RTL News>News>

Edeka: Marktleiterin mit Öl-Ansage! Kein Verkauf mehr - So reagieren Kunden

"Ich kann das mit meinem Gewissen nicht vereinbaren"

Öl-Boykott: Edeka-Marktbetreiberin wehrt sich gegen Wucherpreise

Edeka-Markt in Trendelburg.
Der nordhessische Edeka-Markt in Trendelburg macht nicht mit bei den Wucherpreisen und boykottiert deswegen den Öl-Verkauf.
Neukauf Müller

von Konstantin Müller

Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine werden Lebensmittel knapp. Besonders vor dem Öl-Regal in den deutschen Supermärkten ziehen Kunden lange Gesichter – entweder, weil sie hier keines mehr bekommen oder weil sie stolze 5 Euro für eine Flasche Rapsöl zahlen müssen. Eine Edeka-Filiale aus dem nordhessischen Trendelburg macht das jetzt nicht mehr mit und boykottiert den Ölverkauf im eigenen Laden – laut Marktbetreiberin Anja Müller gebe es ja auch Alternativen.

Lese-Tipp: Acht Alternativen zum Kochen und Backen

Edeka weist mit Schild auf Öl-Boykott hin

Öl-Regal in Edeka-Filiale Trendelburg
Mit einem selbstgeschriebenen Schild weist die Betreiberin des Edeka-Marktes darauf hin, dass hier kein Öl mehr verkauft wird.
Neukauf Müller

„Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich damit so einen Stein ins Rollen bringe“, erzählt Marktbetreiberin Anja Müller im RTL-Interview. Sie stellte ein selbstbedrucktes Schild in das Öl-Regal, in dem sie erklärt, warum sie kein Öl mehr verkaufen wird. „Sonnenblumenöl für 4,99 Euro pro Liter werden wir nicht verkaufen! Wir distanzieren uns von diesen Preisen. Es gibt Grenzen!“ steht auf diesem Schild. Eine Facebook-Nutzerin fotografiert dieses Schild ab und stellt es online – seitdem wird Anja Müller regelmäßig darauf angesprochen.

„Die Kunden finden das gut und haben Verständnis“, sagt sie zu RTL. Öl sei laut Anja Müller ein absolutes Grundnahrungsmittel und dürfe nicht für solch einen Wucherpreis über die Ladentheke gehen. „Es gibt sogar Leute, die Öl auf Ebay verkaufen. Ich will hier einfach nur meinen kaufmännischen Alltag betreiben – keinen Schwarzmarkt. Ich kann das mit meinem Gewissen nicht vereinbaren.“

Boykott soll auch Mitarbeiter schützen

Darüber hinaus gebe es noch einen anderen Grund für den Boykott der hohen Ölpreise. Anja Müller schätzt ihre Kunden, die meisten seien sehr höflich und verständnisvoll, allerdings gibt es auch immer wieder schwarze Schafe. „Wenn Sie wüssten, was sich meine Mitarbeiterinnen an der Kasse anhören müssen“, sagt sie. Manche Kunden unterstellen den Beschäftigten ihrer Filiale, sich an den Wucherpreisen zu bereichern oder selbst in den Genuss von günstigerem Öl zu kommen. Laut Anja Müller sei das aber völliger Quatsch.

Lese-Tipp: Speiseöl-Streit in Supermarkt eskaliert

„Früher habe ich 50 Kisten Öl bestellt und auch 50 Stück bekommen. Jetzt sind es vielleicht noch ein oder zwei Kisten, die ich kriegen würde.“ Der Preis für Öl steige so signifikant, weil es auch im Einkauf nun deutlich teurer ist, die Gewinnmarge sei aber aktuell die gleiche. Auch andere Supermärkte bereichern sich also nicht an den gestiegenen Preisen, sondern geben ihn lediglich an die Kunden weiter.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Hamstern die Deutschen etwa wieder?

ARCHIV - 18.03.2020, Nordrhein-Westfalen, Siegen: Ein Mann trägt eingekauftes Toilettenpapier und Küchenrollen aus einem Supermarkt. (zu dpa «Spätfolgen der Hamsterkäufe: Papierbranche verkauft weniger Klopapier») Foto: Rene Traut/dpa +++ dpa-Bildfun
Noch zu Lockdown-Zeiten war Klopapier ein seltenes Gut.
mg tba kay fgj hjb, dpa, Rene Traut

Die aktuelle Öl- und Mehlsituation weckt bei manch einem Erinnerungen an die Klopapier-Knappheit zu Lockdown-Zeiten. Laut Anja Müller seien diese Situationen aber überhaupt nicht vergleichbar. Das Öl sei schon knapp geworden, bevor in den Medien überhaupt die Rede davon gewesen sei.

Dass durch ihren Öl-Boykott ein Nachteil für ihre Kunden entstehe, glaubt Anja Müller aber nicht. Schließlich gebe es ja auch Alternativen, so hat sie es auch auf ihren Aushang im Öl-Regal geschrieben: „Zum Braten gibt es in der Kühlung diverse Bratenfette“, steht da. Man käme also auch vorerst ohne überteuertes Öl zurecht.