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Wird ein gefälschter Impfpass vom Apotheker erkannt?

18. Juni 2021 - 8:06 Uhr

Das Geschäft mit den Impfausweisen

Von Stefan Richter und Simon Steioff

Viele Bereiche des öffentlichen Lebens scheinen wie aus einem Dornröschenschlaf erwacht. Die sommerlichen Temperaturen lassen die Infektionszahlen sinken und die Impfzahlen steigen. Doch parallel zum öffentlichen Leben blüht auch der Schwarzmarkt mit gefälschten Impfausweisen und der Betrug mit falschen Impfnachweisen. Aber ist es überhaupt möglich, gefälschte von echten Impfausweisen zu unterscheiden? Erkennt ein Apotheker den Unterschied?

Wir haben den Test gemacht und das Ergebnis zeigt: eigentlich braucht es den falschen Impfnachweis gar nicht.

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"Berichtigungsschein für FFP2-Masken ist sicherer als Impfpass"

Seit dieser Woche gibt es den digitalen Impfausweis – praktisch, modern und eine weitere Lücke im System. Denn für die Ausstellung des benötigten QR-Codes in der Apotheke braucht es nur den Impfpass und den eigenen Personalausweis. Klingt erst mal nach doppelter Sicherheit. Hat man sich allerdings bereits einen falschen Impfausweis besorgt, ist das für die ausstellende Apotheke quasi nicht zu erkennen.

"Der Impfpass ist auf ganz normales Industriepapier gedruckt ohne irgendwelche Sicherheitsmerkmale", sagt Peter Hessel, Polizeihauptkommissar und Experte für Urkundenfälschung. "Der Berichtigungsschein für FFP2-Masken damals war sicherer als der Impfpass. Warum hat man dafür nicht Wertpapier genommen, das deutlich fälschungssicherer ist? Der Schein für Schutzmasken hat ein Wasserzeichen und optische Aufheller, die unter Schwarzlicht fluoreszieren."

Solche Merkmale kann der Impfpass nicht vorweisen, ist also für Betrüger denkbar einfach zu kopieren, findet auch RTL-Reporter Stephan Richter. "So richtig überrascht hat es mich nicht, dass der Impfpass so leicht zu fälschen ist. Es gibt keine wirklichen Sicherheitsmerkmale wie Siegel oder Hologramme und das gelbe Buch ist für jeden leicht bei großen Onlinehändlern zu bestellen"

+++ Wie einfach man einen solchen über den Messengerdienst Telegram bekommen kann, lesen Sie hier. +++

Test zeigt: Fälschung nicht erkennbar

Und auch unser Test zeigt: Eine gut gemachte Fälschung ist für einen Apotheker nicht ohne weiteres zu identifizieren. Für den Test besucht RTL-Reporter Stephan Richter eine Apotheke in Frankfurt. Im Vorfeld ist sich Apotheker Björn Anders noch sicher: "Dadurch, dass jeder Impfpass von qualifiziertem Personal wird, sollte die Fälschung an dieser Stelle auffallen." Auf den gefälschten Impfausweis angesprochen – den sich unser Reporter im Vorfeld im Internet besorgt hat, muss allerdings auch Anders zugeben: "Die Handschrift war so ein bisschen krakelig, aber ansonsten schwierig, wirklich schwierig."

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SPERRFRIST 23.01.15 / 10.15 Uhr !!! Eine gefälschter 100-Euro-Schein (Mitte) liegt am 21.01.2015 in einem Raum der Bundesbank in Frankfurt am Main (Hessen) neben anderen gefälschten Geldscheinen und ist dabei vor allem durch sein nachgemachtes Hologr
Beispiel für ein eingearbeitetes Hologramm als Sicherheitsmerkmal bei Geldscheinen.
© dpa, Boris Roessler

Die QR-Code-Fälschung

Aber das System lässt sich auch noch einfacher austricksen und dafür braucht es nicht einmal die Hilfe von Betrügern aus dem Internet. Denn auch der QR-Code lässt sich quasi kinderleicht selbst fälschen. "Sie brauchen eigentlich nur eine QR-App. Und anstatt "reader" benutzen sie "writer" und da schreiben Sie rein, was sie möchten. Name, Beruf, vermeintlicher Impfstoff oder Impfzentrum. Und wenn sie das dann andere mit Ihrer App lesen lassen, kann jeder auf diese Informationen zugriffen", so Polizeihauptkommissar und Urkundenexperte Peter Hessel. "Diese Information reicht gegebenenfalls sogar aus, um in eine Kneipe oder ein Restaurant hineinzukommen, weil einfach keine Gegenkontrolle stattfindet."

+++ Lesetipp: Skrupelloses Corona-Geschäft mit gefälschten Impfpässen +++

Trotzdem will der Polizist die Schuld an dem offensichtlichen Versagen nicht bei der Politik suchen. Man müsse auch immer bedenken, was eine solche Umstellung bereits vorhandener Impfausweise für einen bürokratischen Aufwand bedeutet, auch wenn beispielsweise ein einfacher Hologramm-Aufkleber kostengünstig mehr Sicherheit schaffen könne.

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