Dürfen die das?Primark verlangt von krankgeschriebenen Mitarbeitern Einsicht in Krankenakten

Was ist bloß bei Primark los? Gehen die günstigen Preise im Laden auf Kosten der Angestellten? In mindestens zwei Fällen soll Primark von krankgeschriebenen Beschäftigten Einsicht in Krankenakten verlangt haben. Für die Modekette ein ganz normaler Vorgang, für die Gewerkschaft Verdi ein absolutes No-Go. Wir haben einen Rechtsanwalt gefragt.
Primark: Mitarbeiter soll neue Erkrankung nachweisen
Was ist passiert? Wie das Regionalportal inRLP.de berichtet, hat Primark von einem Mitarbeiter Einsicht in die Krankenakten der letzten zwölf Monate verlangt. Als der Mitarbeiter das abgelehnt hat, wurde ihm das Gehalt gekürzt.
Primark verweist in einem Schreiben, das inRLP.de vorliegt, darauf, dass der betroffene Mitarbeiter in den vergangenen zwölf Monaten häufig erkrankt gewesen sei, zuletzt mehrere Wochen im Februar. Der Verdacht: Es handelt sich um dieselbe Krankheit und damit um eine Fortsetzungskrankheit. In diesem Fall müsste der Arbeitgeber nach sechs Wochen keine Entgeltfortzahlung mehr leisten.
Lese-Tipp: Veränderungen bei Primark für das Jahr 2023
Die Billig-Modekette sieht deshalb den Mitarbeiter in der Pflicht, nachzuweisen, dass es sich um eine neue Erkrankung handelt. Eingereicht werden sollen "Krankheitsursachen (Diagnosen) für sämtliche Erkrankungen für die letzten zwölf Monate".
Die Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hält das Unternehmen nicht für ausreichend.
Verdi will Primark wegen ausgesetzter Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verklagen
Der Betroffene hat sich bereits an die Gewerkschaft Verdi gewandt, eine Klage vor dem Arbeitsgericht wird vorbereitet.
„Das Arbeitsgericht soll der Firma Primark mal auf die Finger hauen", sagt Stefan Prinz von Verdi Pfalz im Gespräch mit inRLP.de und ergänzt: „Die Rechtsauffassung von Primark ist hanebüchen."
Verdi hat in einem ersten Schritt Primark aufgefordert, den nicht ausbezahlten Lohn in Höhe von 1600 Euro brutto an den Mitarbeiter auszuzahlen. Sollte das nicht passieren, geht es vor dem Arbeitsgericht weiter.
Lese-Tipp: Primark schließt erstmals Filialen in Deutschland
Primark dagegen hält das Vorgehen auf Anfrage der Saarbrücker Zeitung, die ebenfalls über den Fall berichtet, „grundsätzlich gerechtfertigt.“ Eine Anfrage von RTL bliebt zunächst unbeantwortet.
Rechtsanwalt: Arbeitgeber hat kein Recht auf Einsicht in Patientenakte
Den Fall haben wir Rechtsanwalt Henning Linnenberg von der Kanzlei Mutschke vorgelegt und um eine Einschätzung gebeten.
Darf der Arbeitgeber Einsicht in die Krankenakte verlangen und das Gehalt kürzen?
„Nein, der Arbeitgeber hat nicht das Recht, Einsicht in die Patientenakte eines Arbeitnehmers zu verlangen“, erklärt der Rechtsanwalt. „Arbeitgeber haben grundsätzlich kein Recht darauf zu erfahren, an welcher Art von Erkrankung ihr Arbeitnehmer leidet.“
Daher könne der Arbeitgeber auch nicht das Gehalt kürzen, wenn der Arbeitnehmer dies verweigert, sagt Linnenberg.
Allerdings habe der Arbeitgeber ein Auskunftsrecht gegenüber dem Arbeitnehmer, ob es sich um eine sogenannte Fortsetzungskrankheit oder um eine andere Krankheit handelt. „Auch hier kann der Arbeitgeber aber keine Auskunft über die konkrete Art der Krankheit verlangen.“
Bei einem Schummelverdacht könne der Arbeitgeber bei gesetzlich versicherten Arbeitnehmern aber verlangen, dass die Krankenkasse des Arbeitnehmers den Medizinischen Dienst der Krankenkassen einschaltet, erklärt Linnenberg das eigentliche Vorgehen.
Verstößt Primark hier gegen geltendes Arbeitsrecht? Zumindest scheint das Vorgehen des Modehändlers System zu haben. Wie Verdi berichtet, soll eine weitere Mitarbeiterin der Primark-Filiale in Kaiserslautern Post von der Primark-Zentrale in Essen erhalten haben. Auch sie soll die Diagnosen für sämtliche Erkrankungen für die letzten zwölf Monate einreichen.
Mehr News-Videos aus den Bereichen Wirtschaft, Finanzen und Mobilität
01:19Warum ist Matcha so teuer?
02:02Stalker-Romantik: Wie problematisch sind die Bücher auf Booktok?
02:46Das steckt hinter In-Game-Käufen bei Gratis-Spielen
02:28Das müsst ihr über "Buy now, pay later" wissen
02:08So wird man zum reichsten Menschen Deutschlands!
01:20Hype um Pokemon! Diese Karten sind ein Vermögen wert
01:33Diese drei Versicherungen braucht wirklich jeder!
02:13So unterstützt der Staat Studierende und Azubis
02:40So gelingt der Verkauf mit Flohmarkt-Apps
01:37Was sind Vermögenswirksame Leistungen?
02:41Warum ist der Rasierer für Frauen teurer als für Männer?
01:39Darum wird der Stanley Cup auf Social Media gehypt
02:47So behaltet ihr den Überblick über eure Finanzen
01:52Wie KI diesem Frisör bei der Arbeit hilft!
01:36Wie Schwäbisch Gmünd für 1.000 Menschen ein Zuhause findet
01:50Was ist eigentlich ein ETF?
03:01Polizeigewerkschaft fordert Tempo 30 innerorts
02:42Wie das Ehe-Aus nicht zur Existenzbedrohung wird
02:22Unternehmer schlagen Alarm
01:13Wie teuer wird unser Kaffee?
02:25So teilt ihr euch die Arbeit im Haushalt fair auf
04:03Männer überschätzen ihren Anteil an der Hausarbeit
01:30Galeria hat große Pläne für Innenstädte
03:56Das kommt jetzt auf Mieter zu
03:49Darauf solltet ihr beim Einkauf mit Rabatt-Apps achten
02:13DIESE Modelle sind betroffen
01:08Wer dieses Jahr vom Führerschein-Umtausch betroffen ist
02:45Superreiche werden immer mächtiger
01:14Tech-Milliardäre liefern sich Wettlauf ums All
03:21Das kann das neue Vergleichsportal der Bafin
03:40Jeder Dritte schläft im Homeoffice!
02:44Ab jetzt gibt's ICE-Tickets für unter 11 Euro!
03:02Die Bonusprogramme der Supermärkte im Test
03:06Wir machen den Secondhand-Baumarkt-Check!
01:38"Für die Rente machen die eigentlich nichts"
04:45Deutsche verdienen so viel wie noch nie
01:43Hier verlieren Pendler jährlich 60 Stunden Zeit
02:25Bürgergeld-Empfänger sollen gemeinnützige Arbeit leisten
01:45Die Highlights der Technikmesse CES 2025
01:56Lebensmittelpreise werden auch 2025 steigen
01:33"Kein Lohn für den ersten Krankheitstag"
02:59So bringt ihr eure Finanzen zum Jahresbeginn auf Vordermann
02:41Lohnt sich der Wechsel? Unser Experte klärt auf!
01:36Das ist dran an Linnemanns Kritik
01:57Das sagen die Wahlprogramme zur Wirtschaft in Deutschland
01:43Morgens krank, nachmittags arbeiten – ist das sinnvoll?
01:17Ist das Weihnachtsgeschäft noch zu retten?
00:31Droht in Großbritannien die Guinness-Krise?
01:45Darum können sich betroffene Unternehmen nicht wehren
01:26So lebt es sich im ersten Haus aus dem 3D-Drucker
Doku-Tipp: Armes reiches Deutschland - Wird das Leben unbezahlbar?
Energie, Lebensmittel, Mieten: die Kosten explodieren. In Deutschland wächst die Kluft zwischen Arm und Reich. Die Gefahr, in die Armut zu rutschen, wird für immer größere Teile der Bevölkerung zu einer ernsthaften Bedrohung. Vor allem in Ballungszentren spüren inzwischen auch Teile der Mittelschicht den steigenden Druck. Die Dokumentation „Armes reiches Deutschland - Wird das Leben unbezahlbar?“ auf RTL+ schaut sich in deutschen Städten um.


