Bittere Worte

Mercedes-Dominanz zermürbt Alonso

Fernando Alonso (m) kann nur staunen.
Fernando Alonso (m) kann nur staunen.
© HOCH ZWEI/Pool/XPB Images, ps

16. November 2021 - 7:14 Uhr

Wie Basketball mit zwei unterschiedlich großen Körben

Lewis Hamilton kassierte in Sao Paulo gleich zwei Strafen, fuhr trotzdem von Rang 20 auf 1. Das stößt Fernando Alonso sauer auf. Die Übermacht der Schwarzpfeile führt zu reichlich Ernüchterung im Fahrerlager.

"Du verlierst immer"

So wirklich abzusehen war der Hamilton'sche Husarenritt in Interlagos nicht. Neuer Motor im Heck, klar. Aber auch eine doppelte Strafversetzung: Erst galoppierte er in der Sprintquali vom letzten Rang auf fünf. Wegen der Motorstrafe ging es im Rennen dann von Platz 10 los. Der Brite pflügte mit neuem Antrieb durchs Feld und schnupfte dann auch in Runde 59 den chancenlosen WM-Führenden Max Verstappen auf. Der Mercedes-Mann ist zurück im WM-Kampf. Damit haben nicht alle gerechnet.

"Jeder war überrascht. Der Kerl bekommt 25 Plätze Strafe und gewinnt trotzdem das Rennen", sagte F1-Altmeister Fernando Alonso nach dem Rennen. Die Dominanz des Mercedes W12 – sie war in Sao Paulo nicht zu übersehen. "Die Überlegenheit an diesem Wochenende war einfach herausragend", so Alonso weiter. Er habe sich sogar an die ersten Jahre in der Hybridära erinnert gefühlt, in der Mercedes Alleinunterhalter war.

In diesem Jahr hat Red Bull allerdings aufgeschlossen. Verstappen siegte schon neun Mal und führt das WM-Ranking noch an. 14 Punkte sind es nun noch auf Hamilton. Vermutlich nicht nur Verstappen hofft darauf, dass die Mercedes-Monster-Power wieder etwas nachlässt.

Alonso nimmt den Rest der Königsklasse in die Pflicht. "Es liegt jetzt an uns, den anderen Teams, aufzuholen und unser Paket zu verbessern, unseren Motor und unsere Aerodynamik."

Der Spanier zieht einmal mehr einen kuriosen Vergleich. "Als Fahrer ist es, als würde man Basketball spielen und es gibt einen Korb für dich und einen für die anderen Teams." Mercedes mache die Punkte mit einem großen Korb und er und die anderen müssten in einem kleineren Korb punkten. "Du verlierst immer."

Alonso hadert: "Das ist der einzige Sport, in dem so etwas passiert"

Kein Wunder also, dass Alonso zerknirscht wirkt. Die Absehbarkeit nervt ihn. In Monza war schon Bottas vom Ende des Feldes aufs Podium gefahren. Nun der Hamilton-Ritt. "So sollte kein Sport funktionieren", zieht Alonso Bilanz.

"Wir haben uns alle dem Sport verschrieben. Wir trainieren viel, arbeiten im Simulator, riskieren jedes Mal unser Leben", sagte der Alpine-Pilot. "Aber trotzdem sind wir in jedem Rennen eine Runde zurück, und für Katar wissen wir das auch schon vorher. Das ist der einzige Sport, in dem so etwas passiert."

Hoffnung für Änderung? 2022 greift das neue Reglement – ein Versuch, das Feld näher zusammenzubringen. Alonso klingt mäßig überzeugt: "Sie versuchen, den Sport etwas fairer zu machen. Ich weiß nicht, ob es uns gelingt." (msc)