Fleischfressende Bakterien im Wasser nehmen zu

Infektions-Gefahr in Nord- und Ostsee: Bei diesen Anzeichen sollten Sie unbedingt zum Arzt!

Auch an der Ostsee kommen Vibrionen vor – vor allem, wenn es heiß ist!
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13. Juli 2020 - 15:57 Uhr

Vibrionen-Anstieg in Ost- und Nordsee

Die Sommer-Reisezeit ist im vollen Gange. Und viele Urlauber verlegen ihre Reise-Ziele in Corona-Zeiten lieber an die Küstenregionen der Ost- und Nordsee und die Alpen. Der Urlaub im eigenen Land scheint vielen die sicherere Variante zu sein. Doch auch an den heimischen Küsten ist im Wasser Vorsicht geboten. Denn das Bundesinstituts für Risikobewertung warnt vor einer Zunahme von Infektionen durch Vibrionen. Die fleischfressenden Bakterien im Wasser können schwere Wundinfektionen oder Magen-Darm-Erkrankungen auslösen und schlimmstenfalls zum Tod führen. 

Aber an welchen Haustsymptomen erkennt man eine solche Vibrionen-Infektion? Und welche Risikogruppen sollten auf ein Bad in Nord-und Ostsee besser verzichten?

Ohne Behandlung können Vibrionen zum Tod führen

Wer an der Nord- oder Ostsee aus dem Wasser steigt, sollte nach dem Baden unbedingt seine Haut beobachten. Wenn Sie kleine Verletzungen entdecken, die plötzlich stark schmerzen oder sich entzünden, sollten Sie schnellst möglich zum Arzt. Denn unter Umständen haben Sie eine Vibrionen-Infektion, das heißt einen Befall mit fleischfressenden Bakterien, die sich zur Zeit in Ost-und Nordsee besonders gut vermehren.

2019 haben die gesundheitsgefährdenden Bakterien in Mecklenburg-Vorpommern ein Todesopfer gefordert. Eine ältere Frau infizierte sich beim Schwimmen mit sogenannten Vibrionen - und starb kurze Zeit darauf.

Vorsicht bei Tätowierungen und Verschlucken von Meerwasser

Die Bakterien gelangen beim Baden oder Wasserwaten über nicht verheilte oder im Wasser zugefügte Wunden in den Körper. Bei Kindern wurden vereinzelt auch Ohrinfektionen als Ursache festgestellt. Übrigens: auch mit frischen Tätowierungen sollten Sie vorsichtig sein! Auch frische oder noch nicht vollständig verheilte Tätowierungen gelten als offene Wunden und sind ein möglicher Eintrittsweg für Bakterien

Vibrionen können allerdings nicht nur über offene Wunden in den Körper gelangen, sondern auch dadurch dass Badende Meerwasser verschlucken. Dann lösen sie Erbrechen und Durchfallerkrankungen aus. 2018 starb eine Amerikanerin, nachdem sie in Louisiana Austern mit den Bakterien auf einem Markt aß. 

An diesen Symptomen erkennen Sie eine Vibrionen-Infektion

Vibrionen können schwere Wundinfektionen auslösen. Symptome sind

  • starker lokaler Schmerz
  • Fieber
  • Schüttelfrost

Chirurgische Behandlungen bis hin zur Amputation von Gliedmaßen können die Folge sein. Schwere Erkrankungen können tödlich verlaufen.

Magen-Darm-Erkrankungen können die Vibrionen ebenfalls auslösen. Sie äußern sich in

Sie äußern sich in

  • krampfartigen Magenschmerzen
  • Erbrechen
  • Übelkeit
  • wässrigem Durchfall

Behandelt werden die Infektionen in der Regel mit Antibiotika.

Für wen sind die Bakterien gefährlich?

Ein geschwächtes Immunsystem und offene Wunden sind laut LAGuS Risikofaktoren für "schwere Verläufe von Vibrionen-Infektionen". Als besonders anfällig gelten laut Gesundheitsamt Menschen mit chronischen Grundleiden wie Lebererkrankungen oder Diabetes sowie Menschen mit einer bestehenden Immunschwäche. Folgende Risikogruppen gelten als besonders gefährdet:

  • immunsupprimierte Personen

Personen mit Vorerkrankungen, die zur Schwächung der Immunabwehr führen, wie z. B. Diabetes mellitus, Lebererkrankungen (z. B. Leberzirrhose, chronischer Hepatitis) Krebserkrankungen/Chemotherapien sowie schweren Herzerkrankungen

  • Personen höheren Alters

Darf man nun also als immungeschwächte Person nicht mehr ins Meer? Zumindest ist ein wenig Vorsicht geboten. "Personen aus den Risikogruppen mit offenen oder schlecht heilenden Wunden sollten gut überlegen, ob sie sich dem Kontakt mit vibrionenhaltigem Salzwasser aussetzen", rät die Expertin vom LAGuS. Bei geringsten Anzeichen einer Wundinfektion sollte sofort ein Arzt konsultiert werden und dieser auf Kontakt mit Meerwasser hingewiesen werden.

Klimawandel schuld am Bakterien-Wachstum?

Die Bakterien können schwere Wundinfektionen hervorrufen. Das Problem: Durch die steigenden Temperaturen wächst auch die Gefahr, durch Vibrionen zu erkranken. Die salzliebenden Vibrio-vulnificus-Bakterien, auch als Vibrionen bekannt, sind ein natürlicher Bestandteil salzhaltiger Meerwässer, wie uns Anja Neutzling vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS) in Mecklenburg-Vorpommern bestätigt. Und sie mögen es gerne warm.

"Sie vermehren sich vor allem bei einem Salzgehalt ab 0,5 Prozent und ab einer Temperatur von ca. 20 Grad Celsius stark", so die Expertin. Diese Bedingungen seien in warmen Sommern auch an der deutschen Nord- und Ostseeküste gegeben. Im Sommer 2018 zählte das Amt 18 Erkrankungen, davon drei Sterbefälle. Vibrionen "sind also auch in den deutschen Meeren beheimatet". Auch in weniger warmen Sommern konnten Neutzling zufolge Vibrionen in Nord- und Ostsee nachgewiesen werden. Der Begriff "fleischfressende Bakterien" wird seitens des LAGuS übrigens nicht benutzt.

Im Video: Was genau sind Bakterien eigentlich?

Keine Panik beim Badeurlaub!

Jetzt bloß nicht in Panik geraten – auch wenn Vibrionen tatsächlich an den deutschen Küsten vorkommen, haben gesunde Menschen nichts zu befürchten. Wer sich nicht sicher ist, ob sein Immunsystem gefährdet sein könnte oder eine offene Wunde eine Infektion begünstigen könnte, sollte mit seinem Arzt über seine Bedenken sprechen. Denn den Sommerurlaub sollte man sich von den Bakterien garantiert nicht verderben lassen!