Maßnahmen. Vorlesungen finden nur Online statt, Möglichkeiten Kommilitonen kennenzulernen oder privat Freunde zu treffen gibt es nicht. Tchadarou Abdoul hat vor kurzem seinen Master in Medizin-Technik angefangen und erzählt im Interview mit ntv von den Belastungen der Pandemie. Man habe keine Möglichkeit, Praxis-Kurse mitzunehmen und "macht sich dann ja schon Sorgen, wie man als angehender Ingenieur dann die ganzen Tätigkeiten leisten kann."

Auch das Privatleben leide stark. "Es gibt keine Möglichkeit mehr, mit Freunden etwas zu unternehmen und einen Ausgleich zu schaffen. Das ist irgendwo auch eine psycho-soziale Belastung mit der wir zu kämpfen haben", so Abdoul.

Einschränkungen, mit denen die Jugendlichen und Studenten wohl noch länger werden leben müssen als ältere Menschen. Denn in der Impf-Reihenfolge kommen sie erst sehr viel später dran – vor Juli bekommen viele wohl keinen Impftermin.

Quelle: dpa, ldi

RTL.de empfiehlt

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Ministerpräsidenten rufen zu Geduld auf

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier ruft im RTL-Interview zu mehr Verständnis für Freiheiten von Geimpften auf. Wichtig sei, dass Nicht-Geimpfte ein Verständnis dafür entwickeln, wie wichtig ein hohes Impftempo für die gesamte Bevölkerung ist. "Die Zahl wird kleiner, je schneller wir beim Impfen durchkommen, desto mehr werden doppelt geimpft sein. Und in der Zwischenzeit bedarf es eben viel Erklärung, dass wir nicht willkürlich die einen bevorzugen und die anderen benachteiligen.", so Bouffier.

Auch Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans verteidigt die Freiheiten für Geimpfte. "Es geht nicht darum, mehr Freiheiten zuzugestehen. Sondern es sind Grundrechte, die grundsätzlich Menschen zustehen. Und da wo uns die Wissenschaft sagt, dass Geimpfte oder Genesene Personen nicht mehr zum Infektionsgeschehen beitragen, ist zügig auch die Rücknahme der Einschränkungen angesagt.", erklärte Hans bei einem Pressestatement.

Bis wirklich alle ein Impfangebot erhalten, kann es zwar noch dauern – jeder Geimpfte mehr ist auf lange Sicht aber immerhin ein Schritt Richtung Freiheit für ALLE.

Mehr Informationen zum Thema Impfungen und Impf-Reihenfolge finden Sie hier.

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