Nervenkrieg vorm WM-Finale

Bullen beäugen die Mercedes-Dominanz skeptisch

Lewis Hamilton liegt nur noch acht Punkte hinter Max Verstappen.
Lewis Hamilton liegt nur noch acht Punkte hinter Max Verstappen.
© imago images/PanoramiC, Xavi Bonilla via www.imago-images.de, www.imago-images.de

22. November 2021 - 16:56 Uhr

Plötzlich wieder dominant, Red Bull zerknirscht

Es ist fast schon unheimlich. Mit einer schier gar überirdischen Dominanz fegen Mercedes und Lewis Hamilton durch die vergangenen beiden Rennen. Der Verstappen-Vorsprung schmilzt dahin. Und Red Bull beäugt die neue, alte Übermacht argwöhnisch.

Nerven-Stresstest für Red Bull

Die Nerven von Red Bull Racing unterliegen gerade einem Stresstest. Wochenlang sah es so aus, als habe Red Bull im Endspurt endlich mal den Frontflügel vorne, der Vorsprung von Verstappen auf Hamilton wuchs an. 19 Punkte waren es noch in Mexiko, nachdem der 24-Jährige triumphiert hatte. Doch seit zwei Wochen deutet sich an: Mercedes ist mit aller (Über)macht zurück. Und der neue Wunder-Motor von Brasilien steckte in Katar nicht einmal im Heck des W12.

Die Bullen versuchten mit allerlei Geplänkel abseits der Strecke dagegenzuhalten. Los ging es schon am Freitag, als auf der Teamchef-PK Christian Horner verbal kräftig austeilte. Der WM-Kampf sei der "politischste, den sein Rennstall bisher erlebte", erklärte der Brite. Eine Beziehung zu seinem Mercedes-Gegenpart Toto Wolff habe er nicht. Er müsse ihm nicht "den Hintern küssen", wie das vielleicht andere Teamchefs machten.

Schon länger wirft das Brause-Team den Schwarzpfeilen vor, am Heckflügel ein unsauberes Spiel zu spielen. Mercedes konterte demonstrativ entspannt. Man könne Red Bull gerne einen Flügel zuschicken. Alles sei legal. Richtig ins Toben geriet Horner dann am Sonntagmittag, als die Startplatzstrafe gegen seinen Schützling Verstappen reinflatterte. Am Sky-Mikro wütete er gar so arg, dass die FIA ihn einbestellte und die Gelbe Karte zeigte. Trotz Rakenstarts reichte es für Verstappen im Rennen "nur" zu Rang zwei. Nur noch acht Punkte trennen den Red-Bull-Piloten und Hamilton.

Monster-Motor gar nicht im Heck

Es scheint so, als habe Mercedes beim Wüsten-Endspurt – auf Katar folgt Saudi-Arabien (5.12 LIVE bei RTL und dann der Saisonabschluss in Abu Dhabi – nach einer gefühlten Ewigkeit wieder das bessere Paket. Besonders beeindruckend war der neue Motor, den das Team Hamilton in Brasilien in den W12 einpflanzte.

Der Weltmeister wurde zwei Mal rückversetzt, gewann das Interlagos-Rennen, das vorher eigentlich als RB-Strecke galt, trotzdem mit einer großen Lewis-Show. Auch das harte Verteidigungsmanöver von Verstappen half nicht – er war chancenlos.

Was Red Bull die Schweiß auf die Stirn treibt: Der Monster-Motor von Hamilton war in Katar gar nicht drin. Und trotzdem hat Verstappen in zwei Wochen einen ersten Matchball. Der ist zwar ohne größeren Defekt bei Hamilton unwahrscheinlich, aber möglich ist es.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Red Bull misstrauisch

Red Bull hebt also demonstrativ die Augenbrauen. Zu steil sei diese Formkurve der Schwarzpfeile, so der implizite Vorwurf. "Was wir dort sehen, ist ein nicht normaler Speed auf den Geraden", hatte Horner gesagt. Mit dem Motor und dem Heckflügel sei doch etwas. Richtig konkret wurde die Bullen aber nicht, verzichteten auf Protest. Seitens der FIA gab es bisher keine Ermahnung für Mercedes.

Die große Frage, die die Formel 1 bewegt: Siegt sich Hamilton auf der Zielgeraden zurück auf den Thron und lässt damit Michael Schumachers Ewigkeitsrekord von 7 Titeln endgültig hinter sich? Oder durchbricht Red Bull nach langen Jahren (seit 2014) der Dominanz das Mercedes-Regime. Seit 2013 (vierter Vettel-Titel) wartet der Rennstall auf den Titel. Eine lange Zeit.

Klar ist auch: Ohne unnötige Strafen wie jetzt in Katar wird es am Start zwischen den beiden WM-Widersachern nochmal spannender. Nochmal intensiver und entscheidender. Zwei Mal crashten die Titelrivalen schon in dieser Saison. Nicht auszuschließen, dass ein dritte unsanfte Berührung folgt – möglicherweise wäre sie WM-entscheidend und hätte auch nichts mit Heckflügeln oder Motoren zu tun. (msc)