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Formel 1: Zu große Nähe zu Ferrari? Haas hat FIA an der Backe - auf eigenen Wunsch

Schumacher-Auto nur ein "weißer Ferrari"?

Steiner kontert Haas-Kritiker: "Wie eine gebrochene Schallplatte, die sich immer wiederholt"

 Formel 1 Großer Preis von Saudi-Arabien / 24.03.2022, Jeddah Corniche Circuit, Dschidda, Formel 1 Großer Preis von Saudi-Arabien ,im Bild Teamchef Günther Steiner Haas F1 Team *** Formula 1 Saudi Arabia Grand Prix 24 03 2022, Jeddah Corniche Circuit
Günther Setiner geht die Kritik einiger Konkurrenten am Haas-Team mächtig auf den Zeiger
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von Felix Görner und Martin Armbruster

Mick Schumacher und der Formel-1-Rennstall Haas haben die Regelhüter des Automobil-Weltverbandes FIA an der Backe, wenngleich selbst gewollt. Weil die Konkurrenz eine zu große Nähe zu Ferrari wittert, hat Haas-Teamchef Günther Steiner die Inspektoren gleich freiwillig eingeladen – und freut sich über jeden Besuch.

"Bitte kommt jeden Tag zum Kontrollieren"

Die Vorwürfe sind nicht neu. Haas ein B-Team von Ferrari, der Haas-Bolide ein „weißer Ferrari“. Tatsächlich röhrt nicht nur ein Motor der Roten im Heck des US-Teams. Auch das Getriebe und viele weitere Bauteile bezieht Haas von der Scuderia, verlegte im Vorjahr sogar einen Firmensitz nach Maranello. Direkt neben der Ferrari-Fabrik.

„Was wir machen, machen wir alles dem Reglement entsprechend“, betont Haas-Teamchef Günther Steiner im Interview mit RTL/ntv vor dem Rennen in Imola (Sonntag, 14 Uhr, LIVE bei RTL). Soll heißen: Haas schraubt nicht mehr als jene Ferrari-Bauteile an sein Auto, die laut Regelwerk erlaubt sind. Auch tausche Haas keine Daten mit der Scuderia aus, sagte Steiner. Die Bürotüren zwischen den Firmen in Maranello seien verschlossen.

„Ich habe zur FIA gesagt: ‘Jungs, bitte kommt jeden Tag zum Kontrollieren, weil wir machen alles den Regeln entsprechend.’ Heute (20. April, d.Red.) ist die FIA zum Beispiel bei uns in Maranello, kontrollieren. Sie sind willkommen, wenn sie etwas finden, werden wir es verbessern. Aber sie werden nichts finden, dass wir ein Auto kopiert haben. Dafür kommen sie zu oft. Und ich habe ihnen gesagt: ‘Kontrolliert, was ihr wollt, ihr könnt kommen, wann ihr wollt, ihr seid immer willkommen’“, so Steiner.

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IT-Check bei Haas

Die FIA-Inspektoren würden bei Haas unter anderem „die gesamten IT-Systeme“ kontrollieren, „ob wir irgendwelche Links zu Ferrari haben, ob wir Daten teilen“, verriet Steiner. Sein Team werde allerdings kaum „so blöd sein, hier ein Risiko einzugehen“. Außerdem stehe auch für Ferrari „viel auf dem Spiel“, gab der Südtiroler zu bedenken. „Wenn man zurückdenkt an den Fall Mercedes-Racing Point, da wurde Mercedes ja auch mit reingezogen und das kann Ferrari sich nicht leisten und wir wollen es uns nicht leisten.“

Rückblick: In der Saison 2020 hatte das damalige Racing-Point-Team (heute Aston Martin) sein Auto praktisch von Mercedes kopiert, dazu den Silberpfeil des Jahres 2019 als Vorlage genommen. Die FIA erklärte den Boliden später nach einem Protest von Renault für illegal, im Detail ging es um Bremsbelüftungen. Der Weltverband zog dem Team 15 WM-Punkte ab , untersuchte zudem eine möglicherweise unerlaubte Zulieferer-Rolle von Mercedes.

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Steiner ledert gegen Kritiker

2022 hat Haas den Unmut einiger Teams auf sich gezogen. Vergangenes Jahr noch völlig chancenlos, sammelte Kevin Magnussen diese Saison gleich im ersten Rennen in Bahrain als Fünfter zehn Punkte ein, in Saudi-Arabien waren es derer zwei. Das alles wegen einer zu großen Nähe zum derzeitigen Branchenprimus Ferrari? Die Konkurrenz wittert jedenfalls ein Gschmäckle.

"Für uns ist klar, dass die Formel 1 eine Meisterschaft von zehn - oder elf oder zwölf - Konstrukteuren sein sollte. Das bedeutet, dass es keine Übertragung von geistigem Eigentum geben sollte, das mit der Kernleistung zusammenhängt", kritisierte McLaren-Teamchef Andreas Seidl jüngst den Anteil der Ferrari-DNA im Haas.

Steiner freilich kann damit nichts anfangen. „Die Kritik kommt immer auf, wenn wir ein gutes Auto haben. Das ist schon langweilig geworden, wie aufgewärmte Suppe, ist immer dasselbe, es probiert wieder jeder etwas zu erfinden, was nicht da ist“, wetterte er. „Wir machen es regelkonform. Es wird langsam mühsam, diese Kritik und dieses ständige sich beklagen. Man muss ordentliche Argumente haben, wenn man sich beklagt, man kann nicht immer das gleiche sagen, sonst ist das wie eine gebrochene Schallplatte, die sich ständig wiederholt.“

Er mache sich keine großen Gedanken über die FIA-Untersuchungen, ließ der Haas-Teamchef wissen. Im Gegenteil: „Ich bin immer froh, wenn ich höre, die FIA ist zur Kontrolle da, Hurra“, sagte der 57-Jährige – und lachte.