Adoptivmutter erkämpft härtere Strafen

Tony (7) von Eltern fast zu Tode gefoltert – doch sein Schicksal soll im Kampf gegen Kinderquäler helfen

05. Dezember 2021 - 11:22 Uhr

England: Tony schwebte nach Folter 3 Monate in Lebensgefahr

Das Martyrium von Baby Tony dauerte zehn Tage. Seine Eltern Jody (24) und Tony S. (47) folterten den 41 Tage alten Jungen aus England mit unvorstellbarer Brutalität. Drei Monate schwebte Tony in Lebensgefahr, doch er kämpfte sich ins Leben zurück. Jetzt sorgt das Schicksal des heute Siebenjährigen dafür, dass die Gesetze für Kinderquäler in Großbritannien verschärft werden.

Dem Jungen wurden beide Beine amputiert

Tony
Tony hat Schlimmes erlebt. Aber der Junge lässt sich nicht unterkriegen.
© justgiving.com/Paula Hudgell

Tony hatte zahlreiche Brüche an Armen und Beinen, als er nach den Tagen der Folter ins Evelina-Kinderkrankenhaus in London kam, berichtet "Bild". Gesicht und Körper des Babys waren schwer verletzt, Gelenke ausgekugelt. Ärzte diagnostizierten eine Blutvergiftung, einen toxischen Schock und multiples Organversagen – Tony zeigte keine Reaktion mehr.

Als er zwei Jahre alt war, wurden Tony als Folge der schlimmen Misshandlung beide Beine amputiert. Er sitzt im Rollstuhl und ist auf dem rechten Ohr taub. Laufen kann er nur mit Unterarmgehstützen.

Im Alter von vier Monaten kam der Junge dem Bericht zufolge zu Paula Hudgell (53) und ihrem Mann Mark, die in Kings Hill südöstlich von London leben. 2016 adoptierte das Ehepaar, das sieben leibliche Kinder hat, den kleinen Tony.

Paula Hudgell und Tony sammeln Spenden

Über die Spendenplattform "Justgiving" sammelt Paula Geld für das Kinderkrankenhaus, das Tony das Leben rettete. Immer wieder legt sich auch der Siebenjährige ins Zeug: Im Juni 2020 lief er zehn Kilometer auf seinen Gehhilfen – stolzes Ergebnis: umgerechnet 1,7 Millionen Euro an Spenden.

Im Mai 2021 startete eine zweite Spendenaktion, für die sich Tony zum Ziel setzte, 100 Schritte ohne Gehhilfen zu laufen. Sein Vorbild war Ex-Offizier Captain Tom Moore, der als 100-Jähriger in der ersten Corona-Welle Geld für den Nationalen Gesundheitsdienst gesammelt hatte. Tonys Familie will 220.000 Euro sammeln, um das Wohnhaus behindertengerecht umzubauen. Bis jetzt sind bereits 185.000 Euro zusammengekommen.

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Tony traf Großbritanniens Justizminister Dominic Raab

Doch es gibt noch eine andere Sache, die Paula Hudgell bewegt: Tonys leibliche Eltern, die für die Folter ihres Sohnes 2018 zu zehn Jahre Haft verurteilt wurden, könnten schon bald wieder auf freiem Fuß sein. Dass die beiden im September 2022 wegen guter Führung entlassen werden, ist für die 53-Jährige eine unerträgliche Vorstellung.

Sie kämpfte mithilfe von britischen Abgeordneten für härtere Strafen, forderte eine Gesetzesänderung. Tony traf sogar Justizminister Dominic Raab. Die Kampagne war erfolgreich: Raab bestätigte das neue Gesetz – es wird zurzeit im britischen Unterhaus debattiert und soll bald verabschiedet werden.

"Tonys Law" bringt härtere Strafen für Kinderquäler

Tony
Tony hat sich ins Lebe zurückgekämpft.
© justgiving.com/Paula Hudgell

Mit "Tony's Law" (zu Deutsch: Tonys Gesetz) wird die Höchststrafe für jemanden, der den Tod eines Kindes verursacht oder zulässt, von 14 Jahren auf lebenslänglich erhöht. Die Höchststrafe für Personen, die wegen schwerer Schädigung von Kindern verurteilt werden, steigt von zehn auf 14 Jahre. (bst)