Das Jenke-Experiment: Jenke von Wilmsdorff spricht mit Demenzforscher Christian Haass

13. September 2016 - 10:54 Uhr

Frühzeitige Demenz-Diagnose ist entscheident

Die ersten Demenz-Erscheinungen machen sich bei jedem Betroffenen unterschiedlich bemerkbar. Enden tut es jedoch bei allen gleich – nämlich mit dem Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit. Und genau hier liegt die besondere Tücke der Krankheit: Denn haben Kurzzeitgedächtnis und motorische Fähigkeiten erst einmal merkbar nachgelassen, ist es für eine Behandlung schon zu spät. RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff hat mit Demenzforscher Christian Haass von der Ludwig-Maximilians-Universität München über Heilungsmethoden und die Möglichkeiten einer medizinische Früherkennung gesprochen.

Christian Haass: "Sobald die Krankheit sichtbar wird, ist es für eine Behandlung schon zu spät."

Rund 1,5 Millionen Menschen leben in Deutschland derzeit mit der Diagnose Demenz – und sie alle werden früher oder später zu Pflegefällen. Um das zu verhindern, arbeiten zahlreiche Forscher und Wissenschaftler seit Jahren an Früherkennungsmethoden des Vergessens. Denn: "Sobald die Krankheit sichtbar wird, ist es für eine Behandlung schon zu spät. Dann sind die Nervenzellen bereits abgestorben und tote Nervenzellen bekommt man nicht mehr zurück. Das ist dasselbe wie mit einer gechrashten Computerdatenbank – die Daten sind dann einfach weg. Man muss den Datenverlust vorher verhindern", erklärt Demenzforscher Christian Haass.

Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn eine frühzeitige Demenz-Diagnose ist zwar rein technisch möglich, aber bislang noch sehr schwierig, aufwändig und damit auch entsprechend teuer. Trotzdem sind die Ergebnisse beeindruckend: Mithilfe sogenannter bildgebenden Verfahren kann die Krankheit bereits 20 Jahre vor Ausbruch festgestellt und ihr somit entgegengewirkt werden.

Und noch mehr: Denn laut Demenzforscher Professor Haass, der für seine Forschungen bereits mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, besteht durchaus Grund zur Hoffnung auf ein Medikament gegen das Vergessen. Und zwar in Form einer Impfung. Der entscheidende Vorteil: Während bisherige Test-Medikamente Schädigungen anderer Hirnstrukturen bewirkten, soll der Impfstoff eine Immunreaktion gegen die für Alzheimer verantwortliche Ablagerung von Amyloid-Eiweißbruchstücke auslösen.

Bei Mäusen lieferten verschiedene Test-Durchläufe mit dem Impfstoff bereits bemerkenswerte Erfolge. "Die Impfung bewirkt den beschleunigten Abbau des Gifts und greift nicht in physiologisch wichtige Prozesse des Gehirns ein", erläutert Christian Haass im Interview mit Jenke. Doch trotz aller Euphorie – bis die Demenz-Impfung marktreif ist, wird noch einige Zeit vergehen. Denn noch löst die Amyloid-Immunisierung auch Nebenwirkungen hervor.