Debatte um Elektroautos

Verbraucherzentralen fordern gezieltere Kaufanreize

04. Januar 2022 - 12:23 Uhr

Sind Prämien ausreichend, um Klimaziele zu erreichen?

Strom laden, statt Benzin tanken: Die Mobilitätswende soll auch durch Millionen neue Elektroautos gelingen. Derzeit werden Interessierte mit hohen Prämien gelockt. Aber passt die Förderung noch, um die nächsten Ziele beim Klimaschutz zu erreichen? Verbraucherschützer haben da so ihre Zweifel.

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Förderung stärker am Klimaschutz ausrichten

Deshalb fordern sie gezieltere Kaufanreize für E-Autos. "Ich würde die Bundesregierung hier zu einem klaren Schnitt ermutigen", sagt der Chef des Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller. Und die Ampel-Koalition ist offenbar bereit, diesen Schritt zu gehen. Zumindest will sie die Förderung stärker am Klimaschutz ausrichten. Aber was planen Kanzler Scholz und Co. – und was fordern die Verbraucherzentralen?

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"Brauchen einen funktionierenden Gebrauchtwagenmarkt"

"Man muss nicht jedes Luxusauto von Seiten des Staates subventionieren, selbst wenn es ein Elektroauto ist", sagt vzbv-Chef Müller. Kaufprämien sollte es nur noch bei Listenpreisen unter 40.000 Euro geben - bisher gilt eine Obergrenze von 65.000 Euro für das Basismodell. "Wir brauchen dringend einen funktionierenden Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos", betont der Verbraucherschützer. "Und das sollten vor allem die kleineren und mittleren Autos sein." Darauf seien viele angewiesen, die sich keine Neuwagen kaufen könnten oder wollten.

Ein wichtiger Punkt dabei: der Zustand der Batterien. Gebrauchtwagenkäufer müssten laut Müller verlässliche uns standardisierte Informationen zum Gesundheitszustand der Batterie erhalten. Er schlägt vor, dass die Kosten für solche Prüfungen auch vom Staat bezuschusst werden könnten. Apropos Zuschüsse: Auch dort schlägt der Verbraucherexperte Änderungen vor.

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Habeck will Förderung neu ausrichten

"Man sollte nur noch die Elektroautos fördern, die wirklich nachweislich einen Umwelteffekt haben", fordert Müller. Fraglich ist dieser Umwelteffekt vor allem bei Hybrid-Modellen mit kombinierten Antrieben, bei denen doch weniger elektrisch und mehr mit klassischen fossilen Energien gefahren werde. Wirtschaftsminister Robert Habeck will die Förderung ab 2023 neu ausrichten. Gefördert werden sollen künftig nur noch E-Autos, die "nachweislich einen positiven Klimaschutzeffekt" haben, heißt es im Koalitionsvertrag. Aber was heißt das konkret?

Innovationsprämie bis Ende 2022 verlängert

Festgemacht werden soll das am elektrischen Fahranteil und der elektrischen Mindestreichweite der Modelle - konkret genannt ist eine größere E-Distanz von 80 Kilometern. Die jetzigen Zuschüsse sind aber noch einmal bis Ende 2022 verlängert worden. So gibt es auch im neuen Jahr eine "Innovationsprämie" von bis zu 9000 Euro für rein elektrische Autos und bis zu 6750 Euro für Hybride, die man per Stecker lädt (Plug-in). Denn das Ziel der Koalition ist durchaus ambitioniert.

55 Prozent mehr zugelassene E-Autos!

15 Millionen Elektroautos sollen bis 2030 über Deutschlands Straßen fahren. Anfang 2021 gab es laut Kraftfahrt-Bundesamt 309.000 reine E-Autos, dazu 280.000 Plug-in-Hybride. Die Neuzulassungen legten 2021 aber deutlich zu, auch dank aufgestockter Kaufprämien. In den ersten elf Moanaten des Jahres 2021 sind gut 307.000 E-Autos zugelassen worden, nach 194.000 im Vorjahr, das macht ein Plus von 55 Prozent! Die Verbraucherzentralen fordern noch mehr Tempo bei der Umstellung.

Ein weiterer wichtigere Punkt: Die Ladesäulen! E-Auto-Käufer bräuchten Sicherheit, im Urlaub, auf Geschäftsreise oder beim Besuch in einem anderen Bundesland nicht zu stranden, sagt Müller. Druck dafür macht auch die Autobranche. "Die Ladeinfrastruktur muss dem E-Auto-Bestand vorauslaufen", sagte die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller: "Nur so gewinnen wir Verbrauchervertrauen und ermutigen die Menschen, in ein Elektroauto zu investieren." Bisher hängt Deutschland beim Ausbau der Säulen aber noch hinterher. (xst, dpa)