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Frankfurt: Drohschreiben-Opfer Seda Basay-Yildiz als Zeugin vor dem Landgericht

Zeugenaussage im NSU 2.0-Prozess

Drohschreiben-Opfer Anwältin Seda Bazay-Yildiz: "Wir lassen meine Tochter nicht aus den Augen"

Drohschreiben-Opfer Anwältin Seda Bazay-Yildiz: "Wir lassen Zeugenaussage im NSU 2.0-Prozess
02:40 min
Zeugenaussage im NSU 2.0-Prozess
Drohschreiben-Opfer Anwältin Seda Bazay-Yildiz: "Wir lassen

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Der Prozess im NSU 2.0-Fall am Frankfurter Landgericht ging mit einer wichtigen Vernehmung in die zweite Woche: Die Anwältin Seda Basay-Yildiz konnte als Zeugin gegen den Angeklagten Alexander M. aussagen. Sie war das erste Opfer der rassistischen Drohschreiben. Bereits vergangene Woche bestritt der vermeintliche Täter die Anschuldigungen. Ihm werden unter anderem Beleidigung, versuchte Nötigung und Bedrohung vorgeworfen - die Liste ist noch sehr viel länger. Auch der Anwalt Mehmet Daimagüler schildert im Gerichtssaal wie es ihm mit den Drohschreiben ergangen ist. Mehr dazu im Video!

Drohschreiben-Absender kannte vollen Namen und Geburtsdatum ihrer Tochter

Die Anwältin war das erste Opfer der Drohschreiben. Der 54-jährige Alexander M. aus Berlin steht im Verdacht, sie verfasst zu haben. Die Drohschreiben erhielten sehr persönliche Daten und eine Morddrohung – gerichtet an ihre kleine Tochter: „Als er meine Tochter und meine Eltern mit vollem Namen und Geburtsdaten genannt hat, da war die nächste Eskalationsstufe erreicht.“

Basay-Yildiz spricht von den Auswirkungen, die die Schreiben für ihre gesamte Familie hatten: Ihre Eltern seien stark verunsichert gewesen und ihr Mann und sie hätten sich Schutzmaßnahmen für die kleine Tochter überlegt: „Wir lassen meine Tochter keine Sekunde aus den Augen – egal, ob wir bei Nachbarn oder auf dem Spielplatz sind. Es muss immer jemand dabei sein.“

Frankfurter Anwältin Basay-Yildiz
Die Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz erhielt selbst Drohschreiben gegen sie und ihre Familie. Nun sagt sie als Zeugin im "NSU 2.0"-Prozess in Frankfurt aus. Foto: Boris Roessler/dpa
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Persönliche Daten bringen das Fass zum überlaufen

Obwohl sie immer wieder in Schreiben bedroht oder beleidigt wurde, habe sie zu diesem Zeitpunkt erstmals Anzeige erstattet, so Basay-Yildiz. In diesem Fall waren die privaten Daten der Auslöser und haben sozusagen das Fass zum Überlaufen gebracht: „Es waren Vornamen, Geburtsdaten von ihren Familienangehörigen. Wir haben keine Erklärung dafür, wie diese Daten in die Drohschreiben gelangt sind, was wir nur mit großer Sicherheit sagen können, ist: Diese Daten wurden auf dem ersten Polizeirevier am 2. August 2018 ungefähr 90 Minuten vor dem ersten Versenden des Drohschreibens abgerufen“, so Antonia von der Behrens, Anwältin der Nebenklage. Auch die Adresse der Juristin wird im Internet veröffentlicht.

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Alexander M. bestreitet alle Anschuldigungen

Die Richterin verliest mehrere Drohschreiben und entschuldigt sich sofort für die Ausdrücke. Die Empfänger werden als „Türkensau“ oder „Scheißdöner“ bezeichnet, die vergast oder abgeschlachtet werden sollten.

Die Staatsanwaltschaft wirft Alexander M. unter anderem Beleidigung in 67 Fällen, versuchte Nötigung und Bedrohung vor. Außerdem geht es um die öffentliche Aufforderung zu Straftaten, Volksverhetzung, Besitz kinder- und jugendpornografischer Schriften sowie einen Verstoß gegen das Waffengesetz. Bereits vergangene Woche hatte Alexander M. vor dem Frankfurter Landgericht in seiner Aussage alle Anschuldigungen ihm gegenüber bestritten.

Anspielung auf die rechtsextreme Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)

Die Serie der Drohschreiben hatte im August 2018 mit Todesdrohungen gegen Basay-Yildiz und ihre Familie begonnen. Die Schreiben waren mit "NSU 2.0" unterzeichnet in Anspielung auf die rechtsextreme Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Unter den Adressaten der Schreiben waren Privatpersonen und Personen des öffentlichen Lebens sowie Behörden. Besonders häufig betroffen von heftigen Beleidigungen und Drohungen waren Frauen , die öffentlich engagiert und erfolgreich sind.

(dpa/hdi)