Durchbruch im Kampf gegen Krebs?

mRNA-Cocktail wirkt bei Mäusen - Studie am Menschen bereits geplant

Wichtiger Schritt für die Krebsforschung: Wissenschaftler wollen die Krankheit mit mRNA-Molekülen bekämpfen.
Wichtiger Schritt für die Krebsforschung: Wissenschaftler wollen die Krankheit mit mRNA-Molekülen bekämpfen.
© filo

11. September 2021 - 8:44 Uhr

Mainzer Forscher haben mRNA-Moleküle bei Mäusen mit Tumoren eingesetzt

Den Krebs endlich zu besiegen ist noch immer der Traum vieler Wissenschaftler. So wird es vermutlich auch den Mainzer Forschern ergehen, die dem Ganzen jedoch nun einen Schritt näher gekommen sein dürften. Im Tierversuch mit Mäusen setzten sie mRNA-Moleküle ein und das Ergebnis ist verblüffend! Sollte es in Zukunft auch beim Menschen funktionieren, wäre das ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Erster Erfolg: Tumore der Mäuse bildeten sich sogar vollständig zurück

mRNA ist aktuell vor allem im Zuge der Corona-Impfung in aller Munde. Aber: Die mRNA-Moleküle können noch ganz andere Sachen. Wie ntv berichtet, wirkt die auf mRNA-Molekülen basierende Immuntherapie bei Mäusen sogar gegen die tückische Krankheit Krebs. Das wollen Forscher um Christian Hotz und Ugur Sahin, der mit seinem Unternehmen Biontech einen wichtigen Impfstoff im Kampf gegen das Coronavirus bereitstellte, nun herausgefunden haben. Sie spritzten die Moleküle direkt in die Tumore der Nager. Dort entwickelten sich daraufhin krebsekämpfende Immunstoffe. Das Tumorwachstum konnte so nicht nur gestoppt werden, bei vielen Tieren bildeten sich die Geschwulste sogar vollständig zurück! So war es der Fall bei 17 von 20 Mäusen. Das berichteten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science Translational Medicine". Nebenwirkungen konnten die Forscher nicht beobachten, da die Überlebenszeit der Tiere stieg. Nächster Schritt: Der mRNA-Cocktail soll in einer klinischen Studie am Menschen getestet werden.

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mRNA-Cocktail bald auch beim Menschen?

"Die Studie liefert ein Beispiel dafür, wie mRNA als Werkzeug genutzt werden kann", kommentiert der Onkologe und Immuntherapiespezialist Niels Halama vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg die Arbeit. Er selbst war allerdings nicht an der Studie beteiligt. Die Mainzer Forscher zeigten etwa, wie sich mRNA verpacken lasse und dass sich bei Gabe in den Tumor gezielte Veränderungen auslösen ließen, so ntv weiter. Aber: "Der Weg zur Anwendung im Menschen hat noch einige Hürden, der Ansatz muss im Menschen natürlich auch genauso funktionieren wie im Tier. Das ist bei den Unterschieden im Immunsystem zwischen Maus und Mensch nicht garantiert und die Autoren weisen in ihrer Arbeit auch darauf hin, dass es da noch Probleme geben kann."

Trotzdem eigne sich das Verfahren prinzipiell bei zahlreichen soliden Tumoren, die für eine Injektion erreichbar seien, erläutern die Wissenschaftlern zu ihrer Studie. Auch tiefer gelegene Tumore können möglicherweise mithilfe bildgebender Verfahren, wie zum Beispiel per Ultraschall, erreicht werden.

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Was genau verbirgt sich überhaupt hinter mRNA?

mRNA ("Boten-Ribonukleinsäure") werden die meisten mittlerweile aus dem Corona-Impfstoff von Biontech oder Moderna kennen. Es handelt sich dabei um ein kleines Molekül, das als eine Art Bauanleitung dient. Denn: mRNA hilft dabei, Proteine im Körper herzustellen. Daher wird es auch zur Bekämpfung anderer Krankheiten in Erwägung gezogen, aktuell vor allem im Kampf gegen Krebs. Viele Forscher weltweit untersuchen das mRNA-Molekül und seine mögliche Wirksamkeit.

Bleibt abzuwarten, ob mRNA uns nicht nur im Zuge der Corona-Pandemie behilflich sein wird, sondern vielleicht sogar in Zukunft im Kampf gegen Krebs – oder sogar weitere Erkrankungen.

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