Jetzt erhält der Chef Morddrohungen

Firma hängt Fotos ungeimpfter Mitarbeiter im Pausenraum aus

Impfpass mit einer Ampulle und Spritze (Symbolbild)
Impfpass mit einer Ampulle und Spritze (Symbolbild)
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31. Oktober 2021 - 14:28 Uhr

Großer Aufschrei in den sozialen Netzwerken

Der Chef wollte die Arbeitsbedingungen seiner Belegschaft unter den Coronaschutzmaßnahmen verbessern – und erreicht mit seiner Aktion genau das Gegenteil! Im Pausenraum der Thüringer Firma Groß Druckguss GmbH wurde ein Aushang gemacht, auf dem alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ohne kompletten Corona-Impfschutz zu sehen sind. Der interne Aushang gelangte aber ins Netz. Die Folge: ein Shitstorm! Die betroffenen Angestellten hingegen seien mit dem Aushang einverstanden, wie ein Statement auf der Website der Firma beschreibt.

Aushang soll im Einverständnis der Mitarbeiter erfolgt sein

"Der Beschluss, den Impfstatus unserer Mitarbeiter/innen innerhalb des Unternehmens offenzulegen entstand einvernehmlich und nach interner Absprache," heißt es im Statement auf der Website der Firma. Zusammen mit den Mitarbeitern habe man sich Optionen überlegt, wie man die beschlossenen Lockerungen der Hygienemaßnahmen im Betrieb so umsetzen kann, dass man den größtmöglichen Schutz vor der Infektion gewährleisten und den Mitarbeitern die Arbeitsbedingungen gleichzeitig erleichtern kann. Dazu sei sogar das Amt für Datenschutz mit eingebunden worden.

Firmenchef Sebastian Groß erklärt gegenüber der "Thüringer Allgemeinen Zeitung", dass man durch den Aushang den Mitarbeitern etwas Gutes tun wollte. "Nicht alle Mitarbeiter aus den verschiedenen Abteilungen kennen sich. Um den Pausenraum wieder nutzen zu können, haben wir uns mit Zustimmung der Belegschaft zu dieser Maßnahme entschieden. Denn die Geimpften werden nicht mehr gezählt, und wenn zwei Ungeimpfte den Raum betreten, müssen diese eine Maske tragen." Das Tragen einer Maske über acht Stunden sei aber sehr anstrengend. Und nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt habe diese Regelung geändert werden können.

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Landesamt für Datenschutz findet Aushang unbedenklich

Der Landesbeauftragte für Datenschutz, Lutz Hasse, bestätigt gegenüber der Zeitung, dass Mitarbeiter des Amts für Datenschutz vor Ort in der Firma waren, um die Sachlage zu bewerten. Das Amt prüft nun den Fall, bewertet den Aushang zum jetzigen Zeitpunkt aber als unbedenklich, da die Initiative zum Erstellen und Aufhängen des Aushangs von Firma und Mitarbeitern gleichermaßen ausging. Dem Amt sollen auch alle Einverständniserklärungen der Mitarbeiter vorliegen.

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Drohungen gegenüber Chef und Mitarbeitern

Was den Mitarbeitern eigentlich Erleichterung schaffen sollte, liegt nun schwer auf den Schultern von Chef und Angestellten. Am Wochenende wurde der Aushang, auf dem Foto und Namen der Mitarbeiter ohne Impfschutz klar zu erkennen sind, im Netz gepostet. Schnell finden sich darunter etliche Kommentare, die Vergleiche zur Nazi-Zeit oder mit dem DDR-Regime ziehen. Auch Drohungen und Morddrohungen gegenüber Mitarbeitern und Geschäftsführung soll es schon gegeben haben, berichtet Groß. "Es ist beängstigend, was hier passiert," beschreibt er die Situation. Hunderte Mails und hunderte Rezensionen sollen schon bei der Firma eingegangen sein.

Am Montag wurden der Aushang wieder abgehängt und die Hygienemaßnahmen wieder verschärft. Groß will nun die Polizei mit einbinden, um die Personen ausfindig zu machen, die den firmeninternen Aushang ungepixelt im Netz verbreitet haben. (aru)