Angeklagter fuhr gut 300 Stundenkilometer schnell

Gina (✝18) starb bei Raserunfall mit McLaren - Prozess gegen den Fahrer (25) gestartet

Prozess tödlichen Autobahn-Alleinunfall mit Tempo 300
© dpa, Marcel Kusch, mku

03. August 2020 - 14:59 Uhr

Fahrer steht wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht

Im März 2019 starb die damals 18 Jahre alte Gina bei einem schweren Unfall auf der A52 in Essen. Sie saß als Beifahrerin im Sportwagen eines Bekannten. Er raste mit einer Geschwindigkeit zwischen 286 und 314 Stundenkilometern über die Autobahn, als er – wohl durch eine Bodenwelle – die Kontrolle über den McLaren verlor. Das Auto schleuderte von der Fahrbahn und prallte gegen einen Baum. Heute startete der Prozess wegen fahrlässiger Tötung gegen den 25-jährigen Fahrer. Der junge Mann aus reichem Elternhaus wurde bei dem Unfall überlebte leicht verletzt.

NEU: Urteil gegen Fahrer gefallen – Bewährungsstrafe nach Ginas Tod.

Mutter: „Meine Tochter vermisse ich jeden Tag“

Raserunfall
Das völlig zerstörte Wrack des Sportwagens bei der Bergung im März 2019.

Ginas Mutter Claudia Pfeiffer sieht den Mann, der für den Tod ihrer Tochter verantwortlich sein soll, im Gerichtssaal zum ersten Mal. Gina und der Angeklagte kannten sich aus dem Freundeskreis. Zuhause vorgestellt hatte ihre Tochter den Bekannten nie. "Meine Tochter vermisse ich jeden Tag", sagt die Mutter vor Prozessbeginn. "Wenn ich die Augen öffne denke ich an sie", erklärt Claudia Pfeiffer, und auch bevor sie abends in einen unruhigen Schlaf falle, wäre der letzte Gedanke immer an ihre Tochter.

Weil das die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass der jungen Mann Gina nicht töten wollte, steht er nun wegen fahrlässiger Tötung in Essen vor Gericht. Das Strafgesetzbuch sieht im Falle einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe vor.

Angeklagter spricht Ginas Eltern in der Verhandlung an

"Ihm tut das Ganze natürlich unendlich leid", erklärte Roland Rautenberger, der Verteidiger des Angeklagten. "Aber was geschehen ist, ist geschehen. Er würde es gerne rückgängig machen, aber das geht natürlich nicht." Während der Verhandlung wandte sich der Angeklagte dann auch an Ginas Eltern. Mit zitternden Händen und unter Tränen sagte er, dass er die Zeit zurückdrehen würde, wenn er es könnte.

Hatte der Fahrer den McLaren nicht im Griff?

Der Unfall geschah in einem Autobahnabschnitt im Essener Süden, in dem es keine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt. Der Fahrer soll es nach einer unbeabsichtigten Lenkbewegung nicht mehr geschafft haben, den 570 PS starken Wagen wieder in den Griff zu bekommen, weil er durch die hohe Geschwindigkeit überfordert gewesen sein soll. Der Nebenklage-Anwalt wirft dem Fahrer vor, sich überschätzt zu haben. Er habe das Auto erst seit ein paar Tagen gefahren, als der Unfall passierte.

Ginas Mutter hofft nun, dass der Fahrer nicht einfach mit einer Geldstrafe davonkommt, sondern wünscht sich echte Konsequenzen, nachdem sie einen geliebten Menschen verloren hat. "Man sollte einem jungen Menschen nicht unverantwortlich einfach so ein Auto verkaufen dürfen", findet sie.