Nach Skandal um Michael Wendler

Corona-Verschwörungstheorien: Das macht uns so empfänglich dafür!

Michael Wendler scheint an diverse Corona-Verschwörungstheorien zu glauben.
Michael Wendler scheint an diverse Corona-Verschwörungstheorien zu glauben.
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10. Oktober 2020 - 9:44 Uhr

Psychologe erklärt typischen Denkfehler

Es ist die Schockmeldung der Woche: Michael Wendler verlässt plötzlich und aus eigenem Wunsch die DSDS-Jury. Und nicht nur das: Der Schlagersänger hat sich bei Telegram angemeldet und scheint von diversen kruden Verschwörungstheorien überzeugt. Die Medien seien "gleichgeschaltet", sagt er auf Instagram. Seinem Manager Markus Krampe habe er am Telefon gesagt, "Wir werden alle sterben" und dass er die ganze Nacht vor seinem DSDS-Aus mit Attila Hildmann telefoniert habe. Auch im Bezug auf das Coronavirus glaube Michael Wendler an Verschwörungstheorien – und damit ist er nicht alleine!

Je länger die Corona-Krise andauert, desto mehr Gerüchte und Verschwörungstheorien rund um die Ausbreitung des Coronavirus kursieren. Die steigende Zahl an Demonstrationen in Deutschland, wie beispielsweise für die Grundrechte oder gegen eine Impf- und Maskenpflicht, zeigt, dass viele Menschen den Aussagen von Politikern, Virologen und den Medien skeptisch gegenüberstehen. Viele glauben sogar, von ihnen belogen zu werden. Der Diplom-Psychologe Dr. Dirk Baumeier erklärt, was hinter diesem Phänomen steckt.

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Die Zahl der Verschwörungstheorien nimmt zu

Die Zahl der Gerüchte und Verschwörungstheorien rund um das Coronavirus nimmt von Tag zu Tag zu. Beschränkten sich diese anfangs meist auf die Aussage, das Coronavirus und seine Folgen seien nicht schlimmer als eine Grippe - was im Laufe der Pandemie relativ schnell und auf traurige Weise durch die Realität widerlegt wurde -, wurden und werden die Theorien mit der Zeit immer komplexer. So kursiert die Behauptung, das Virus stamme aus einem chinesischen Labor. Eine andere Theorie besagt, das Virus sei von verschiedenen Regierungen gemeinsam absichtlich in die Welt gesetzt worden mit dem Ziel, die Rechte der Bürger einzuschränken.

Viele Verschwörungstheorien ranken sich um Bill Gates

Suspekt erscheint vielen Verschwörungstheoretikern auch Bill Gates. Der Microsoft-Gründer warnte bereits vor einigen Jahren in einem Video vor einer möglichen Pandemie, wobei er sich auf die Erkenntnisse verschiedener Wissenschaftler stützte. Von vielen wird dies und die Tatsache, dass Gates mit seiner "Bill und Melinda Gates Stiftung" der größte private Geldgeber der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist, so ausgelegt, als sei er der heimliche Chef der WHO. In der Folge müssten die WHO sowie die Virologen tun und sagen, was Gates will. Tatsache aber ist, dass sich die Stiftung des Milliardärs seit Jahren für den Gesundheitsschutz stark macht. Vor diesem Hintergrund erscheint es nachvollziehbar, dass Gates Gelder für die Suche nach einem Impfstoff einsetzt.

Eine andere Theorie zu Bill Gates lautet, der Microsoft-Gründer wolle den Menschen im Kampf gegen den Erreger Mikrochips einpflanzen lassen – und so die totale Kontrolle über die Menschen erlangen. Die Behauptung basiert auf falsch zitierten und aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen des Microsoft-Gründers, etwa zu Forschungen zur digitalen Identifizierung.

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Kontrollverlust macht uns anfällig für Verschwörungstheorien

Der Diplom-Psychologe Dirk Baumeier erklärt, was alle Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, gemeinsam haben: "Sie empfinden sich Mächten ausgeliefert, deren Schalten und Walten im Dunkeln bleibt." Aus psychologischer Sicht stelle ein Ereignis wie eine Pandemie eine Art Kontrollverlust dar. Dieses Gefühl sei der ideale Nährboden für Verschwörungstheorien.

"Menschen sind rasch bereit, das Wirken höherer Mächte anzunehmen, sobald sie etwas nicht durchdringen. Diese Bereitschaft wird umso größer, je mehr sie glauben, das Geheimnisvolle sei in Wirklichkeit uralt und schon lange am Werk", fasst Baumeier zusammen. Wenn wir also das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren, dann neigen wir dazu, dieses Gefühl zu kompensieren. Der Glaube an eine Verschwörung kann ein entsprechender Mechanismus sein: Man glaubt zu wissen, wie die Dinge funktionieren.

AUDIO NOW-Podcast: Ditt und Datt und Dittrich

"Jeder hat Gründe dafür, an das zu glauben, woran er glaubt"

Der Psychologe warnt jedoch davor, die Ansichten anderer Menschen zu be- oder gar zu verurteilen. Seiner Meinung nach hat "jeder Gründe dafür, an das zu glauben, woran er glaubt". Aus psychologischer Sicht sei ein Skeptiker nicht jemand, der an nichts glaubt, sondern jemand, der vieles für möglich hält. "Deshalb ist die Fantasie bei Verschwörungstheoretikern oft lebhafter als beim Durchschnitt der Gesamtbevölkerung", so Baumeier weiter.

"Der typische Denkfehler von Verschwörungstheoretikern besteht darin, zunächst zu beobachten, wer von einer Lage profitiert und daraus den Schluss zu ziehen, diese Profiteure hätten die Lage absichtlich herbeigeführt", erklärt der Experte. Dies müsse jedoch nicht zwangsläufig stimmen.

Das ist noch nicht alles: Bereits seit Wochen kursieren viele weitere Mythen und Fake News rund um das Coronavirus. Hier erfahren Sie, was davon stimmt und was nicht.

Corona-Playlist: Alles, was Sie über das Virus wissen müssen

NEUE FOLGE: RTL.de-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus: Was lernen wir aus der Krise?"

Im dritten Teil der RTL.de-Serie "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus" gehen wir folgenden Fragen nach: Welche Lehren können wir aus der bisher größten Krise der Nachkriegszeit ziehen? Wir haben mit Experten gesprochen. War der Staat zu inkonsequent? Wurden die Schulen zu schnell geschlossen? Was tun gegen den Hamsterchaos? Und was ist der tatsächliche Grund, dass tausende Urlauber auf der ganzen Welt gestrandet sind?

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