"Fehlendes Puzzleteil" in greifbarer Nähe?

Ermittler starten wichtige Offensive im Fall Maddie McCann

Madeleine "Maddie" McCann verschwand 2007 aus dem Hotelzimmer einer Ferienanlage im portugiesischen Praia da Luz.
Madeleine "Maddie" McCann verschwand 2007 aus dem Hotelzimmer einer Ferienanlage im portugiesischen Praia da Luz.
© dpa, Luis Forra, mpc sh pt pzi sab

13. Januar 2021 - 8:34 Uhr

Fall Maddie: Befragungen von Zeugen in Portugal sollen den Durchbruch bringen

Wird das Rätsel um Madeleine McCanns Verschwinden jetzt endlich gelöst? Das damals dreijährige Mädchen verschwand 2007 aus dem Hotelzimmer einer Ferienanlage im portugiesischen Praia da Luz. Seit sich die Ermittler im Juni letzten Jahres mit einem Zeugenaufruf an die Öffentlichkeit gewandt haben, ist bekannt: der Deutsche Christian B. ist Hauptverdächtiger in dem Fall. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig geht davon aus, dass er Maddie umgebracht hat. Um den Vorwurf zu beweisen, fehlt den Ermittlern allerdings noch ein wichtiges Puzzleteil. Das wollen sie jetzt in Portugal finden, das berichtete die britische Zeitung "Mirror". Befragungen von Zeugen, die Christian B. kannten, sollen jetzt den Durchbruch bringen.

Zeugen geben Ermittlern im Fall Maddie McCann neue Hoffnung

Experten sollen die geplanten Befragungen als "sehr wichtigen Schritt nach vorne" bezeichnet haben, schreibt die britische Zeitung. Deutsche und portugiesische Ermittler erhoffen sich demnach von dem Einsatz an der Algarve in Portugal, dass sie dort endlich das "fehlende Puzzleteil" finden, mit dem sie Christian B. überführen können.

Wenn man die Informationen habe, die man brauche, wolle man den verurteilten Straftäter damit in einer Befragung konfrontieren, heißt es. Eine Quelle sagte dem "Mirror": "Die Polizei hat bereits einige Zeugen in Bereitschaft versetzt, um sich für Befragungen mit ihnen zu treffen." Und weiter: "Alle haben ein gutes Gefühl, was das neue Jahr angeht. Die neue Suche und die Hinweise lassen darauf hoffen, dass der Fall geknackt wird."

Im Frühjahr 2021 solle dann ein zweites Gipfeltreffen zwischen deutschen, portugiesischen und britischen Ermittlern stattfinden. Schon Mitte vergangenen Jahres trafen sich die Zuständigen, um sich über den Ermittlungsstand auszutauschen.

Christian B. sitzt in Wolfenbüttel im Gefängnis

Fall des verschwundenen Mädchens Maddie McCann aus England: Mordverdächtiger Christian B. (43) aus Deutschland
Mordverdächtiger im Fall Maddie McCann: Christian B.
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Christian B. sitzt aktuell im Gefängnis. Er wurde Ende 2020 von der JVA Kiel ins niedersächsische Wolfenbüttel verlegt. Dort sitzt er eine mehrjährige Haftstrafe für die Vergewaltigung einer Rentnerin ab. Auch wegen des Zeugenaufrufs im Sommer laufen mittlerweile insgesamt vier Ermittlungsverfahren gegen den Beschuldigten wegen verschiedener Sexual- und Gewaltstraftaten, wie Hans Christian Wolters, Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Ende Dezember berichtete.

Regelmäßig wurden seit Juni mehr Details über die Vorgeschichte von Christian B. mit Drogendelikten und Diebstahl bekannt. Eine Bekannte beschuldigte ihn und ein Ex-Zellengenosse packte über ihn aus. Seit November steht fest, dass Christian B. noch lange Zeit im Gefängnis sitzen wird. Der Bundesgerichtshof verwarf seine Revision gegen das Vergewaltigungsurteil des Landgerichts Braunschweig. Christian B. muss weitere sieben Jahre in Haft wegen der Vergewaltigung einer 72-jährigen US-Amerikanerin. Diese Tat hat er nach Überzeugung der Richter im Jahr 2005 - rund anderthalb Jahre vor Maddies Verschwinden - im portugiesischen Praia da Luz begangen.