Prozess gegen den mexikanischen Drogenboss kurz vor dem Abschluss

El Chapo soll Sex mit Kindern gehabt haben: Zeugen belasten Joaquin Guzman schwer

05. Februar 2019 - 17:51 Uhr

Neue Vorwürfe spielen im aktuellen Prozess keine Rolle

Kurz vor der Urteilsverkündung im New Yorker Prozess gegen den mexikanischen Drogenboss El Chapo sind neue Details ans Licht gekommen. Zeugen berichten übereinstimmend, Joaquin Guzman habe Sex mit Minderjährigen gehabt. Details, und warum die Zeugenaussagen im aktuellen Prozess keine Rolle spielen, erklärt RTL-Reporterin Sandra Lange im Video.

El Chapo droht maximal lebenslange Haft

Im aktuellen Prozess in New York geht es vor allem um Vorwürfe in Sachen Drogenhandel. Auftragsmorde und Vergewaltigungen spielen eine untergeordnete Rolle. Der Prozess läuft seit elf Wochen, Dutzende Zeugen sagten aus. Seit Montag laufen die Beratungen der zwölfköpfigen Jury über das Urteil.

Der Drogenboss, der mehrfach aus dem Gefängnis ausgebrochen ist, muss maximal eine lebenslange Haftstrafe fürchten. Die Todesstrafe ist ausgeschlossen. Fürchten, dieses Gefühl kennen auch die Jurymitglieder. Denn ihre Aufgabe, ein Urteil über El Chapo zu fällen, ist eine Bürgerpflicht, die sie nicht ablehnen durften. Wie weit die Furcht einiger Jurymitglieder geht, dass ihre Identität öffentlich wird, erklärt RTL-Reporterin Sandra Lange im Video oben. "Wenn hier ein Urteil fällt, darf niemand den Gerichtssaal betreten oder verlassen, bis die Jury rausgeleitet wurde", sagt sie zu den besonderen Sicherheitsvorkehrungen.

Guzmans Anwalt kritisiert Veröffentlichung neuer Vorwürfe

A view of a photographic reproduction of a drawing by Jane Rosenberg that shows US Attorney s Assistant Amanda Liskamm (L) during the final plea in the trial against Mexican drug lord Joaquin El Chapo Guzman Loera (R), in front of judge Brian Cogan (
Eine Gerichtszeichnung zeigt Joaquin Guzman (r.), Richter Brian Cogan und Staatsanwältin Amanda Liskamm
© imago/Agencia EFE, Jane Rosenberg, imago stock&people

Guzmans Anwalt Eduardo Balarezo bezeichnete die Aussagen zu den Sex-Vorwürfen als "extrem anzüglich". Es handle sich um nicht bestätigte und unglaubwürdige Vorwürfe, die nicht als Beweismittel beim Prozess zugelassen worden seien. Dass sie unmittelbar vor Beginn der Jury-Beratungen öffentlich gemacht wurden, sei "bedauerlich".

Richter Brian Cogan hatte die Dokumente auf Antrag der "New York Times" und der Website "Vice News" zur Veröffentlichung freigegeben. Im aktuellen verfahren werden die Zeugenaussagen nicht berücksichtigt. Erst nach Prozessende könnte sich die Staatsanwaltschaft den Vorwürfen annehmen und möglicherweise einen weiteren Prozess gegen El Chapo anstreben.