Dreijährige wurde 2004 vor der Haustüre entführt

Sie gilt als italienische Maddie McCann: Das mysteriöse Verschwinden von Denise Pipitone

So könnte Denise Pipitone sich im Laufe der Jahre verändert haben: 2008 und 2014 erstellten die italienischen Behörden via Aging-Verfahren Bilder mit einer Prognose des aktuellen Aussehens des vermissten Mädchens.
So könnte Denise Pipitone sich im Laufe der Jahre verändert haben: 2008 und 2014 erstellten die italienischen Behörden via Aging-Verfahren Bilder mit einer Prognose des aktuellen Aussehens des vermissten Mädchens.
© BKA

24. Juni 2021 - 13:52 Uhr

Fall der vermissten Denise Pipitone ist bis heute ungelöst

Ihr Verschwinden ist so mysteriös, dass sie mittlerweile als italienische Maddie McCann gilt. 2004 spielt die damals fast vierjährige Denise Pipitone vor der Haustür ihrer Oma auf Sizilien. Das Mädchen biegt um eine Straßenecke – und taucht nicht wieder auf. Es ist der Beginn eines außergewöhnlichen Vermisstenfalls, der bis heute ungelöst ist.

Wachmann erkennt Mädchen in Mailand

Der Vormittag des 1. September 2004 in dem sizilanischen Örtchen Mazara del Vallo verläuft für die Familie von Denise wie so viele andere. Die Mutter besuchte einen Informatikkurs, der Vater ging arbeiten und die Oma passte auf das dreijährige Mädchen auf. Denise habe unmittelbar vor dem Haus auf der Straße gespielt, während die Oma das Mittagessen zubereite, heißt es auf der Homepage der Angehörigen zum Vermisstenfall. Dort trifft das kleine Mädchen zufällig auf ihren Cousin und folgt ihm um die Ecke, wo ihre Tante wohnt. Gelbe und beigefarbene Flachdachhäuser prägen das Straßenbild. Von den vielen Balkonen ist das Geschehen auf der Straße gut einsehbar. Gegen 11.45 Uhr sieht ihre Tante das Kind noch einmal, dann will es zurück zu seiner Oma – doch dort kommt Denise nie an.

Einen Monat nach ihrem Verschwinden taucht ein Handy-Video auf

Eine große Suchaktion beginnt, Plakate werden aufgehängt. Ein Foto darauf zeigt die Vermisste schüchtern in die Kamera lächelnd, die lockigen Haare sind mit pinkfarbenen Haargummis zu Zöpfen gebunden. Unter ihrem linken Auge prangt ein verblassender Kratzer. Genau dieser fällt am 18. Oktober 2004 einem Bank-Wachmann in Mailand an einem Mädchen auf. Es ist mit einem Mann, zwei Frauen und anderen Kindern unterwegs, Obwohl es sehr heiß ist, trägt es einen Mantel mit einer Kapuze. Der Mann ruft die Polizei, versucht, mit dem Mädchen ins Gespräch zu kommen, doch die Gruppe verlässt den Ort, bevor die Polizei eintrifft. Ihm gelingt es aber, mit seinem Handy ein Video zu machen. Darauf ist zu hören, wie die Frau das Mädchen "Danàs" nennt. Es antwortet in fließendem Italienisch: "Wohin bringst du mich?" Denises Mutter Piera Maggio ist sicher, dass es sich um ihre Tochter handelt. Einen Monat nach dem Verschwinden der Dreijährigen endlich eine heiße Spur.

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Italienische Behörden erstellen Bilder mit gealtertem Mädchen

Hier verschwand Denise Pipitone
Hier verschwand Denise Pipitone 2004 - links an der Tür hängt ein Suchplakat (Aufnahme aus dem Jahr 2012).
© Google Maps

Es folgt eine Zeit des Hoffen und Bangens, auf Erwartung folgt Enttäuschung. Niemand kann sagen, wohin die Gruppe gegangen ist oder wo sie sich aufhält. Die italienischen Behörden erstellen Bilder, die zeigen, wie Denise mittlerweile aussehen könnte. Immer wieder glauben Augenzeugen, das vermisste Kind in verschiedenen Teilen der Welt gesehen zu haben. Mal wird eine italienische Touristin auf ein Mädchen auf der griechischen Insel Kos aufmerksam, das ihr auf einem Markt in fließendem Italienisch ein Armband verkauft. Mal wird ein Mädchen aus Russland im örtlichen Fernsehen getestet, weil es seine Mutter sucht und der verschwundenen Denise ähnlich sieht. Doch immer ist das Ergebnis negativ.

Halbschwester von Denise im Visier der Ermittler

Zwischendurch geraten die Ex von Denises Vater und deren gemeinsame Tochter, Jessica P., ins Visier der Ermittler. Im Rahmen einer Anhörung soll P. sich verdächtig geäußert haben. Eine Theorie: Ihre Halbschwester sei eifersüchtig auf die kleine Denise gewesen, da sie ihren Vater nun mit ihr teilen müsse. Es wird untersucht, ob sie das Kind an eine Roma-Familie verkauft haben könnte, doch ein Geschworenengericht spricht sie frei.

Wie auch die Eltern von Maddie McCann kämpft Denises Mutter weiter unermüdlich um ihre Tochter – bislang ohne Erfolg.

(mst)

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