Medizinjournalist Dr. Christoph Specht klärt auf

„Schwarze Würmer“ und Ethylenoxid in Corona-Tupfer und FFP2-Masken: Das steckt dahinter

03. April 2021 - 12:44 Uhr

Was steckt hinter diesen Phänomenen?

Parasiten, Roboter oder Metallfäden mit Widerhaken und tödliches Ethylenoxid in FFP2-Masken und Schnelltest-Stäbchen - schon seit etlichen Tagen kursieren zahlreiche Videos in den sozialen Netzwerken, in denen aufgeregt von merkwürdigen Funden und geheimnisvollen Substanzen in Masken und Testkits berichtet wird. Wird hier wieder von Verschwörungstheoretikern und Corona-Leugnern zum Angriff geblasen – oder was steckt hinter diesen Phänomenen? Experten haben sich die Phänomene angesehen – und ganz unaufgeregte Erklärungen dafür gefunden. Medizinjournalist Dr. Specht im Video.

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Videos und Bilder in den Sozialen Netzwerken

Egal, was wir unter ein Vergrößerungsglas oder ein Mikroskop legen: Es tun sich immer ganz neue und seltsame Welten und Strukturen auf. Betrachtet jemand zum Beispiel Wattestäbchen und FFP-Masken damit, so zeigen sich plötzlich kleine schwarze Würmchen, die sich bewegen und zum Leben erweckt werden, sobald man sie mit warmer Atemluft anhaucht. Davon berichten zurzeit Nutzer in den sozialen Netzwerken in Videos und Beiträgen – die fleißig geteilt werden. Eine andere Bedrohung wird im Ethylenoxid gesehen, mit dem die Testtupfer zwecks Sterilisation behandelt worden seien. Ethylenoxid sei hochgradig krebserregend und damit der Beweis erbracht, dass wir im Geheimen alle umgebracht werden sollen.

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Unheimliche Entdeckung der dritten Art? Videos zeigen angebliche Beweise für Würmer und Parasiten in Testtupfern von Corona-Schnelltest-Kits,
Unheimliche Entdeckung der dritten Art? Videos zeigen angebliche Beweise für Würmer und Parasiten in Testtupfern von Corona-Schnelltest-Kits. (Screenshot: facebook)
© Facebook, facebook/FrankSchwung, NN

Experten haben das Phänomen unter die Lupe genommen

Redakteure des gemeinnützigen und unabhängigen Vereins Correctiv haben sich diese Phänomene bereits angesehen und mit Herstellern und Behörden gesprochen, zudem selbst zwei Tupfer für Corona-Schnelltests von einem Biologen im Labor untersuchen lassen. Ergebnis ihrer Recherche: "Es handelt sich nicht um Lebewesen, Roboter oder Metallfäden, sondern lediglich um Stofffasern, von denen keine nachweisliche Gesundheitsgefahr ausgeht. Sie bewegen sich nicht von selbst, sondern durch elektrostatische Aufladung oder den Luftzug."

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Es sind eindeutig Kleidungsfasern

Aber woher kommen diese dunklen Fasern und warum bewegen sie sich? Die Journalisten haben dazu mit Forensiker und Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke gesprochen, der sich das Phänomen ebenfalls unter dem Mikroskop angeschaut hat. "Es könnte zum Beispiel eine Faser sein, die in der Fabrik, in der die Tupfer produziert werden, herumfliegt und sich zum Beispiel von der Arbeitskleidung der Angestellten dort gelöst hat", sagt Benecke. Aber warum bewegt sie sich? Dafür gibt es laut Benecke zwei mögliche Erklärungen: "Entweder, weil ich rede, sprich durch den Luftzug, oder weil elektrostatische Kräfte wirken." Bei einer Sache ist sich Benecke aber sicher: Lebewesen oder Nano-Roboter sind es definitiv nicht. Sondern eben: eindeutig Kleidungsfasern.

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Ethylenoxid: Besuch einer Tankstelle gefährlicher

Auch beim Ethylenoxid kann der Wissenschaftler Entwarnung geben: Wattestäbchen und Tupfer werden nach der Herstellung sterilisiert. "Dafür wird zum Beispiel das Gas Ethylenoxid drübergeleitet, um alle Keime, Viren und Bakterien abzutöten." Ethylenoxid ist aber tatsächlich als solches ein Karzinogen der Kategorie 1B - das heißt, es löst wahrscheinlich Krebs aus, so die Auskunft der GESTIS-Stoffdatenbank. Aber: Der Sterilisationsprozess wird extrem streng kontrolliert, um sicherzustellen, dass alle verbleibenden Rückstände ungefährlich für den Menschen sind. Benecke vergleicht die Gefahr daher mit dem Besuch einer Tankstelle: "Das, was man dort an giftigen Stoffen einatmet, ist das Vielfache davon."

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