Eklat in Litauen

Eiskunstlauf-Stars wird Staatsorden aberkannt - sie treten bei Show von Kremlsprecher-Ehefrau auf

ARCHIV - 19.02.2006, Italien, Turin: Das Eistanzpaar Margarita Drobiazko und Povilas Vanagas bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin. Litauens Staatspräsident Nauseda hat wegen eines Auftritts bei einer Show in Russland die Staatsauszeichnung
Margarita Drobiazko und Povilas Vanagas sorgen in ihrer litauischen Heimat für Empörung.
jsl_hae cul, dpa, epa Sergey Chirikov

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine treibt immer neue Blüten: Litauens Präsident Gitanas Nauseda hat wegen eines Auftritts bei einer Show in Russland die Staatsauszeichnungen für das Eistanzpaar Margarita Drobiazko und Povilas Vanagas zurückgenommen. Dem Duo werden die im Jahr 2000 verliehenen Orden entzogen.

Drobiazko und Vanagas bei Schwanensee-Eisshow in Sotschi

In Litauen hatte es zuvor für reichlich Aufsehen gesorgt, dass Drobiazko und Vanagas an einem Schwanensee-Ballett auf Eis in Sotschi teilnehmen. Präsentiert wird die vom 9. bis 18. August in der Schwarzmeerstadt laufende Show von der russischen Eistänzerin Tatjana Nawka, die zugleich die Ehefrau von Kremlsprecher Dmitri Peskow ist. Im Zug der Sanktionen gegen Russland waren zuvor zahlreiche Sportlerinnen und Sportler von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen worden.

Gitanas Nauseda: „Genug ist genug!"

„Genug ist genug!“, begründete Nauseda seine Entscheidung. „Ich habe keinen Zweifel daran, dass das Eistanzpaar hervorragende Athleten waren, aber sie haben ihre Verdienste um Litauen, für die sie im Jahr 2000 ausgezeichnet wurden, mit ihrer zynischen Tat zunichte gemacht.“ Bestenfalls handele es sich bei der Teilnahme an der Show inmitten des Ukraine-Kriegs um politische Blindheit. Im schlimmsten Fall spuckten sie auf die „Erinnerung an abgeschlachtete Babys, Kinder, Frauen und alte Menschen“, schrieb Nauseda auf Facebook.

Die gebürtige Russin Drobiazko, die 1993 die Staatsbürgerschaft des Baltenstaats erhielt, und Vanagas vertraten Litauen insgesamt bei fünf Olympischen Spielen und fast ein Dutzend internationalen Meisterschaften. Das Paar lebt derzeit in Russland, das am 24. Februar einen Angriff auf die Ukraine begann. (tno mit dpa)