Hamilton droht Strafe in Istanbul

Was ist mit dem Mercedes-Motor los?

Lewis Hamilton
Lewis Hamilton
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06. Oktober 2021 - 12:57 Uhr

Mercedes grübelt, Red Bull stichelt

Wechselt Lewis Hamilton in der Türkei den Motor oder nicht – das ist die F1-Frage. Das Weltmeister-Team grübelt wie wild über die Probleme mit der Power Unit in dem Wagen seines Piloten. Der Brite könnte am Sonntag sogar von ganz hinten starten.

Verstappen im Vorteil, zieht Hamilton nach?

Eines hat Max Verstappen seinem Rivalen Lewis Hamilton schon voraus. Beim vergangenen Rennen in Sotschi nutzten die "Bullen" die Gunst der Stunde und tauschten den Motor bei Max Verstappens RB16B aus. Der Niederländer musste zwar aus der letzten Reihe starten, weil er sein Motoren-Kontingent bereits überschritten hat. Mit einer spektakulären Aufholjagd peitschte er den Dienstwagen dennoch auf Platz zwei. Ein riesiger Strategie-Erfolg für Verstappen und das Team.

Denn nun steht Mercedes unter Druck. Zwar hat Bottas es Verstappen schon am gleichen Rennwochenende nachgemacht und getauscht, doch bei Hamilton droht nun das gleiche Prozedere – möglicherweise schon in der Türkei. Was bedeuten würde: Der Weltmeister muss ans Ende des Starting Grids. Bei nur zwei Punkten Führung in der WM keine Entscheidung, die man mal eben trifft. Die Zeiten sind vorbei, in denen sich Mercedes viele Patzer erlauben konnte.

Wolff will sich nicht festlegen, Mercedes pokert

Schon vor dem Rennen in Sotschi hatte Mercedes-Teamchef Toto Wolff im RTL-Interview gesagt: "Wir haben da Sorgenfalten, was die Motoren betrifft, nicht nur bei Lewis, auch bei Valtteri." Man gehe Rennen für Rennen durch und schaue, "wie sich die Performance und Haltbarkeit des Motors entwickelt und werden dann vielleicht spontan entscheiden".

Auch vor dem Rennen in Istanbul gibt er sich noch zugeknöpft. "Wir beobachten den Motor ganz genau, dass wir keine Zuverlässigkeits-Probleme bekommen. Ein Wechsel ist eine Möglichkeit. Aber wann und wo ist noch nicht entschieden."

Mercedes pokert also. Das Problem ist die hohe Laufleistung der bisherigen Power Units – das macht den Weltmeister anfälliger für Fehler. Und die kann sich Mercedes im engen WM-Kampf eigentlich nicht leisten. Das würde dafür sprechen, dass die Schwarzpfeile schon am Bosporus den Motor-Joker ziehen. Allerdings böten sich andere Strecken ebenfalls an - zum Beispiel Mexiko oder Interlagos in Brasilien.

Was für Istanbul spricht: Hamilton fühlt sich dort wohl. Im Vorjahr machte er hier den Titel fix, auf abgewetzten Intermediates – und Überholen ist auch möglich. Mercedes wird neben den Ergebnissen im Training/Qualifying auch das Wetter im Blick haben.

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Auch Kundenteams sind von unzuverlässigem Antrieb betroffen

Aus nicht näher genannten Reihen von Mercedes heißt es laut "auto motor sport" aber: "Es wird wahrscheinlich nicht in der Türkei passieren, außer Lewis hat da ein Problem. Danach muss es aber über die Bühne gebracht werden."

Was Mercedes Kopfzerbrechen bereitet: Auch bei den Kundenteams mehrten sich Probleme. Die Williams-Piloten haben schon mehrfach gewechselt, nach Zwischenfällen rechnen auch McLaren und Aston Martin mit einem weiteren Wechsel des Motors vor Saisonende.

Bei Red Bull wird gemunkelt, so berichtet "auto motor sport", dass es beim Rivalen Probleme an der Kurbelwelle und den Ventilsitzen gäbe. Mercedes kommentierte die Gerüchte nicht.

Gleichzeitig lobt man sich bei RB selbst: Helmut Marko sieht Mercedes im Hintertreffen, weil sie früher im Schongang fahren konnten. Wegen der starken Red-Bull-Piloten sei dies nicht mehr möglich und die Schwarzpfeile müssten voll aufgedreht im höheren Modus fahren. "Und schon kommen die Probleme."

Ob es so einfach ist? Wolff spricht hingegen von Kleinigkeiten. "Dummerweise immer andere. Es ist kein eindeutiges Muster erkennbar."

Was für den Mercedes-Capo jetzt zählt: "Das Wichtigste ist, nicht wegen eines Zuverlässigkeitsproblems auszufallen."

Und klar ist: Wechselt Hamilton nicht die Power Unit, ist er der Top-Favorit in Istanbul. Sein Motor-Problem aber wäre nur verschoben. (msc)