RTL News>Gesundheit>

Corona-Zahlen in der Schweiz sinken ohne Lockdown drastisch

Wie schaffen die Nachbarn das?

Ohne Lockdown: Neuinfektionen in der Schweiz sinken drastisch

Ohne Lockdown: Warum sinken Corona-Zahlen in der Schweiz? Immer weniger Neuinfektionen
00:36 min
Immer weniger Neuinfektionen
Ohne Lockdown: Warum sinken Corona-Zahlen in der Schweiz?

30 weitere Videos

Von rund 10.000 auf 3.000 Neuinfektionen pro Tag

Nachdem die Schweiz am 5. November mit über 10.000 Neuinfektionen an einem Tag den absoluten Höchststand vermeldete, sank die Zahl der positiven Corona-Tests in den letzten Tagen drastisch - und das, obwohl die Regierung im Vergleich zu Deutschland kaum Einschränkungen verhängte. Eine Entwicklung, die auch Experten verblüfft. Im Video schätzt Hygiene-Experte Dr. Georg-Christian Zinn ein, was eine Erklärung dafür sein könnte.

+++ Alle aktuellen Infos zum Coronavirus finden Sie im Liveticker auf RTL.de +++

Kein landesweiter Lockdown trotz Rekordzahlen

In der Schweiz hat sich die Situation bei den neuen Corona-Fällen am Wochenende weiter entspannt: Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) meldete 8.782 weitere Positiv-Tests seit Freitag. Im Schnitt steckten sich damit pro Tag 2927 Menschen mit dem Virus an – somit sank die Zahl der täglichen Neuinfektionen erstmals seit 15. Oktober wieder unter die 3.000er-Marke.

Am 5. November war mit 10.128 Positiv-Tests binnen 24 Stunden noch ein Höchststand erreicht worden. Anders als Deutschland und Österreich reagierte die Regierung jedoch nicht mit harten Einschnitten für das ganze Land: Bars und Restaurants sind bis abends um 23 Uhr geöffnet, Veranstaltungen mit bis zu 50 Personen sowie Freizeitaktivitäten bis 15 Personen erlaubt. Teil-Lockdowns gibt es nur auf regionaler Ebene, etwa im Kanton Genf und in Basel. David Nabarro, der Covid-Beauftragte der Weltgesundheitsorganisation (WHO), zeigte sich vor wenigen Tagen noch sehr besorgt: „Es überrascht mich, dass es nicht als nationaler Notstand behandelt wird“, zitiert ihn das Medienunternehmen CH-Media.

Im Verhältnis deutlich mehr Tote als in Deutschland

Nun sinkt die Zahl der Neuinfektionen offenbar rasant. Der Schweizer Epidemiologe Andreas Cerny sieht im Interview mit der „Bild“ vor allem das „lokal adaptierte Vorgehen“ als entscheidenden Vorteil. Allerdings warnt er, dass die Schweiz immer noch mehr als doppelt so viele neue Fälle pro 100.000 Einwohner habe wie Deutschland.

Und auch die Zahl der Todesfälle ist noch immer hoch: Insgesamt gibt es in der Schweiz seit Beginn der Pandemie 4.445 Todesfälle, seit Mitte November starben dort rund 1.000 Menschen an Corona – also auf die Einwohnerzahl umgerechnet etwa zweieinhalb mal so viele wie in Deutschland.

Dr. Zinn mahnt, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen: „Wir müssen mal schauen, wie sich die Zahlen in Österreich und der Schweiz in der Vorweihnachtszeit entwickeln. Wir sehen in der Schweiz einen deutlichen Abfall, in Österreich nur einen geringen – aber die Schweiz spricht jetzt schon davon, die Skigebiete die ganze Zeit offenzulassen. Wir müssen da wirklich abwarten, ich glaube dafür, Entwarnung zu geben, ist es noch zu früh.“

Quelle: Reuters/dpa