Wahrscheinlich Labor-Verunreinigungen während der Analyse

Forscher geben Entwarnung: Deltakron existiert wahrscheinlich gar nicht

Der vermeintliche Nachweis einer Misch-Variante aus Delta und Omikron in Zypern geht Experten zufolge wohl auf Verunreinigungen während der Analyse zurück.
Der vermeintliche Nachweis einer Misch-Variante aus Delta und Omikron in Zypern geht Experten zufolge wohl auf Verunreinigungen während der Analyse zurück.
© imago images/Bihlmayerfotografie, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

11. Januar 2022 - 9:54 Uhr

Forscher weltweit haben Zweifel

Während die Welt die Omikron-Variante mit Booster-Impfungen bekämpft, machte gestern die Meldung über eine neue Sars-CoV-2-Variante die Runde - entdeckt auf der Mittelmeerinsel Zypern. Das US-Nachrichtenportal Bloomberg hatte zuerst gemeldet, dass Wissenschaftler um Prof. Leondios Kostrikis dem zyprischen Fernsehsender Sigma TV am 7. Januar 2022 von einer neuen Kombination aus Delta und Omikron berichtet hatte - die neue vermeintliche Variante wurde Deltakron getauft. Doch Forscher weltweit hatten schnell Zweifel an der Entdeckung. Sie sagen: Wahrscheinlich existiert die Variante gar nicht.

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Genome sind mit hoher Wahrscheinlichkeit sogenannte Artefakte

Der vermeintliche Nachweis einer Misch-Variante aus Delta und Omikron in Zypern geht Experten zufolge wohl auf Verunreinigungen während der Analyse zurück. "Diese Genome sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Artefakte", erläuterte Richard Neher von der Universität Basel (Schweiz), führender Experte für Virusvarianten, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Omikron-Mutationen, die hier in einem Zusammenhang mit Delta-Genomsequenzen beobachtet würden, beträfen alle einen DNA-Abschnitt, der bei Delta-Nachweisen oft sehr schwach ausfalle und daher sehr anfällig für Kontamination sei. Ähnlich äußerten sich weitere Experten bei Twitter, etwa die WHO-Expertin Maria van Kerkhove: Das Ergebnis gehe wahrscheinlich auf Verunreinigungen beim Sequenzieren zurück.

Nichts Ungewöhnliches, wie der englische Virologe Tom Peacock ebenfalls bei Twitter betont: "Dies hat nicht wirklich mit 'Qualität des Labors' oder Ähnlichem zu tun - das passiert buchstäblich in jedem Sequenzierungslabor gelegentlich!"

Entdecker beharrt auf seine Ergebnisse

Zuvor kursierten Berichte mit Verweis auf ein Interview mit dem örtlichen Sender Sigma TV, denen zufolge Prof. Leontios Kostrikis, Leiter des Labors für Biotechnologie und Molekulare Virologie an der Universität von Zypern, 25 Fälle identifiziert haben will, in denen die Mischvariante aus Delta und Omikron Ursache der Infektionen war.

"Es ist zwar durchaus möglich, dass es Rekombinanten gibt, aber bislang wurden keine größeren Ausbrüche mit solchen Varianten beobachtet", betonte Neher. "Diese Genome aus Zypern sind vermutlich keine Rekombinanten."

Auch ein Mitglied des griechischen Krisenstabes für die Corona-Pandemie, Gikas Magiorkinis, erklärte, dass Kostrikis' Schlüsse falsch seien. "Erste Analysen zeigen, dass es sich um einen technischen Fehler des Labors handelt", twitterte der Epidemiologe. Kostrikis, selbst allerdings wollte eine Fehleinschätzung zunächst nicht einräumen, er beharrte am Montag auf seinen Ergebnissen. (dpa/ija)

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