Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs:

"Eine durchgemachte Infektion hinterlässt nicht automatisch Immunschutz"

21. Januar 2021 - 13:14 Uhr

Nicht jede/r bildet Antikörper

Berichte über Menschen oder ganze Bevölkerungsgruppen, die sich ein zweites Mal mit dem Coronavirus infizieren und sogar schwer an Covid-19 erkranken, mehren sich. Sind Experten zu Beginn der Pandemie noch davon ausgegangen, dass eine durchgemachte Infektion Schutz bedeutet, muss dies nach jetzigem Stand differenzierter betrachtet werden.

"Die Tatsache, dass diese Infektionen, diese Ausbreitungen im ersten Durchgang schon eine Weile her ist und das Immunsystem nicht gelernt hat und die Prägung des Immunsystems zu schwach war, können da mit reinspielen.", sagt Prof. Timo Ulrichs. Je länger eine Corona-Infektion her ist, umso leichter könne man sich also erneut infizieren und ob überhaupt Antikörper gebildet werden, sei individuell unterschiedlich. "Man kann nicht davon ausgehen, dass eine durchgemachte Infektion einen Immunschutz automatisch hinterlässt. Man kann dann durchaus nochmal infiziert werden und auch erkranken.", so Ulrichs.

Das Interview von RTL-Reporterin Katrin Neumann mit dem Epidemiologen Prof. Timo Ulrichs sehen Sie oben im Video.

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Impfung gibt Sicherheit, auch bei Mutationen

Anders sieht es bei der Impfung aus. Die zweifache Gabe des Impfstoffs sorgt dafür, dass das Immunsystem geboostest, angesprochen, wird und mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit Antikörper produziert.

Auch gegen Mutationen wie die Variante aus Großbritannien wirke der Impfstoff, wie aktuelle Tests zeigen. Sollte sich das Virus langfristig stärker verändern, können Impfstoffe, die auf der Messenger-rna beruhen, unkompliziert angepasst werden. "Aber zur Zeit haben wir diese Situation gar nicht. Wir können uns wirklich darauf verlassen, dass die Impfstoffe, die gerade hergestellt werden und auch zugelassen, auch wirken werden.", versichert Prof. Ulrichs.

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