Senior (84) überfährt rote Ampel und tötet Kind (4)

Vater des Jungen: Als ich im Krankenhaus ankam, war mein Sohn schon tot

Mertol Bozatli ist der Vater des am 24. Februar überfahrenen Jungen. Der 4-Jährige kam bei dem schweren Verkehrsunfall in Dortmund ums Leben.
Mertol Bozatli ist der Vater des am 24. Februar überfahrenen Jungen. Der 4-Jährige kam bei dem schweren Verkehrsunfall in Dortmund ums Leben.
© RTL

08. März 2021 - 10:02 Uhr

84-Jähriger überfuhr rote Ampel in Dortmund

Es war ein tragischer Unfall. Am 24. Februar wurde ein kleiner Junge (4) in Dortmund von einem Senior (84) überfahren. Das Kind war bei Grün über die Straße gelaufen, der Fahrer hatte eine rote Ampel überfahren. Im Interview mit RTL spricht Mertol Bozatli, der Vater des verunglückten Jungen über seinen Schmerz und fordert klare Richtlinien, was das Thema "Senioren am Steuer" betrifft.

Mutter hielt den blutüberströmten Jungen in den Armen

Bei einem Unfall in Dortmund wurde ein 4-jähriger Junge überfahren.
Bei einem Unfall in Dortmund wurde ein 4-jähriger Junge überfahren - ein Senior (84) hatte ein rote Ampel überfahren.
© Markus Wüllner

Der kleine Junge hatte mit seiner Mutter an einer roten Ampel in der Aplerbecker Straße gewartet, als es zu dem schlimmen Unglück kam. Das Kind lief bei Grün auf die Fahrbahn und wurde dort vom schwarzen Audi des Rentners überrollt. Die Feuerwehr mussten das eingeklemmte Kind unter dem Wagen befreien. Der Vierjährige kam mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus und starb kurz darauf. Die Mutter – Mertol Bozatlis Frau – kam ebenfalls ins Krankenhaus, sie erlitt einen Schock.

"Am 24. Februar hat meine Frau mich um 13.30 Uhr angerufen, da war ich bei der Arbeit, und habe da die Nachricht bekommen, dass unser Sohn überfahren wurde", erinnert sich Bozatli. Sie habe mit ihm geredet, als sie ihren Jungen blutüberströmt im Arm gehalten habe. "Das kann man nicht erklären, da bleibt die Welt stehen", beschreibt er den schlimmen Moment. Dann habe sich der Vater sofort auf den Weg gemacht. "Ich bin direkt ins Krankenhaus gefahren, wo ich dann leider nur noch die Todesnachricht bekommen habe von meinem Sohn."

Mertol Bozatli ist selbst Busfahrer

Bozatli selbst ist Busfahrer. Er sei seit 20 Jahren im Straßenverkehr unterwegs und sehe tagtäglich, was dort vor sich gehe. "Dass mein Sohn bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt, das tut einem dann noch mehr weh." Er säße jeden Abend gemeinsam mit seiner Frau zusammen und würde über den schlimmen Vorfall reden. "Aber jedes Mal, wenn wir morgens wieder aufstehen, fängt das wieder von vorne an." Er käme sich vor wie in einem Alptraum. Und der Gedanke daran, selbst noch 30 oder 40 Jahre zu leben und jeden Tag den Schmerz erleiden zu müssen sei unbeschreiblich.

"Es geht nicht darum, Senioren den Führerschein wegzunehmen"

Wenn es um den Unfallfahrer geht, wird Mertol Bozatli emotional. "Ich empfinde absolut kein Mitleid gegenüber dieser Person, weil für mich das grob fahrlässig ist, sich mit 84 Jahren noch ins Auto zu setzen", sagt er. Immerhin würden Reaktionsfähigkeit und Sehvermögen im Alter nachlassen. Deswegen appelliere er an die Bundesregierung, dass etwas passieren müsse. "[...] diese Beschränkung des Alters für den Führerschein – und dass die Menschen irgendwann die Reaktion und das Sehvermögen oder das Gesundheitliche mal kontrolliert werden muss, ist ja seit Jahren ein Thema." Die Regierung müsse nun handeln und sagen: "Ne, jetzt ist Schluss – das war unser letzter Toter, den wir haben."

Deshalb haben Mertol Bozatli und seine Familie jetzt eine Petition ins Leben gerufen, die sich um das Thema "Senioren am Steuer" dreht. Dabei gehe es nicht darum, Senioren den Führerschien wegzunehmen. "Aber die Leute, die es wirklich nicht mehr können, die sollen den entweder freiwillig abgeben oder er soll kontrolliert werden", sagt der Vater. "Mein Sohn wird nicht wieder lebendig durch die Petition. Ich mache das, damit diese Unfälle in Zukunft nicht mehr passieren."