von Jasmin Bergmann

Einschlaf-Podcast „Deep Sleep" im Test: Lerne ich damit, zu schlummern wie ein Baby?

Einschlaf-Podcast im Test
Reporterin Jasmin Bergmann testet den Einschlaf-Podcast "Deep Sleep" von Oliver Wunderlich, um besser zur Ruhe zu kommen.
RTL.de

Oliver Wunderlich soll mich ab jetzt in den Schlaf quatschen

La-le-lu, nur der Mann im Mond schaut zu. Na, können Sie bei dieser Melodie einschlafen? Nein? Ich auch nicht – zumindest nicht mehr. Und auch sonst fällt mir das Einschlummern ziemlich schwer. Mein Gehirn hört einfach nicht auf zu denken. Im Gegenteil, es gibt zu abendlicher Stunde nochmal so richtig Gas. Ein neuer Einschlaf-Podcast könnte die Lösung für mein Problem sein. Mit „Deep Sleep" soll angeblich jeder lernen, wie ein Baby zu schlafen. Mal schauen, ob das funktioniert.

Selbstversuch: Fünf Nächte mit „Deep Sleep“

Habe ich an alle Tages-To-Dos gedacht? Mist, meine Nase juckt. Was darf ich morgen bei der Arbeit nicht vergessen? Und was wollte ich meiner Freundin unbedingt noch erzählen? So geht das immer weiter, Minute für Minute. Abends würde ich mein Gehirn manchmal am liebsten in beide Hände nehmen, schütteln und schreien: Halt doch endlich deine Klappe! Wenn’s doch nur so einfach wäre.

Doch der Audible-Podcast „Deep Sleep“* von Oliver Wunderlich macht mir Hoffnung. „Ich glaube, dass jeder lernen kann, zu schlafen wie ein Baby. Dazu gibt es 'Deep Sleep'“, sagt er in seiner Einführung. Ja, lieber Herr Wunderlich, hohe Ziele haben Sie sich da gesteckt. Motiviert mache ich mich ans Werk - oder besser gesagt: ich kuschele mich ins Bett und los geht die erste von fünf Nächten mit „Deep Sleep“.

Folge 1 führt mich in die Wüste

Doch bevor ich davon etwas mitbekomme, spricht eine sanfte Männerstimme: „Mein Name ist Oliver Wunderlich und …“ Oha. Okay, das ist also mein Guide zum Reich der Träume. Speziell. Aber nicht unbedingt schlecht. Ziemlich tief und irgendwie eine ermüdende Stimme. So wie die des Geschichtslehrers, damals in der Schule. Man will unbedingt zuhören, driftet aber irgendwie immer wieder mit den Gedanken ab.

Erstmal machen wir Atemübungen zur Entspannung. So weit so gut. Das bekomme ich noch hin. Danach geht’s an Gesichts-Entspannungsübungen. „Spüre die Muskeln in deinem Gesicht. Dein Mund hat heute geredet, vielleicht gelacht. Deine Mundwinkel haben gelacht...“ So gehen wir der Reihe nach alle Gesichts-Partien durch.

Dann folgt die Geschichte: Ein Pärchen macht einen Urlaubstrip in die marokkanische Wüste. Aha. Zum Schluss das sogenannte Herzstück des Podcasts: die Alltagssymphonie, die 20 Minuten dauert (insgesamt dauert der Podcast 30 Minuten.) In diesem Fall: Wüstengeräusche bei Nacht. Genauer gesagt: Tiergeräusche, denn sonst gibt’s da ja nicht viel. Ich gebe mein Bestes, um mich gleiten zu lassen. Aber da ist dieses eine Geräusch. Dieses eine Tier, dessen Laute mich fast in den Wahnsinn treiben. Es ist so nervig, dass ich den Podcast nach 20 Minuten abbreche. Dann doch lieber die Feierwütigen unten in der Bar, an die habe ich mich schon mehr oder weniger gewöhnt.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Am skurrilsten ist Podcast-Nacht Nummer 5 - es gibt Köttbullar bei Ikea

Immer das gleiche Ritual, immer die gleiche Stimme, immer andere, eigenartige Alltagssymphonien: Das Sommergewitter in Folge 3 ist herrlich. Ich höre entspannt zu, in meine Bettdecke gekuschelt. Doch dann schaltet sich wieder der Kopf ein. Mist, ich habe vergessen, mir die Unterlagen rauszulegen, die ich morgen zur Arbeit mitnehmen will. Abbruch.

Die vierte Folge des Podcasts soll mich in den Schlaf schleudern: Waschmaschinen-Geräusche. Die erinnern mich aber irgendwie an Arbeit. Also eher weniger entspannend. Doch am skurrilsten ist Nacht Nummer fünf: Köttbullar bei Ikea. Es ist genau das Geplapper und Gelächter, das ich tagtäglich vor meiner Stadtwohnungstür erlebe. Nur hier noch untermalt mit Geschirrgeklapper. Finde ich in den Schlaf? Nö. Bekomme ich das Ende des Podcasts mit? Jawohl. Leider.

Mein Fazit: Mich packt der Podcast nicht

Die Atem- und Gesichtsentspannungsübungen finde ich gut, um vom stressigen Alltag abzuschalten. Sie helfen mir dabei, mich gezielt nur auf mich zu konzentrieren und lenken so meine Gedanken vom Karussell ab. Doch die Alltagssymphonien lassen meinem Gehirn zu viel Spielraum.

Außerdem wäre da noch das Problem mit dem Handylicht. Oliver Wunderlich empfiehlt, vor dem Schlafengehen nicht mehr auf das Handy oder einen anderen Display zu schauen. Denn das blaue Licht hält uns wach. Problem: Wie soll ich einen Podcast anhören, ohne mein Smartphone zu benutzen?

Das sagt Schlaf-Coach Christine Lenz zu Schlummer-Podcasts

Zuhören ist super zur Entspannung. „Die Gedanken sind beschäftigt, was gut ist, um aus dem Gedankenkarussell auszubrechen“, sagt Schlaf-Coach Christine Lenz. Lesen ist zwar auch weit verbreitet als Müdemacher, doch benötigen wir dafür Licht, was wiederum wach macht.

Die monotonen Alltagsgeräusche im Podcast sind klug gewählt von Oliver Wunderlich, denn diese erkennt unser Gehirn, sagt Lenz: „Der Trick ist Vertrautheit.“ Hörbücher tun‘s aber auch. Atemübungen zu Beginn sind ebenfalls top. Denn diese führen immer dazu, dass wir länger in die Ausatmung kommen, sagt Christine Lenz: „Dadurch entspannen Sie sich und Stresshormone werden minimiert.“

Kann denn nun jeder lernen zu schlafen wie ein Baby? „Ich glaube nicht“, sagt Schlaf-Expertin Lenz – zumindest nicht wie ein Baby. Aber man könne lernen, gezielt zu entspannen und so ein Podcast könne dabei helfen. Bei Schlafproblemen sind aber auch die Lebensumstände wichtig: Liegt es vielleicht am Partner oder etwa an der Schilddrüse? „Schlaf hat so viele Facetten und so viele Faktoren, die ihn behindern können“, sagt Lenz. Um wirklich auf Dauer gut einschlafen zu können, muss jeder Betroffene seinen individuellen Ursachen auf den Grund gehen. Dann klappt's irgendwann auch mit dem Einschlummern.

*Wir arbeiten in diesem Beitrag mit Affiliate-Links. Wenn Sie über diese Links ein Produkt kaufen, erhalten wir vom Anbieter eine Provision. Für Sie entstehen dabei keine Mehrkosten. Wo und wann Sie ein Produkt kaufen, bleibt natürlich Ihnen überlassen.