Kann das Gesetz nur Vater, Mutter, Kind?

Im Herzen eine Familie, aber nicht auf dem Papier: Anwältin kämpft für queeres Paar

Anwältin kämpft für queeres Paar Im Herzen eine Familie, aber nicht auf dem Papier
03:05 min
Im Herzen eine Familie, aber nicht auf dem Papier
Anwältin kämpft für queeres Paar

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Eltern zu werden ist für viele Paare das absolute Glück. Auch für Tara und Tony war die Geburt ihrer Tochter ein unvergesslicher Moment. Doch darauf folgte die herbe Enttäuschung: nur Tara darf sich als Elternteil eintragen lassen, Tony nicht. Denn Tony ist non-binär – ordnet sich also weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zu. Und da macht das deutsche Gesetz nicht mit. Welchen Weg die beiden nun gehen und wie das Gericht in Frankfurt die Lage erklärt – im Video.

Zweite Elternposition ist nur für einen Mann gedacht

Anwältin Friederike Boll steht Tara und Tony zur Seite und erklärt im RTL-Interview, warum nur Tara als Elternteil eingetragen werden darf: „Das Gesetz geht hier ganz klar von einer männlichen zweiten Elternposition aus. Und sagt: Hier gibt es keinen Deutungsspielraum. Da steht Mann. Und Vater ist auch ein männlicher Begriff. Und daher kann die zweite Elternposition qua Ehe nur einem Mann zugesprochen werden.“

Das bedeutet also, dass nur Tara als Mutter eingetragen werden kann. Wie ihnen geht es vielen queeren Paaren – selbst wenn sie verheiratet sind. „Es war klar, dass ich erst mal nach der Geburt offiziell als Alleinerziehende gelte“, erklärt Tara im RTL-Interview.

Adoption ist der einzige Ausweg

Für Tara und Tony ist die Situation unerträglich. Denn wenn Tara etwas passieren würde, hätte Tony als nicht eingetragenes Elternteil keine Chance für die gemeinsame Tochter zu sorgen. Der einzige Ausweg: Tony muss die Tochter adoptieren. Doch mit einem Adoptionsantrag beginnt der nächste Spießrutenlauf. „Das Amt kommt nach Hause und guckt sich an, was sind das für Verhältnisse“, erklärt Friederike Boll. Tony und Tara müssen ärztliche Bescheinigungen vorlegen, die beweisen, dass sie erziehungsfähig sind und dass keine chronischen Krankheiten vorliegen. Außerdem müssen sie ihre Finanzen offen legen. „All das müssen andere – heterosexuelle – Elternpaare nicht“, so Boll weiter.

"Wie Menschen zweiter Klasse!"

„Die Adoption ist keine Lösung für uns und andere queere Paare. Da betrifft es nicht nur unsere Konstellation, weil wir eben behandelt werden, als wären wir nicht die Eltern des Kindes. Als hätten wir uns das nicht überlegt. Fast schon wie Menschen zweiter Klasse,“ beschreibt Tony die Situation. Tara hat für die Zukunft einen Wunsch: Dass die Welt einfach etwas offener wird. „Es geht einfach um Menschen, da ist das Geschlecht auch egal. Es geht um Menschen, die sorgen wollen, die eine Familie sein wollen.“ In ihrem Herzen sind die beiden mit ihrer Tochter schon eine Familie – jetzt wollen sie dafür kämpfen, dass sie es auch auf dem Papier sind. (npa/mva/dgö)