Forscher sehen extremes Szenario

Impfstoff-immune Corona-Super-Mutationen auch in Deutschland denkbar

Um die Wahrscheinlichkeit zu senken, dass Escape-Varianten entstehen, müsse die Ausbreitung des Virus wirksam eingedämmt werden - etwa durch Einhalten der AHA-Regeln und flächendeckende Impfungen.
Um die Wahrscheinlichkeit zu senken, dass Escape-Varianten entstehen, müsse die Ausbreitung des Virus wirksam eingedämmt werden - etwa durch Einhalten der AHA-Regeln und flächendeckende Impfungen.
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15. April 2021 - 10:12 Uhr

Dritte Welle könnte Flucht-Variante anspülen

Was passiert, wenn sich immer mehr Varianten des Coronavirus Sars-CoV-2 entwickeln? Ist es dann möglich, dass dabei auch eine gegen alle Impfmittel resistente, sogenannte Flucht-Variante entsteht? Nach Einschätzung von Primatenforschern aus Göttingen könnte dies auch bei uns in Deutschland geschehen. Insbesondere dann, wenn sich das Virus jetzt in der dritten Welle stark ausbreitet.

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Unvollständiger Immunschutz befördert Flucht-Mutationen

Sogenannten Escape-Varianten, auch Flucht-Mutationen genannt, können entstehen, wenn sich das Virus in einer Bevölkerung mit unvollständigem Immunschutz ausbreitet. Das kann der Fall sein, wenn die Immunität nach überstandener Infektion oder Impfung langsam abnimmt. Flucht-Mutationen werden diese Varianten genannt, da sie versuchen, der Immunantwort des Körpers zu entkommen.

In einer Bevölkerung mit einem gewissen Grad an Immunität hätten Flucht-Mutationen bei vergleichbarer Infektiosität einen Vorteil gegenüber dem Ursprungsvirus, erläutern Stefan Pöhlmann und Markus Hoffmann vom Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen. In einem solchen Szenario würde eine solche Escape-Variante relativ schnell dominant werden. Als Beispiel dafür nennen sie die Mutante P.1 aus Brasilien.

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Fluchtmutation-Variante müsste ansteckender sein

"Falls in einer Bevölkerung kaum Immunität vorherrscht, so wie derzeit in Deutschland, würde eine Escape-Variante in direkter Konkurrenz mit den vorherrschenden Virusvarianten stehen, die ihrerseits noch genügend empfängliche Wirte vorfinden", erklärten die Forscher. Dann würde sich eine Flucht-Mutation-Variante aber nur dann großflächig durchsetzen, wenn sie auch besser übertragbar wäre.

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"Extremes Szenario, aber nicht auszuschließen"

Dass Varianten entstehen, die nicht mehr durch jetzt verfügbare Impfstoffe gehemmt werden, sei "ein extremes Szenario, aber nicht auszuschließen". Um die Wahrscheinlichkeit zu senken, dass Escape-Varianten entstehen, müsse die Ausbreitung des Virus wirksam eingedämmt werden - etwa durch Einhalten der AHA-Regeln und flächendeckende Impfungen.

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Epidemiologe: Neue mRNA-Technologie kann schnell auf jegliche Varianten reagieren

Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs im RTL-Interview
Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs
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"Es ist in der Tat eine Art Wettlauf", sagt dazu Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs. "Wir müssen jetzt schnell und stringent alles durchimpfen - aber nicht nur bei uns, sondern auch im globalen Süden, in den armen Ländern muss das ebenfalls erfolgen." Denn die südafrikanische Variante B.1.351 und die brasilianische Variante P.1 könnten sich sonst dort weiter entwickeln.

Allerdings sieht Ulrichs uns auch im Falle einer anscheinend immunresistenten Variante gut gerüstet. Mit der neuen mRNA-Technologie bestünde mittlerweile die Möglichkeit, schnell auf solche Ereignisse zu reagieren. "Man kann den Impfstoff schnell überarbeiten, indem man die mRNA-Information anpasst und dann nachimpft." Bei der saisonale Grippe werde dies auch so praktiziert.

Zudem schütze die durch das Impfen entstehende Herdenimmunität auch vor einer Verbreitung von neuen Varianten. "Wenn ganz viele Menschen in der Bevölkerung geschützt sind, ist auch die Umgebung geschützt."

Quellen: dpa/RTL.de

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