Dubiose Therapien von "Homo-Heilern"

Bundestag beschließt Verbot von "Konversionsbehandlungen" bei Homosexuellen

08. Mai 2020 - 11:27 Uhr

Behandlungen zur "Heilung" von Homosexualität soll untersagt werden

Es ist ein wichtiger Schritt gegen die Diskriminierung von Homosexuellen: Der Bundestag hat am Donnerstagabend beschlossen, sogenannte Konversionsbehandlungen bei Minderjährigen zu verbieten. Bei diesen angeblichen "Therapien" wird behauptet, man könne Menschen von ihrer Homosexualität "heilen". Betroffene leiden stark unter derartigen "Umpolungs"-Versuchen. RTL-Reporter Dominique Fleckinger hat ein sogenanntes Konversionsseminar besucht und zeigt im Video, mit welchen absurden Methoden die selbsternannten "Homo-Heiler" arbeiten.

Konversionsbehandlung: Nicht nur bei Minderjährigen strafbar

Bis zum Alter von 18 Jahren sind die Methoden zur Unterdrückung oder "Umpolung" der sexuellen Orientierung nun komplett verboten. Das neue Gesetz betrifft zwar nur Konversionsbehandlungen an Minderjährigen, doch auch, wenn die Betroffenen volljährig sind, können Strafen drohen. Nämlich dann, wenn Homosexuelle durch Zwang, Drohung oder Täuschung zu einer derartigen Konversionsbehandlung bewegt werden.

Betroffene leiden stark unter angeblichen "Therapien" zur Umpolung ihrer Sexualität

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betonte "Homosexualität ist keine Krankheit." Schon allein der Begriff "Therapie" in diesem Zusammenhang sei irreführend. Daher ist künftig auch die Werbung für angebliche "Konversionstherapien" untersagt. Durch die Behandlungsmethoden entstehe oft schweres körperliches und seelisches Leid, so Spahn weiter. In der Folge haben Betroffene ein erhöhtes Risiko, an Depressionen zu erkranken. Auch das Suizidrisiko kann sich durch die "Umpolungs"-Behandlungen erhöhen. Wer das Verbot missachtet, muss deshalb mit einer Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr rechnen. Das neue Gesetz soll voraussichtlich Mitte dieses Jahres in Kraft treten, sofern der Bundesrat dem Entwurf zustimmt.

Kritikern geht das Verbot nicht weit genug

Die Sprecherin für Queerpolitik in der Grünen-Fraktion, Ulle Schauws, kritisierte an dem neuen Gesetzesentwurf, dass dabei die Altersgruppe zwischen 18 und 26 Jahren außer Acht gelassen werde. Bei dieser gebe es einen vergleichbaren Schutzbedarf wie bei Minderjährigen. Auch der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) forderte eine Nachbesserung beim Schutzalter.

Kritiker fordern zudem, dass auch Eltern oder Sorgeberechtigte zur Rechenschaft für derartige "Umerziehungsversuche" gezogen werden können. Das neue Gesetz sieht zwar auch für sie Sanktionen vor, allerdings ist die Strafbarkeit begrenzt auf "Fälle der gröblichen Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht". Das hält der FDP-Abgeordnete Jens Brandenburg ebenfalls nicht für ausreichend: "Wer eigene Kinder den gefährlichen Umpolungsversuchen unterzieht, verletzt seine Fürsorgepflichten ohne Wenn und Aber."


Quelle: RTL/DPA