Vom letzten auf den 2. Platz

Max Verstappen - der eigentliche Sieger des Russland-GP

Wenn Max Verstappen für einen 2. Platz die Faust ballt, muss es gut gelaufen sein - und das tat es für ihn in Sotschi
Wenn Max Verstappen für einen 2. Platz die Faust ballt, muss es gut gelaufen sein - und das tat es für ihn in Sotschi
© Getty Images, Bongarts, AJB / WTM

26. September 2021 - 17:46 Uhr

"Gott sei Dank kam der Regen"

Zunächst einmal Ehre, wem Ehre gebührt: Lewis Hamilton feierte in Sotschi seinen 100. Grand-Prix-Sieg. Der nächste Meilenstein einer einzigartigen Formel-1-Karriere. Und doch: Der runde Triumph war ein "bittersüßer", wie Mercedes-Teamchef Toto Wolff nach dem Rennen am Schwarzen Meer anmerkte. Denn: Der eigentliche Sieger des Russland-Wochenendes heißt Max Verstappen.

So geht maximale Schadensbegrenzung

Max Verstappen wusste, bei wem er sich nach dem turbulenten Russland-GP zu bedanken hatte. "Gott sei Dank kam der Regen", sagte der Holländer an die Adresse des Allmächtigen. Dessen Wetter-Bevollmächtigter Petrus hatte in der Schlussphase des F1-GP dunkle Wolken ans Schwarze Meer geschickt, die sich ab Runde 48 (von 53) so richtig über dem "Sochi Autodrom" entluden.

Die Tropfen wirbelten den Rennverlauf durcheinander – und zwar zugunsten Verstappens und Red Bull. Bis zum Wolkenbruch hatte es für die Erfolgskombo eher so lala ausgeschaut. Ok, Verstappen hatte sich ordentlich durchs Feld geackert, lag auf Rang 7, was angesichts seines Startplatzes in der letzten Reihe nicht übel aussah. Aber überragend war's halt auch nicht, vor allem, weil WM-Rivale Lewis Hamilton gegen Lando Norris um die fette Siegerbeute von 25 Punkten kämpfte. Verstappen winkten dagegen nur magere sechs Zähler.

Verstappen hat den richtigen Riecher

Als das russische Regen-Roulette begann, war Verstappen aber voll da. Als einer der Ersten erkannte der WM-Aspirant, was das Stündlein geschlagen hatte, wechselte im 48. Umlauf zum genau richtigen Zeitpunkt auf die Intermediate-Pneus. Mit dem Mischreifen ließen sich die letzten Runden im Olympia-Park wesentlich schneller absolvieren.

Verstappen, ein Meister für schmierige Streckenverhältnisse, nutzte die Situation perfekt aus, manövrierte seinen RB16B als Zweiter über die Ziellinie. "Du hast das gut eingeschätzt und die richtige Runde erwischt", lobte Teamchef Christian Horner seinen Oberbullen im Team Radio. Dessen abgeklärte Antwort: "Wir haben heute nicht allzu viele Punkte verloren, das ist wirklich, wirklich gut."

Sieben Punkte, um genau zu sein, büßte der 23-Jährige auf Hamilton ein. Nur sieben Punkte. In der WM sind es nach dem 15. von 21. Rennen gerade einmal zwei Pünktchen Rückstand. Besser hätte es für Red Bull nicht laufen können.

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Auch Hamilton muss nochmal den Motor tauschen

An dem Wochenende, als Red Bull seinen Motor-Joker zog, Verstappen eine vierte Power Unit einbaute und das bittere Los des letzten Startplatzes akzeptierte. An dem Wochenende, an dem ein gewaltiger Punktverlust drohte. An genau diesem so wichtigen Wochenende für die WM betrieb das Team maximale Schadensbegrenzung.

Für Verstappen war der 2. Platz von Sotschi eigentlich ein Sieg. Er verlässt das Schwarze Meer als heimlicher Triumphator – und in dem Wissen, dass auch Hamilton noch einmal seinen Motor tauschen und irgendwann von ganz hinten starten muss.

Mit Blick auf die kommenden Rennen – Türkei, USA, Mexiko, Brasilien – kein einfaches Unterfangen für Mercedes. Aber vielleicht springt dereinst ja auch Sir Lewis der Wettergott zur Seite. (mar)