Wenn am Satz "Wir sind schwanger" was dran ist

Couvade-Syndrom: "Co-Schwangerschaft" bei Männern ist kein Mythos

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8. August 2019 - 17:31 Uhr

Männer können tatsächlich einen Babybauch bekommen - ohne schwanger zu sein

"Wir sind schwanger!" Wenn Männer das sagen, wollen sie damit ihre Freude ausdrücken, dass sie bald Vater werden. Doch in einigen Fällen steckt mehr dahinter: Die Papas in spe klagen, wie ihre schwangere Partnerin, über Morgenübelkeit, sind gereizt und auch ihr Bauch wächst. So wie bei Oliver Pocher, dessen "Babykugel" genauso groß ist wie die seiner schwangeren Freundin Amira M. Aly.

Biologisch können Männer natürlich nicht schwanger werden, doch sie können tatsächlich Schwangerschaftssymptome aufzeigen. Wir erklären, was hinter einer Parallel-Schwangerschaft bei Männern steckt.

Das steckt hinter dem Couvade-Syndrom

Wenn Männer aus Solidarität mit der Schwangeren ebenfalls Schwangerschaftssymptome aufweisen, sprechen Mediziner vom Couvade-Syndrom. Couvade stammt vom französischen Wort "couver" und bedeutet so viel wie ausbrüten. 
Einige Studien weisen darauf hin, dass es sich um psychosomatische Symptome handelt, die besonders empathische Männer beim Durchleben der Schwangerschaft mit ihrer Partnerin entwickeln können. So klagten werdene Väter laut einer indischen Studie von 2014 über Verdauungs­störungen, Heißhunger, Appetitveränderungen, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Besonders in den ersten und letzten drei Monaten trat bei ihnen das Couvade-Syndrom auf.

Im Video: Alles zum Thema Übelkeit in der Schwangerschaft

"Schwangere" Männer klagen über Gewichtszunahme und Hungerattacken

Auch eine britische Studie vom Psychologen Arthur Brennan aus dem Jahr 2007 konnte die Existenz einer Co-Schwangerschaft bei Männern nachweisen. Das wissenschaftliche Team der St George's University of London überwachte hierzu knapp 300 werdende Väter über den gesamten Zeitraum der Schwangerschaft ihrer Partnerinnen. Fast alle Teilnehmer entwickelten die gleichen Beschwerden wie ihre Frauen. Im Durchschnitt nahmen die Männer bis zu vier Kilo zu. Und einige Probanden berichteten sogar über Bauchkrämpfe, wie man sie vor der Geburt verspürt. 

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Männer auf Pheromone ihrer Partnerin reagieren. Pheromone sind "soziale" Duftstoffe bzw. Hormone, die Menschen verströmen und mit denen die Psyche und Hormonhaushalte anderer Menschen unbewusst "beeinflusst" werden können. Das Phänomen von Co-Schwangerschaften kann dank der Pheromone auch unter Frauen eintreten.

Nach der Geburt endet das Couvade-Syndrom

Dr. Brennan berichtet in der Studie außerdem, dass das Couvade-Syndrom dazu beitragen kann, dass der Vater nach der Geburt eine besonders intensive Beziehung zu seinem Kind aufbaut.

Die Co-Schwangerschaft endet übrigens nach der Geburt, die väterliche Babykugel bleibt. Es soll aber wohl mittlerweile Yoga-Kurse geben, die Rückbildungskurse für Männer anbieten.