RTL-Reporterin Franca Lehfeldt fährt im Wahlkampfbus mit

Familie, Stress und Frühstücksrituale: Ein Tag mit Armin Laschet

17. September 2021 - 16:17 Uhr

Die letzten Tage des Wahlkampfs sind besonders intensiv

von Franca Lehfeldt

Es geht in die letzten Tage im Wahlkampf - da ist Stress angesagt: Kanzlerkandidat Armin Laschet fährt von einem Wahlkampftermin zum nächsten, und das meist schon sehr früh. RTL-Reporterin Franca Lehfeldt hat Armin Laschet im Wahlkampfbus begleitet und ihm auch ganz persönliche Fragen gestellt. Im Video können Sie das Interview sehen. Im Artikel beschreibt unsere Reporterin, wie sie den Tag erlebt hat.

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Gehört eine gewisse Ruppigkeit zu Laschets Naturell?

Zugegeben, es ist ein "etwas anderes Interview", das ich mit Armin Laschet (CDU) geführt habe.

Natürlich stehen im Wahlkampf die politischen Inhalte im Vordergrund, doch die drei Kanzlerkandidaten unterziehen sich gleichzeitig einem Charaktertest. Wer hält durch, erträgt den Stress und beweist Nerven? Wer kann schwierige Situationen und Fragen parieren und überzeugt?

In den vergangenen Tagen stand Laschet oft wegen seiner persönlichen Art in der Kritik. In einer Fernsehsendung traf er auf zwei Kinderreporter, die Fragen wurden von Erwachsenen in der Regie gestellt, trotzdem bleibt hängen, dass Laschet ruppig im Gespräch mit den Kindern wirkte. Die WAZ schrieb: "Von Kindern befragt – CDU-Chef reagiert patzig", in den Sozialen Medien fiel das Echo noch drastischer aus. Ist der CDU-Kanzlerkandidat am Rande der Belastbarkeit oder gehört eine gewisse "Ruppigkeit" zu seinem Naturell? Persönliche Fragen an Armin Laschet.

Die Anfrage für dieses Interview ist Monate alt, die Zusage kam neunzehn Stunden vor Drehbeginn. Für eine TV-Produktion samt Anreise durchaus sportlich. Geschenkt, der Terminkalender eines Spitzenkandidaten ist stramm getaktet, natürlich sagt man zu.

Kenner würden Laschets kurze Verschnaufpause als „Zigarillo-Moment“ deuten

Donnerstagmorgen 09:30 Uhr in Hamburg Altona, Laschet spricht vor dem Interviewtermin noch vor Hamburger Unternehmern. Der Fahrer seines CDU-Tourbusses steht abfahrtbereit auf dem Parkplatz des Geländes. "Torsten, aber bitte ohne H", stellt er sich vor. Im Bus liegen Chipstüten und Schokolade, eine Kaffeekanne und Becher stehen daneben. Anders als im Bus von Grünen-Kandidatin Baerbock stehen keine Topfpflanzen herum, der Bus wirkt nicht wie ein Wohnzimmer, sondern wie ein Transportmittel. Die letzte Reihe, auf Klassenfahrten sitzen dort die "coolen Kids", verfügt über eine Sitzecke und zwei Plätze vor der Rückscheibe. Auf dem linken Platz klebt ein Sticker mit der Aufschrift "Armin Laschet". "Chefsessel", erklärt Torsten der Fahrer. Laschet würde aber weniger zu den Chips greifen, als Nervennahrung greife der Chef eher zu einem "mächtigen Schokoriegel".

Dann kommt Laschet, die Zeit drängt, der nächste Termin in Hamburg Eimsbüttel beginnt in wenigen Minuten und das Interview ist für die Fahrzeit eingeplant. Laschet braucht noch einen Moment, zieht sich einige Minuten zurück. Kenner würden die kurze Verschnaufpause als "Zigarillo-Moment" deuten.

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Laschet lässt private Fragen zu

CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet begrüßt RTL-Reporterin Franca Lehfeldt.
CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet begrüßt RTL-Reporterin Franca Lehfeldt.
© RTL

Dann geht es los. Mit einem breiten Lachen im Gesicht steuert Laschet auf den Bus zu, in der Platzwahl zeigt er sich uneitel, ihm sei egal, wo er sitzt, es müsse nicht der Sessel mit "Armin Laschet" Aufschrift sein. Am Ende sitzt er trotzdem dort, dem Kamerateam gefällt die Perspektive. Es ruckelt, der Bus setzt sich in Bewegung. Wie er sich denn fühle im "Kiez von Olaf Scholz", der SPD-Kandidat ist schließlich ehemaliger Bürgermeister der Stadt. Ob er "Hamburg meine Perle" anstimme oder wie knackt man die kühlen Hanseaten? Laschet lacht, er würde gut aufgenommen werden, es sei schließlich Wahlkampf, die Leute hätten jede Menge Themen.

Er spricht über seine Corona-Politik, den Vorwurf, er habe zu früh gelockert. Über die Familien-Politik seines Sofortprogramms und das Versprechen, dass diese Investitionen keine Lippenbekenntnisse sozialer Wohltaten seien, sondern nach der Wahl finanzierbar. Dann geht es um seine eigene Familie, wie oft er sie im Wahlkampf spreche oder gar sehe. Laschets Tonfall verändert sich, er druckst etwas, als er erklärt, er sehe sie kaum, eigentlich gar nicht. Den Übergang vom Politischen ins Private lässt er zu, vielleicht der spannendste Moment dieses Interviews.

Laschet wirkt nicht gereizt oder als wolle er sofort den persönlichen, privaten Bereich dicht machen. Es schwingt ein tiefes Atmen mit, wohl wissentlich, dass wer sich um den Einzug ins Kanzleramt bewirbt, nicht um Nachsicht bitten kann, die Erwartungen sind zurecht groß. Trotzdem wird in diesem Moment deutlich, was der Dauereinsatz, die Belastung und durchgängige Aufmerksamkeit mit einem Menschen macht. Laschet lässt weitere Fragen zu, wie es seinem 87-jährigen Vater gehe, was seine Familie ihm rate, wie Schlagzeilen am heimischen Küchentisch ankämen? Und was seine Ehefrau Susanne Laschet zu diesem Lebenswandel sage? Im Video beantwortet Laschet diese persönlichen Fragen.

Die Umfragewerte im Überblick

Die Fahrt endet nach wenigen Minuten, sein Team wird langsam unruhig, die Zeit drängt der Folgetermin hat bereits begonnen. Laschet bleibt ruhig, gibt seiner Pressesprecherin ein Zeichen noch einen Moment zu warten, beantwortet die Frage was die Entscheidung am 26. September für sein Leben bedeute, je nach Sieg oder Niederlage. Er erweckt den Eindruck, dass er nicht abgeneigt sei, die Unterhaltung fortzusetzen, wäre da nicht der Terminkalender. Er steht auf, seine Sprecherin bittet ihn den Bus an der hinteren Seitentür zu verlassen, eine Traube von Journalisten mit Kameras wartet bereits davor. Unser Kamerateam wird gebeten, durch die Vordertür auszusteigen, um die Bilder des Kandidaten bei Ankunft nicht zu stören, draußen beginnt ein Blitzlichtgewitter.

Nach der Veranstaltung kommt Laschet aus dem Saal, er geht auf unser Team zu und verabschiedet sich. Natürlich ist diese Begegnung nur eine Momentaufnahme in einem Wahlkampf in dem es um die Zukunft des Landes geht, um Antworten und inhaltliche Sattelfestigkeit, für die persönliche Ebene kann man Laschet bei diesem Treffen jedoch weder attestieren ruppig oder patzig gewesen zu sein. Vielleicht liegt es daran, dass ich keinen Knopf im Ohr hatte und auch keine vorgesagten Fragen an ihn gestellt habe. Zumindest zeigt dieses Interview, dass ein gewisser Freiraum in einem persönlichen Gespräch eine weitere Seite des Armin Laschets zum Vorschein bringt. Einordnen und bewerten kann dies am Ende jede Zuschauerin und jeder Zuschauer für sich selbst.