Steigende Zinsen und Ukraine-Krieg bringen Börse durcheinander

Dieses Unternehmen ist jetzt wertvoller als Apple

Apple-Aktien verlieren an Boden.
Apple-Aktien verlieren an Boden.
© dpa, Sven Hoppe, shp vco

12. Mai 2022 - 8:02 Uhr

Der größte Erdölkonzern der Welt, Saudi Aramco, hat den Technologiekonzern Apple als wertvollstes Unternehmen der Welt abgelöst.

Apple an der Börse unter Druck

Während der Aktienkurs von Saudi Aramco in den vergangenen Wochen von den hohen Ölpreisen profitierte, gerieten die Papiere des iPhone-Herstellers wegen steigender Kapitalmarktzinsen, Lieferengpässen und Wachstumssorgen immer mehr unter Druck. An diesem Mittwoch fiel Apple um fünf Prozent auf den niedrigsten Stand seit Ende Oktober vergangenen Jahres.

Der Kurs von Saudi Aramco war an der Heimatbörse Tadawul in Riad seit Mitte März um mehr als 17 Prozent gestiegen. Der Apple-Kurs büßte hingegen seit Ende März mehr als 18 Prozent ein. Die Aussicht auf steigende Zinsen ließ die Investoren vor allem Technologieaktien verkaufen. Denn in der langen Phase des billigen Geldes hatten Anleger immer mehr auf wachstumsstarke Tech-Unternehmen gesetzt. Nun aber dürften die Zinsen angesichts der hohen Inflation kräftig anziehen, womit sich Apple, Amazon, Microsoft & Co als deutlich überbewertet erweisen könnten.

Aktien von Saudi Aramco erreichten Rekordhoch

Die Aktien der Ende 2019 an die Börse gegangenen Saudi Aramco hatten zuletzt ein Rekordhoch erreicht. Das Unternehmen bringt es gegenwärtig auf eine Marktkapitalisierung von umgerechnet 2,43 Billionen US-Dollar. Damit ließen sie erstmals seit 2020 Apple wieder hinter sich. Das Unternehmen aus Cupertino in Kalifornien ist mit dem Verlust von diesem Mittwoch von gut fünf Prozent nur noch 2,37 Billionen Dollar wert. Allerdings ist nur ein geringer Anteil der Aramco-Aktien frei handelbar, der weitaus größte Teil liegt in staatlichen Händen. Noch zu Jahresanfang war Apple mit rund 3 Billionen Dollar um eine Billion Dollar schwerer als der saudi-arabische Ölproduzent.

Die US-Notenbank Fed dürfte die Leitzinsen in diesem Jahr um weitere 1,5 Prozentpunkte erhöhen. Das und die Aussicht auf einen fortdauernden Krieg in der Ukraine lasse so rasch keine Rückkehr der großen Tech-Konzerne zu alter Stärke erwarten, sagte Tim Ghriskey, Portfoliostratege von Ingalls & Snyder. Er sprach von "Panikverkäufen" bei etlichen Technologietiteln und anderen hoch bewerteten Unternehmen. Die dabei frei werdenden Mittel dürften die Investoren nicht zuletzt in Energiewerte reinvestieren, deren Wachstumsaussichten rosig seien. "Von dieser Gemengelage profitieren Unternehmen wie Saudi Aramco ganz erheblich", so der Experte. (dpa/aze)

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