Fremdbetreuung - ja oder nein!?

"Da Kita rein!": Darum bin ich froh, dass mein Sohn schon in die Kita geht

Sollen Kinder schon früh in die Kita? Unser Autor hat eine eindeutige Meinung.
© imago/Westend61, Mareen Fischinger, imago stock&people

06. Februar 2020 - 16:38 Uhr

Von Ingo Jacobs

Janni Hönscheid und Peer Kusmagk wollen ihre Kinder nicht in die Kita schicken. Schon während ihrer Schwangerschaften sei für Janni der Gedanke seltsam gewesen, "dieses kleine Wunder gleich in die Obhut einer fremden Institution zu geben." Ich war volle 13 Monate Vollzeit-Papa - und habe mir irgendwann die gleiche Frage gestellt. Aber natürlich wollte und vor allem musste auch ich zurück in den Job - die Frage nach Betreuung nach dem ersten Lebensjahr stand also die ganze Zeit schon im Raum. Und ich muss gestehen: Ich hätte nie gedacht, dass ich mich so schwer damit tun würde. Ist das gut für seine Entwicklung? Wird er damit nicht überfordert? Wird sein Bindungsverhalten dadurch nicht gestört? Aber, gleichzeitig war klar: Eigenbetreuung ist gar nicht finanzierbar.

Familienbande Kusmagk-Hönscheid
Familienbande Kusmagk-Hönscheid: Janni und Peer genießen es, so viel Zeit wie möglich mit ihren Kindern zu verbringen.
© Janni Höscheid / Instagram

Die Studien widersprechen sich

Trotzdem lässt mich und meine Frau das Thema in dieser Zeit nicht los. Studien und Artikel zum Thema gibt es viele. Aber wie zu erwarten war: Die einen sagen so, die anderen so. Während manche Autoren Bedenken äußern und von einer zu frühen Fremdbetreuung abraten, plädieren andere mit ihren Forschungen dafür. "Zu viel Stress für das Kind" argumentieren die Contra-Studien, "besser für die psychische Entwicklung des Kindes" die anderen. Während meine Frau das Thema wegen eigener positiver Erfahrungen locker sieht, bleibe ich da sorgenvoller.

"Du wolltest auch unbedingt raus"

Eine meiner ersten Kindheitserinnerungen findet in einer Kita statt - und sie war nicht so schön. Ich erinnere mich daran, schreiend auf dem Boden zu sitzen und kein Mensch kümmert sich um mich. Und das tagelang. Meine Mutter erinnert sich: "Als du zweieinhalb Jahre alt warst, wolltest du morgens auch unbedingt raus", erzählt sie mir am Telefon. "Dein Vater und deine Geschwister verließen das Haus Richtung Arbeit und Schule - und du wolltest eben auch." Na also: Es gibt einfach diesen natürlich Trieb, rauszugehen und die Welt zu erleben. Nachdem meine Mutter mich auf eine andere Kita transferiert hatte, lief es auch prompt besser.

Kita und Tagesmutter: Das Bauchgefühl muss total stimmen

Aber schon mit einem Jahr zu einer Tagesmutter? Die Sorgen darüber, ob der ökonomische Zwang dazu schlecht fürs Kind sein könnte, lösten sich auf: Am Ende des ersten Lebensjahres zeigte sich wie bei allen Kindern ein immer größer werdendes Interesse an anderen Kindern. Und wenn es kein Geschwisterchen gibt: Was wäre besser als eine kleine Gruppe von Kindern, die tagsüber einige Stunden zusammen spielen, essen, schlafen, sich erleben und miteinander spielen können?

Letztlich steht und fällt natürlich alles mit den betreuenden Personen. Und die wurden - sowohl in Sachen Tagesmutter als auch in Sachen Kita - sorgfältig und mit Bedacht ausgewählt. Erst wenn das Bauchgefühl total stimmt, kann man sein Kind mit gutem Gewissen Morgens in anderer Leute Hände geben. Und das war bei der Tagesmutter so und so war es auch, als der kleine Mann mit zwei Jahren in die Kita gekommen ist. Und wir waren so froh, dass er morgens immer euphorisch rief: "Da Kita rein!"

Ein Redakteur mit seinem Sohn
RTL-Redakteur Ingo Jacobs verbringt so viel Zeit wie möglich mit seinem Sohn. Er sagt: Wenn das Bauchgefühl bei den Eltern stimmt und dem Kind die Kita Spaß macht - dann passt alles!
© Jacobs, keine, Michel Babusiaux

So viel könnten wir als Eltern niemals bieten

Wirklich geändert hat sich das gute Gefühl bis heute nicht - auch wenn es schon Höhen und Tiefen gibt. Unser Einschlafritual umfasst schon seit längerem einen neuen Programmpunkt: "Kita zählen" - also von der Kita erzählen. Jetzt wo seine Sätze immer mehr Wörter enthalten, klappt das auch immer besser. Und wir merken: Da wird jeden Tag aufs Neue jede Menge erlebt und gelernt - so viel könnten wir ihm als Eltern niemals bieten.

Die Namen der anderen Kinder purzeln mit Begeisterung wie bunte Bälle aus seinem Mund - und noch nie hatten wir das Gefühl, dass er dort nicht glücklich sei. Ganz im Gegenteil: Es wird immer schwerer, ihn am Nachmittag überhaupt aus der Kita herauszubekommen. Wenn das nicht der Beweis ist, dass es ihm dort gefällt, dann weiß ich es auch nicht. Und darum bin ich froh, dass er in diese Kita geht!