9. Januar 2019 - 17:39 Uhr

Julia Klöckner: "Die gesunde Wahl soll die leichte Wahl sein"

Das Essen muss lecker sein, schnell gehen - aber auch gesund sein, wünschen sich die Deutschen. Deshalb hat sich Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) bei der Vorstellung des jährlichen Ernährungsreports folgendes Ziel gesteckt: "Die gesunde Wahl soll die leichte Wahl sein."

Das Essen muss schmecken - und gesund sein

Jedes Jahr lässt die Bundesregierung nachfragen, was bei uns auf den Teller kommt. Nicht überraschend: Für fast alle, nämlich 99 Prozent, ist es am wichtigsten, wie das Essen schmeckt. 91 Prozent ist es aber auch wichtig, dass ihr Essen gesund ist. Und für fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) kommt es vor allem darauf an, dass das Essen einfach und schnell zuzubereiten ist.

Obwohl gesunde Ernährung für die Deutschen sehr wichtig ist, liegen Fertigprodukte im Trend. Ein Widerspruch, denn gerade Feriggerichte enthalten meist viel zu viel Fett, Salz und Zucker. Daher setzt Klöckner auf die Reduzierung von Zucker, Fett und Salz in Fertiggerichten, die sie gemeinsam mit der Lebensmittelbranche voranbringen will. "Dass wir alle gerne theoretisch einen Plan machen können, was gesund ist, aber am Ende wird es alles nichts bringen, wenn es nicht schmeckt", sagte die Ministerin. Deswegen werde nicht von heute auf morgen vorgeschrieben, den Zucker etwa um die Hälfte zu reduzieren. Produkte würden dann zum Ladenhüter, argumentierte sie.

Ernährungsreport sei eine "Mogelpackung"

Weil Klöckner auf Freiwilligkeit setzt, anstatt wie zum Beispiel in Großbritannien eine Zuckersteuer einzuführen, wird sie kritisiert. Ex-Agrarministerin Renate Künast (Grüne) nannte den Ernährungsreport eine "Mogelpackung": "Sieht schön aus, ist aber nichts Wegweisendes drin." Klöckner sei "nicht viel mehr als eine Ankündigungsministerin" und richte sich zu sehr nach den Wünschen der Industrie.

Und nicht nur bei Zucker und Co. lässt die Ernährungsministerin der Lebensmittelindustrie freie Hand, auch bei dem geplanten staatlichen Tierwohl-Kennzeichen setzt sie auf die freiwillige Umsetzung. Dabei würden 81 Prozent der Deutschen ein Label begrüßen, das sicherstellt, dass Tiere artgerecht gehalten wurden und dass sie nicht unnötig leiden mussten. "Die Menschen erwarten wirksame Maßnahmen für eine bessere Tierhaltung oder zur Förderung eines gesunden Lebensmittelangebots, aber gewiss keine Scheinpolitik", sagte Martin Rücker von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Er bemängelte, dass Klöckner bei den Fertigprodukten und beim geplanten staatlichen Tierwohl-Label auf Freiwilligkeit setze.