Corona-Krise: Neuanfang statt Apokalypse!

Eva Imhof: Wie wir unser Leben umkrempeln (müssen)

Plötzlich Lehrerin: Eva Imhof und ihre Zwillingstöchter bei den Schulaufgaben.
© RTL, Eva Imhof

24. März 2020 - 6:40 Uhr

Eine Kolumne von RTL-Moderatorin und Zwillingsmama Eva Imhof

Noch vor Kurzem sah mein Leben so aus: Neben meinen RTL-Jobs habe ich mit meinem Mann Peter zusammen zwei Fachgeschäfte für Gummibärchen in Dresden betrieben, bin hin und her gehetzt zwischen unserem Wohnort Berlin und unseren RTL- und n-tv-Studios in Köln und habe dazwischen in Dresden mitgeholfen, dass die Geschäfte laufen. Ach ja, zwei Kinder habe ich ja auch noch! Lilly und Luisa sind mittlerweile sieben Jahre alt und gehen in die zweite Klasse.

Und da sind wir auch schon beim Thema

Denn inzwischen sind aufgrund der Corona-Krise unsere Geschäfte geschlossen, ich hetze nicht mehr zwischen den Städten hin und her, für RTL moderiere ich von daheim aus und bin außerdem plötzlich Lehrerin! Und so wie mir geht es gerade vielen Menschen: Wir fühlen uns entwurzelt, haben Zukunftsängste, fühlen uns hin- und hergerissen zwischen "wir schaffen das schon!" und "wie soll das nur alles weiter gehen?" und wühlen uns durch Schulbücher und -hefte und bewältigen sonstige Aufgaben, von denen wir niemals gedacht hätten, dass uns das Leben so was irgendwann aufbürdet.

Aber keine Angst, ich fange hier nicht an zu jammern. Ganz im Gegenteil. Denn bei all den gruseligen Corona-Nachrichten und den schrecklichen Bildern, die wir jeden Tag sehen (oder gar als medizinisches Personal live miterleben müssen!) fühle ich gleichsam etwas anderes:

Mein Leben wurde auf radikale Art und Weise entschleunigt. Ich habe fast wieder so ein "90er Jahre Gefühl" in mir. Damals, es war 1997, gab es eine Zeit zwischen meinem Abi im Mai und dem Studienbeginn im Herbst, in der ich so gut wie nichts gemacht habe. Außer ab und zu meinen Nebenjob: im Baumarkt Regale eingeräumt.

Dazwischen lag ich mit meinen Freundinnen am See, habe ohne Ende Bücher gelesen, Spaghetti-Eis vernichtet und Whitney Housten, Bon Jovi und Sade gehört. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie unbeschwert diese Zeit war: keine Verpflichtungen, keine Verantwortung. Und die Zukunft lag vor mir wie ein weißes Blatt, welches ich mit Abenteuern, Erfolgserlebnissen und – damals in ferner Zukunft – einer eigenen Familie beschreiben wollte.

Anders als damals kann ich nun nicht mit meinen Freundinnen am See liegen, fühle mich vor lauter Verantwortung manchmal überfordert und verbringe gerade die Hauptzeit des Tages als "homeschooling Mama" für meine Kinder. ABER: ich habe mich gerade dabei ertappt, dass ich plötzlich ganz andere Dinge mache als noch vor kurzer Zeit – also bevor uns Corona anfing zu beherrschen.

Zwar kann ich meine Freundinnen und Freunde gerade nicht persönlich treffen, aber stattdessen kommunizieren wir auf eine andere Art und Weise: Ich habe angefangen Päckchen zu packen für die Omas und den Opa (mit Fotos, Gummibärchen und handgeschriebenen Karten darin), meine Unterhaltungen mit meinen Berliner "Partyfreunden" drehen sich nicht mehr um das nächste Partyoutfit, sondern um Rezepte und wie man die einfachsten Gerichte noch ein bisschen schmackhafter "pimpt" und es haben sich in den vergangenen Tagen "alte" Freundinnen bei mir gemeldet. Einfach so, um mal wieder "Hallo!" zu sagen.

In all das Grauen der Corona-Krise mischt sich etwas Neues

Ich beschäftige mich plötzlich mit der Frage, was ich im Garten bzw. auf dem Balkon anbauen könnte, habe endlich angefangen sämtliche Schränke und Schubladen aus- und aufzuräumen (was ich seit Jahren vor mir hergeschoben habe) und mich sogar beim Bügeln erwischt (normalerweise hasse ich Bügeln)!

Und Hand aufs Herz: wenn SIE das erste Mal nach Corona wieder in ein Café oder Restaurant gehen, glaube Sie, das Schnitzel, der Burger oder die Pizza werden so schmecken wie früher? Glauben Sie, Sie werden den Kaffee genau so runterstürzen wie früher? Das glaube ich nicht! Ich glaube, dass Sie – und ich – alles intensiver schmecken werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir dankbarer sein werden. Und ich glaube, dass wir letztlich ein Stück weit demütiger und sogar freundlicher gegenüber unseren Mitmenschen werden. Gerade habe ich das Gefühl die Welt rückt wieder näher zusammen.

Haben Sie sich mal überlegt, wie krass sich das "lahm gelegt sein" auf den Klimawandel auswirken wird?! Und merken Sie, wie wir gerade wieder anfangen, unsere regionalen und lokalen Geschäfte zu unterstützen statt unser (letztes) Geld den Riesenunternehmen in den Rachen zu werfen?

Im Internet bzw. bei Social Media gibt es dafür sogar den eigenen Hashtag #supportyourlocals. Und so werde ich morgen bei meiner Buchhandlung um die Ecke ein paar Bücher bestellen, die mir nach Hause geliefert werden: Berlin-Reiseführer für Freunde von uns, die in Sanremo leben. Sie ist Krankenschwester und (er)lebt gerade täglich einen Horrorfilm...

Schlussendlich bin ich der festen Überzeugung:

Wenn wir diese Krise durchgestanden haben, dann wird diese Welt nicht mehr sein wie vorher. Wir werden verwundet sein. Aber wir geben nicht auf. Wir machen weiter.

Und bis es soweit ist, dass wir wieder "raus" können, träume ich davon, dass in unserer Welt nach der Corona-Krise wieder mehr Menschlichkeit regiert. Mehr Nächstenliebe. Mehr Achtsamkeit. Mehr Liebe.

In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund und optimistisch.

Alles Liebe, Ihre Eva Imhof