Mercedes im Nachteil?

Wieso Red Bull auf den Monaco-Coup hofft

23.05.2019, Monaco: Motorsport: Formel-1-Weltmeisterschaft, Grand Prix von Monaco, 1. Freies Training: Max Verstappen aus Belgien vom Team Red Bull Racing in Aktion während des Trainings. Der Große Preis von Monaco findet am 26.05.2019 statt. Foto: L
Max Verstappen 2019 in Monaco
alh nwi, dpa, Luca Bruno

Formel 1: Red Bull und der Abtrieb-Bonus

Von Emmanuel Schneider

Wird der Formel-1-Titelkampf in den engen Straßen von Monte Carlo noch ein Stück enger? Der Leitplanken-Dschungel am Mittelmeer ist nicht unbedingt eine Paradestrecke von Mercedes. Herausforderer Red Bull zieht aus der jüngeren Vergangenheit Hoffnung und wittert seine Chance.

"Müssen sicherstellen, dass wir Mercedes schlagen"

Nach einem Jahr Zwangspause kehrt der Mythos Monte Carlo zurück in den Formel-1-Zirkus. Besonders motiviert scheint beim Comeback Red Bull Racing zu sein. An klaren Ansagen von den „Bullen“ scheitert es vor dem Rennen am Sonntag ( ab 15 Uhr im RTL-Live-Ticker) jedenfalls nicht: „In Monaco müssen wir sicherstellen, dass wir Mercedes schlagen“, sagte Teamchef Christian Horner.

Ein Blick aufs Punktekonto zeigt warum: Nach dem äußert spannenden Auftakt hat sich Titelverteidiger Lewis Hamilton doch schon einen 14-Punkte-Vorsprung auf WM-Rivale Max Verstappen herausgefahren (94 zu 80). In der Konstrukteurswertung ist der Vorsprung schon etwas deutlicher (141 zu 112).

Spanien-Daten lassen Red Bull in Monaco hoffen

Daniel Ricciardo wins the Monaco Grand Prix, on the podium also Sebastian Vettel  and Lewis Hamilton, awarded by his height Alberto II of Monaco and by his height Charlene Princess of Monaco. In Monaco, 27 May 2018.
Der letzte Monaco-Sieg von Red Bull ging an Daniel Ricciardo
Monica Cillario / Splash News

Voller „Bullen“-Fokus also auf Monaco. Dort, wo insbesondere der Abtrieb für die langsamen Kurven der Schlüsselfaktor zum Sieg ist. Und genau dieser Punkt schenkt dem Team von Verstappen Hoffnung auf einen Sieg.

„Sektor 3 [in Barcelona] gibt manchmal einen Ausblick darauf, wie das Auto in Monaco sein könnte“, erklärte Teamchef Horner. Und in jenem Abschnitt war in Spanien eben Red Bull am schnellsten, am Sonntag waren sogar beide Red-Bull-Piloten zackiger durch Sektor 3 gerast, als die Konkurrenten im Schwarzpfeil.

Die Daten liegen natürlich auch Mercedes vor, das Weltmeisterteam ist gewarnt. "Auf dem Papier denke ich, dass Monaco Red Bull mehr liegen sollte als uns", sagte Mercedes-Ingenieur Andrew Shovlin. "Wir sind [in Barcelona] mit unserem Paket für maximalen Abtrieb gefahren. Am Freitag haben wir es an ihrem Auto gesehen, aber im Rennen haben sie es nicht verwendet." Auch er geht davon aus, dass Red Bull in Sachen Abtrieb an der Cote d’Azur leicht die Nase vorn hat. Ein Monaco-Showdown zwischen Hamilton und Verstappen liegt in der frühlingswarmen Luft.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Qualifying in Monaco immens wichtig

Beide Teams haben in der Vergangenheit unter Beweis gestellt, dass sie den anspruchsvollen Kurs mit 19 Kurven auf 3.337 Metern meistern können. Die Siege auf dem legendären Stadtkurs teilten in den vergangenen Jahren die beiden Top-Teams untereinander auf – mit einer Ausnahme (Sebastian Vettel im Ferrari 2017).

Für Red Bull siegte zuletzt Daniel Ricciardo vor drei Jahren. Beim letzten Rennen 2019 hechelte Hamilton zum Sieg, mit einem furiosen Verstappen im Heck. Der Niederländer biss sich am Briten aber die Zähne aus, ein Überholmanöver ausgangs des Tunnel scheiterte damals. Später erhielt Verstappen allerdings eine Zeitstrafe und wurde daher als Viertplatzierter gewertet.

Da das Überholen auf der engen Strecke ein (fast) übermenschlicher Akt ist, rückt das Qualifying am Samstag umso mehr in den Fokus. Wer sich die Monaco-Pole schnappt, hat traditionell beste Aussichten auf den Sieg. Der Haken aus Red-Bull-Sicht: Seit Bahrain ging Startplatz eins immer an Mercedes, auch wenn es jeweils hauchdünn war. Seit Bahrain wartet Verstappen auf den zweiten Sieg.

Den hat der Holländer bisher auch noch nie in Monaco geholt. Falls es am Sonntag in den monegassischen Häuserschluchten klappt, wäre es ein kleiner „Heimsieg“, der 23-Jährige hat wie so viele F1-Piloten einen Wohnsitz im Fürstentum gemeldet. Hamilton übrigens auch. Die Siege hat er seinem ärgsten Konkurrenten schon voraus. Der Weltmeister hat schon drei Mal in Monte Carlo den Pokal vom Fürstenpaar entgegengenommen.